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Halbleiter

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Übernahme ist geplatzt

Infineon kommt bei Wolfspeed nicht zum Zuge

Stand: 17.02.2017, 08:55 Uhr

Was bisher noch mit einem Fragezeichen versehen war, ist jetzt bestätigt. Die geplante Übernahme des US-Halbleiterherstellers Wolfspeed durch den Dax-Konzern Infineon ist wegen Sicherheitsbedenken gescheitert.

Dies teilte die Wolfspeed-Mutter Cree am Abend mit. Eine wirkliche Überraschung ist die Absage nicht, denn die ablehnende Haltung der US-Behörden gegenüber dem Deal im Volumen von 850 Millionen Dollar war bereits zuvor durchgesickert. Diese hatten in Gestalt des Genehmigungsausschusses CFIUS des Senats Sicherheitsbedenken geltend gemacht, da Wolfspeed auch militärische Anwendungen bedient.

Bereits auf der gestrigen Hauptversammlung des Münchener Dax-Konzerns hatte Vorstandschef Reinhard Ploss erklärt, dass die aktuelle Situation nur eine extrem geringe Wahrscheinlichkeit zur Umsetzung biete. Zusätzlich zum geplatzten Deal muss Infineon auch eine Vertragsstrafe von 12,5 Millionen Dollar bezahlen.

Chance verpasst

Infineons Absichten waren mitnichten militärischer Natur. Die Münchener wollten mit Hilfe von Wolfspeed ihre Expertise im Bereich neuer Halbleiterstoffe verbessern. Bisher werden Chips hauptsächlich aus Silizium gefertigt, bei Wolfspeed ging es um neue Materialien wie Siliziumkarbid und Galiumnitrid. Zudem hätte Wolfspeed dabei helfen können, Infineons Position als Zulieferer der Autoindustrie und beim Mobilfunkstandard 5G auszubauen.

Aber gegen das Sicherheitsargument der Amerikaner ist kein Kraut gewachsen. So gesehen zuletzt beim Verkauf des Roboterbauers Kuka an einen chinesischen Investor, als dieser seine US-Rüstungsaktivitäten an eine amerikanische Firme verkaufen musste. Auch der Chipanlagenbauer Aixtron war betroffen, dessen Übernahme durch einen ebenfalls chinesischen Investor auf Geheiß der damaligen Obama-Regierung nicht zustande kam.

Aktie ex Dividende

Das Infineon-Papier steht kurz vor der Eröffnung im vorbörslichen Handel unter Druck, allerdings nur optisch. Denn heute wird die Dividende von 0,22 Euro vom Kurs abgeschlagen. Ansonsten wäre die Aktie kaum verändert in den Handel gestartet.

Darüber hinaus gibt es am Infineon-Chart kaum etwas auszusetzen. Das Papier hat sich nicht nur im vergangenen Jahr, sondern auch mittelfristig in einem fast schon schulmäßigen Aufwärtstrend nach oben bewegt. So stand das Papier im Herbst 2012 noch unter fünf Euro, am Donnerstag lag der Schlusskurs (inklusive der 2016er-Dividende) bei 17,25 Euro.

rm

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