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Energie

Hochspannungsmasten im Sonnenuntergang

Aktien stürzen zeitweise zweistellig ab

Dramatischer Tag für Eon und RWE

Stand: 15.09.2015, 15:36 Uhr

Für die beiden ehemaligen Energiegiganten Eon und RWE gab es erneut eine Hiobsbotschaft. Die Aktien stürzten zeitweise auf neue Tiefststände. Schließlich stoppte der Wirtschaftsminister höchstselbst den Kursverfall.

Wie "Der Spiegel" berichtet, fehlen den Energiekonzernen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW für den Atomausstieg möglicherweise Rückstellungen in Höhe von 30 Milliarden Euro. Dies sei das Ergebnis eines Gutachtens von Wirtschaftsprüfern, die das Bundeswirtschaftsministerium beauftragt habe, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin.

39 Milliarden sind nicht genug

Demnach reichten die gebildeten Rückstellungen in Höhe von etwa 39 Milliarden Euro zwar aus, um die Atomkraftwerke in Deutschland zurückzubauen - doch für die Endlagerung des Atommülls und dem Aufbau eines Endlagers fehle das Geld.

Zinsen machen Sorgen

Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Doch wie konnten sich die Konzerne so stark verrechnen? Die Unternehmen hätten laut dem Bericht bei ihren Rückstellungen mit zu positiven Zinserträgen gerechnet. Der Grund liegt damit vermutlich in dem in den vergangenen Jahren stark gesunkenem Zinsniveau.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die im Dax notierten Stammaktien von Eon und RWE brachen aufgrund der Meldung am Morgen zweistellig ein. Schon am Montag waren die Energietitel auf die tiefsten Stände seit Anfang der Neunziger Jahre gefallen. Erst in der vergangenen Woche hatte Eon vor milliardenschweren Wertberichtigungen und einem erheblichen Verlust 2015 gewarnt. RWE hatten zuletzt Spekulationen über eine Kürzung der Dividende zugesetzt. Mit Tiefstkursen von 7,46 beziehungsweise 10,18 Euro notieren die Papiere auf der Hälfte des Vorjahresniveaus beziehungsweise deutlich darunter.

Ministerium weist Bericht zurück - "unverantwortliche Spekulationen"

EnBW: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Entlastung gab es aber ab dem späten Vormittag: Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, die Zahl einer Rückstellungslücke von 30 Milliarden Euro sei ihm nicht bekannt und werde dementiert. Das Ergebnis des Stresstests für die Atomrückstellungen liege noch nicht vor, werde aber noch im Herbst erwartet.

Gegen Mittag legte das Ministerium nach: "Für die negativen Marktreaktionen gibt es aus Sicht des Ministeriums keinen Anlass", hieß es. Ein Ministeriumsvertreter nannte die Zahl von 30 Milliarden "völlig unrealistisch". Schließlich wies auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) höchstselbst den "Spiegel"-Bericht zurück: "Es finden in diesen Stunden unverantwortliche Spekulationen zum Stresstest für Kernenergie statt", so Gabriel. "Die aktuellen Zahlenspiele sind keine Grundlage für unser konkretes politisches Handeln. Im Gegenteil: Es gibt noch gar keine Ergebnisse des Stresstests."

Schon am Morgen hatte das amerikanische Analysehaus Bernstein Research sein Anlageurteil für die Eon-Aktie trotz des "Spiegel"-Berichts auf "Outperform" mit einem Kursziel von 16,40 Euro belassen. Dem Bericht liege ein extremes Szenario mit negativen Zinsen zugrunde, welches nicht plausibel sei, schrieb Analystin Deepa Venkateswaran. Zudem beziehe sich der Bericht nur auf einen Entwurf und nicht auf die endgültige Version des Gutachtens. Die Regierung könnte wegen ihrer Bemühungen um einen Fonds für die finanziellen Belastungen durch den Atomausstieg ein Interesse haben, die Risiken zu übertreiben.

ME/la

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