John Cryan

Kritik von Großanlegern Ist John Cryan noch der Richtige?

Stand: 14.09.2017, 09:20 Uhr

Die Deutsche Bank schreibt wieder schwarze Zahlen und scheint die größten Risiken aus dem Weg geräumt zu haben. Doch der Aktienkurs ist nach kurzer Erholung erneut in die Knie gegangen. Nun gerät Konzernchef John Cryan ins Visier der Kritiker.

Offenbar sind einige Großaktionäre der Deutschen Bank zunehmend unzufrieden mit Vorstandschef John Cryan. Er habe in den zwei Jahren an der Spitze der Deutschen Bank "schlicht zu wenig" verändert, zitiert das "Handelsblatt" einen namentlich nicht genannten Investor. Ein anderer anonym bleibender Großaktionär sagte dem Blatt, er glaube "zunehmend, dass er nicht mehr der Richtige ist". Die Deutsche Bank wollte laut "Handelsblatt" die Kritik nicht kommentieren.

Auch aus Katar soll zunehmend Gegenwind kommen. Der Großaktionär sei verärgert, dass sich Cryan offenbar nicht mit seiner Rolle als "Übergangslösung" zufrieden geben wolle, schreibt das Blatt. So hatte Cryan jüngst in einem Interview mit dem "Handelsblatt" angedeutet, er könne sich vorstellen, nach Ende seines Vertrages 2020 weiterzumachen.

John Cryan

Wie gefährlich ist die Deutsche Bank, Herr Cryan?

Aktienkurs unter Druck

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Katar schätze Cryan zwar als Sanierer, jedoch nicht als Mann für die Zukunft, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf das Umfeld des Großaktionärs, der über neun Prozent an der Deutschen Bank hält. Katar wollte sich gegenüber der Zeitung nicht äußern. Von einem anderen Investor hieß es, Cryan sei "der richtige Mann zur richtigen Zeit gewesen", die aktuelle Strategie sei aber auf seine beiden Stellvertreter Marcus Schenck und Christian Sewing gemünzt.

Tatsächlich hat sich der Aktienkurs seit dem Tief im vergangenen Herbst bei nur noch zehn Euro etwas erholt. Bis zum Mai waren die Papiere sogar auf 17,60 Euro gestiegen, was einem Zuwachs von 70 Prozent gegenüber dem Tief vom Vorjahr entsprach. Doch die Erholung war nur von kurzer Dauer. Seitdem geht es wieder bergab auf zuletzt 14 Euro - ein Minus von knapp 20 Prozent gegenüber dem Jahreshoch vom Mai.

Die Unzufriedenheit über diese Schwäche richtet sich offenbar zunehmend gegen Bankchef John Cryan. "Der Vorstandsvorsitzende hatte im Frühjahr eine komfortable Ausgangslage, aber er hat sie schlecht genutzt", heißt es bei einem einflussreichen Großinvestor.

Es gibt auch Lob

Cryans Leistungen als Aufräumer und Sanierer werden von vielen Seiten gelobt. Doch das ändert nichts daran, dass immer mehr Großinvestoren bezweifeln, dass der Brite die Frankfurter wieder auf Wachstumskurs bringen kann. Ein Schlüsselmoment waren die schwachen Zahlen für das erste Halbjahr. In der Vertrauenskrise im vergangenen Herbst hatten Investoren Milliarden von der Bank abgezogen. Viele Investoren zeigten sich jetzt tief beunruhigt darüber, dass auch in den ersten sechs Monaten 2017 die Einnahmen noch zurückgingen. Deshalb sackte der Börsenkurs der Bank wieder ab.

Doch der Ärger einiger Großanleger wird nicht von allen geteilt. So hält etwa Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, John Cryan nach wie vor für den "richtigen Mann. Man könne vom Vorstand nicht das Unmögliche verlangen. "Im Vergleich zur Situation vor einem Jahr ist die Deutsche Bank wesentlich stabiler geworden. Kosten und Risiken sind gesunken, es gibt auch weniger Rechtsrisiken, und das Kapital wurde aufgestockt", lobt Speich im Handelsblatt. Doch selbst er betont, "die Bank hat noch nicht bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell trägt".

Sendung: B 5, 14.09.2107, 10.15 Uhr

lg

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