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Automobile

Porträt Jürgen Pieper

Metzler sieht VW-Aktie bei 170 Euro

Ist VW wieder kaufenswert?

Stand: 22.12.2015, 15:30 Uhr

Das Bankhaus Metzler wagt sich bei VW weit vor und erhöht das Kursziel für die Aktie auf 170 Euro. Ist das zu gewagt? Die Probleme sind ja schließlich noch nicht aus der Welt.

Jürgen Pieper ist derzeit aus der Schar der Auto-Analysten der größte Optimist für die VW-Aktie. Er rechnet nach dem Abgasskandal allmählich mit einer Rückkehr zur Normalität. Der Nachrichtenfluss um VW habe sich in den vergangenen zwei Wochen unterm Strich verbessert. Die Verkaufszahlen seien im November eindeutig besser als von ihm befürchtet ausgefallen.

Die Aktie dürfte schrittweise wieder eine "normale" Bewertung erhalten, was aus seiner Sicht 30 Prozent Kurspotenzial freisetzen dürfte. Statt eines "Hold" empfiehlt er die Aktie nun zu kaufen, sein Kursziel erhöhte er von 120 auf 170 Euro.

Größter Optimist

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
121,85
Differenz absolut
1,25
Differenz relativ
+1,04%

Die Stimmung ist inzwischen flächendeckend - bei Analysten wie Investoren - wieder besser. Die Aktie hat sich nach dem Einbruch im September/Oktober, als es von rund 170 unter die Marke von 90 Euro ging, wieder erholt. Sie notiert mittlerweile über 130 Euro. Die meisten Analysten wagen sich aber noch nicht so weit vor wie Pieper, viele bleiben bei einem vorsichtigen Hold, mit seiner Prognose von 170 Euro steht Pieper ganz allein da. Ähnlich positiv sind nur die UBS, Berenberg und Bernstein Research mit einem Kursziel von 160 Euro.

Dabei war Pieper einmal einer der größten Pessimisten. Nach Bekanntwerden des VW-Betrugs gab er Ende September ein Kursziel von 88 Euro aus - zu dem Zeitpunkt hatte die Aktie bereits einen steilen Kurssturz hinter sich, notierte aber noch über 100 Euro. Anfang Oktober fiel sie dann bis auf 86,36 Euro. Nach solcher Treffgenauigkeit hat das Wort des Metzler-Analysten Gewicht. Heute vertrauten Investoren seiner Kaufempfehlung, die Aktie schoss am Morgen fast drei Prozent in die Höhe.

Unsicherheitsfaktor US-Behörden

Aus dem Schneider ist die Aktie aber noch nicht. Die nächsten Hürden seien nun die Stellungnahmen der US-Umweltbehörden EPA und CARB zu den Rückrufplänen von Volkswagen, sagt auch Pieper. Er rechnet in drei bis vier Wochen mit einer Antwort. Der Rückruf dürfte seiner Einschätzung nach rund eine Milliarde Euro kosten - damit seien die Rückstellungen von VW über 8,7 Milliarden Euro "deutlich zu hoch".

2016 werde das Jahr der Aufarbeitung für VW. Die wichtigste Aufgabe werde sein: "Man muss die Kunden zurückgewinnen." VW unter neuer Führung traut der Autoexperte zu, sich die zuletzt gesunkenen Marktanteile zurückzuholen - zur Not mit höheren Preisnachlässen. Der Konzern habe zuletzt "ganz ordentlich an der Preisschraube gedreht". Absatzminus und Rabatte dürften auf den Gewinn drücken. Aber selbst einen Rückgang in Milliardenhöhe halten Experten für beherrschbar.

bs

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