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Banken

HSBC-Zentrale in London

Beihilfe zur Steuerhinterziehung

HSBC spielt den reuigen Sünder

Stand: 23.02.2015, 11:48 Uhr

Europas größte Bank, die britische HSBC, hat sich für die von ihrer Schweizer Tochter geförderte Beihilfe für Steuerhinterziehung entschuldigt. Wegen der Strafzahlungen für zahlreiche andere Vergehen hat die Bank zudem weniger verdient - zum Unmut der Investoren.

An der Londoner Börse verliert die HSBC-Aktie mehr als fünf Prozent, unter die Schwelle von 600 Pence. Keine gute Nachricht für Anleger, die bereits seit 2013 unter sinkenden Kursen zu leiden haben.

HSBC bezahlt damit für die zahlreichen Fehler in der Vergangenheit. Wegen hoher Strafzahlungen ist der Gewinn im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar gefallen, teilte der Finanzgigant am Morgen mit. Die Erträge stagnierten bei rund 62 Milliarden Dollar. Das sind im Vergleich etwa zur Deutschen Bank (1,7 Milliarden Euro Gewinn in 2014) immer noch sehr stolze Zahlen, doch hatten Analysten mit viel mehr gerechnet.

Zwei Milliarden Dollar Strafe

Und noch sind die Verfehlungen aus der Zeit vor der Finanzkrise nicht behoben. Erst in vergangenen Woche wurde bekannt, dass HSBC wegen eines Geldwäsche-Skandals in den USA eine Rekordstrafe von knapp zwei Milliarden Dollar zahlen muss. "Wir übernehmen die Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit“, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver. Die US-Behörden werfen dem Institut vor, Kunden beim Transferieren von fragwürdigen Geldern aus Ländern wie Mexiko, dem Iran oder Syrien geholfen zu haben.

Auch in Europa steht HSBC am Pranger. So wird der Schweizer Tochter vorgeworfen, Kunden aus aller Welt dabei geholfen zu haben Steuern zu hinterziehen. Die Bank hatte im Jahr 2007 nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Konten von Kunden aus mehr als 150 Ländern mit Einlagen von mehr als 118 Milliarden Dollar. Nach Medienrecherchen sollen unter den Kunden Verwandte und Regierungsmitglieder von Machthabern auch aus dem Nahen Osten sein.

Daraus seien aber Konsequenzen gezogen worden, beteuerte die Bank zuletzt. Die Schweizer Privatbank der HSBC habe 2008 eine radikale Transformation begonnen, die Konten von Steuersündern seien geschlossen worden, die Bank konzentriere sich nun auf besonders vertrauenswürdige Kundschaft. Dieser Reformschritt habe dazu geführt, dass 70 Prozent aller Konten dichtgemacht wurden, räumte die Bank ein. Konten von US-Bürgern seien 2010 komplett abgeschafft worden.

Zweifel an Besserung

Kenner der Branche zweifeln aber am Versprechen der Bank, sich ändern zu wollen. So sagte Monika Roth, Professorin an der Hochschule Luzern und spezialisiert auf Finanzmarktrecht und interne Kontrollmechanismen der Banken, sie habe bei der HSBC aufgrund vieler Vorfälle den Eindruck, "dass eine wirkliche Compliance-Kultur zur Zeit nicht gegeben ist".

Am Wochenende wurde bekannt, dass HSBC-Chef Stuart Gulliver offenbar selbst Kunde der Schweizer Private-Banking-Tochter gewesen ist. Wie "The Guardian" berichtete, wurde Gulliver als Berechtigter einer Firma aus Panama bei der Schweizer HSBC-Filiale geführt. Anwälte Gullivers teilten der Zeitung mit, der Banker habe das Konto in der Schweiz genutzt, um die Boni vor seinen damaligen Kollegen in Hongkong geheim zu halten. Warum das Konto über eine Firma aus Panama lief, wollten die Anwälte nicht kommentieren.

Risiko Großbritanniens Austritt

Welche Strafzahlungen auf die HSBC in diesem Zusammenhang zukommen, steht noch nicht fest. Allerdings drohen der HSBC auch im operativen Geschäft hohe Risiken. Nach wie vor gebe es aber eine Reihe von Risiken für die Wirtschaft allgemein und die Branche im Speziellen, sagte Stuart Gulliver. Da die Bank ihren Sitz in London habe, sei der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die größte Unsicherheit für sein Haus.

lg

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