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Sicherheit in der Krise

Symbol für Sicherheitsgurt

Anleger flüchten in "sichere Häfen"

In rauen Zeiten auf Altbewährtes setzen

Stand: 08.02.2016, 12:02 Uhr

Nach vielen erfolgreichen Jahren ist 2016 bisher für die Aktienanleger sehr schlecht angelaufen. In Krisenzeiten, so zeigt sich, setzen sie wieder auf altbewährte Verhaltensmuster.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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Die Sorge um eine Abschwächung der globalen Konjunktur, wie sie sich aktuell insbesondere im Verfall der Ölpreise zeigt, sowie der begonnene Zinserhöhungszyklus in Amerika, sorgen derzeit an der Börse für schlechte Stimmung. Vorbei scheint die Zeit, als die Kurse, allein getrieben vom billigen Geld der Notenbanken, immer neue Höhen erklommen haben.

Seit dem 10. April 2015, als der Dax bei 12.390 Punkten sein bisheriges Allzeithoch markiert hat, geht es unter Schwankungen bergab. Seit Jahresbeginn hat sich diese Entwicklung beschleunigt. Der deutsche Leitindex Dax hat schon über 13,5 Prozent verloren (per 5.2.16) - und auch heute sieht es so aus, als ob sich diese Zwischenbilanz weiter verschlechtern wird. Aktuell kämpft der Index mit der Marke von 9.000 Punkten und verliert damit weiter an Boden.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Stoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Auch auf europäischer Basis sieht es nicht besser aus. Der EuroStoxx-50-Index, der ausgewählte europäische Standardwerte aus Euroland beinhaltet, steht aktuell mit etwas über 2.800 Punkten am Jahrestief. Im April lag der Höchststand noch bei 3.828 Zählern. Der Stoxx-50-Index, der auch große Standardwerte aus Nicht-Euro-Ländern enthält, insbesondere aus der Schweiz und Großbritannien, notiert mit knapp 2.700 Punkten ebenfalls auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr.

Anleger flüchten in defensive Sektoren

Wie aber verhalten sich die Anleger in einer solchen Abwärtsbewegung? Beim genaueren Blick in die Sektoren, basierend auf der Betrachtung der EuroStsoxx-Indizes, zeigt sich, dass sie ähnlich agieren wie in früheren Krisen.

Bester Sektor seit Jahresbeginn ist nämlich der Euro-Stoxx-Sektor Nahrungsmittel (Food & Beverages), der "nur" 4,72 Prozent nachgab. Er ist für Analysten und anderen Börsenprofis schon immer der defensive Sektor par exellence. Dabei gilt, dass der Sektor in guten Zeiten nur unterdurchschnittlich zulegt, dafür aber in Abschwungphasen ebenfalls nur unterdurchschnittlich verliert. Dass diese Rechnung aufgeht, zeigt sich auch aktuell. Denn der EuroStoxx50-Index hat seit Jahresbeginn 18,87 Prozent verloren hat.

Bester Wert im Sektor war übrigens in diesem Jahr bisher die italienische Campari-Aktie mit über 23 Prozent Gewinn, gefolgt vom holländischen Bierbrauer Heineken, der immerhin noch über 18 Prozent zulegte. Selbst die Aktie des französichen Spirituosen-Herstellers Pernod Ricard als schlechtester Sektor-Wert hat nur etwas über vier Prozent verloren.

Etwas überraschend ist wohl die Tatsache, dass auch der Versorgersektor sich mit einem Minus von 5,20 Prozent im Vergleich gut gehalten hat. Denn so defensiv wie die Aktien früher angesehen worden sind, sind sie nicht mehr. Vor allem Aktionäre der deutschen Dax-Wert RWE und Eon können davon ein Lied singen. Aber gerade RWE und Eon, die sich derzeit wegen der Energiewende in Deutschland neu aufstellen, haben maßgeblich zum guten Sektoreregebnis beigetragen. Allerdings nicht, weil sie wegen ihrers defensiven Charakters so solide unterweg sind, sondern nur wegen der Umbaufantasie nach zuvor heftigen Verlusten. Bester Wert ist bisher RWE mit einem Plus von 9,56 Prozent.

Recht gut unterwegs war auch noch der Bausektor, der rund sieben Prozent eingebüßt hat und derzeit von guten Fundamentaldaten profitiert. Hier fällt besonders die französische Baugruppe Eiffage ins Auge, deren Aktie sogar über vier Prozent gestiegen ist seit Jahresanfang. Das Papier setzt damit einen guten Lauf fort, der es in einem Jahr um über 42 und in drei Jahren sogar um 89 Prozent nach oben getrieben hat. Heidelbergcement aus dem Dax, einziger deutscher Vertreter, hat übrigens schwach abgeschnitten mit einem Minus von über 14 Prozent seit Jahresbeginn.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Banken am Ende

Unter den EuroStoxx-Sektoren belegen die Banken derzeit den letzten Platz, nur knapp schlechter als der Autosektor, der ebenfalls sehr schlecht lief. Über 21 Prozent Minus, da werden schlimme Erinnerungen an vergangenen Zeiten wach. Aktuell geht zudem wieder die Angst vor neuen Bankpleiten um, abzulesen an den gestiegenen Preisen für CDS des Finanzsektors. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets nachrangiger Verbindlichkeiten verteuerte sich am Montag um 13 Prozent auf 299.450 Euro.

Die Anleger sind zunehmend besorgt, wie die Banken im scheinbar nicht enden wollenden Niedrigzinsumfeld Geld verdienen wollen. Heute schockte die Commerzbank ihre mittelständischen Kunden mit der Ankündigung von Negativzinsen. Eine Welle der Empörung dürfte durch die breite Kundschaft gehen, sollte es bald auch die Privatkunden erwischen.

Der Preis für Deutsche-Bank-CDS stieg auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 214.625 Euro. Die Aktie verliert aktuell weitere fünf Prozent auf 14,49 Euro und notiert damit so tief wie seit über sieben Jahren nicht mehr. Damit summiert sich das Minus im bisherigen Jahresverlauf schon auf über 32 Prozent.

Die schwächsten Einzelaktien im Sektorindex kommen übrigens aus Italien, wo die Banken immer noch auf einem Berg fauler Kredite sitzen und mit dem Staat über eine Bad-Bank verhandeln. Dies mehr als sieben Jahre nach dem Ende der Finanzkrise (!). Schlusslicht ist übrigens die 1472 gegründete italienische Banca Monte dei Paschi - die die älteste Bank der Welt. Deren Aktie verlor seit Jahresbeginn schon über 50 Prozent.

Rentenhausse ohne Ende

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Außerhalb der Sektorrotation am Aktienmarkt sind es vor allem Bundeswertpapiere, die immer wieder als sicherer Hafen von den Anlegern gerne genommen werden. Auch hier setzen die Investoren damit auf altbewährte Verhaltensmuster, denn schon zu DM-Zeiten galten Bundesanleihen als der Inbegriff der Sicherheit. Zudem steigt auch die europäische Gemeinschaftswährung, der Euro, allen Unkenrufen zum Trotz in Krisenzeiten in der Gunst der Anleger.

Der für den deutschen Rentenmarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg am frühen Nachmittag bis auf 164,65 Punkte und damit auf den höchsten jemals erreichten Stand. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sackte knapp unter 0,25 Prozent. Damit erhalten die Anleger aber vom Bund wenigstens noch einen symbolischen Ertrag. Anleihen der Schweizer Eidgenossenschaft, ebenfalls ein historisch sicherer Hafen, liegen in allen Laufzeitbereichen im Minus.

rm

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Dax Tops und Flops im Jahr 2016

Welche Aktie gilt als sicherer Hafen?

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

RWE ST

Auf aktueller Basis ergibt sich seit Jahresanfang ein ungewohntes Bild. Denn die RWE-Aktie, die lange Zeit zu den größten Sorgenkindern im Dax gehörte, bringt noch eine positive Jahresentwicklung 2016 von gut 5,4 Prozent auf die Waage. Hintergrund ist die Fantasie nach der Neuausrichtung des Konzerns im Zuge der Energiewende. Ein sicherer Hafen im Sinne eines defensiven Investments, wie die Versorgeraktien es früher mal waren, ist sie aber nicht mehr. Mehr zum Thema: RWE, der neue Star im Dax

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

RWE ST

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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Beiersdorf: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

BMW ST

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Commerzbank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Deutsche Bank

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