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Bauindustrie

Kran auf einer Hochtief-Baustelle in Köln

Großaktionär steigt aus

Hochtief im Überangebot

Stand: 13.10.2015, 10:39 Uhr

Aktien des Baukonzerns rutschen am Dienstag deutlich ins Minus. Hochtief verliert mit dem Emirat Katar einen großen Anteilseigner. Wer die Anteile übernommen hat, darüber herrschte zunächst noch Rätselraten.

Ein "massgeblicher Teil" des zum Verkauf stehenden Aktienpaketes sei an einen "einzelnen strategischen Aktionär" gegangen. So hieß es in einer Mitteilung der "Qatar Investment Authority", dem Investmentarm des Emirats am Arabischen Golf. Inzwischen hat Hochtiefs-Hauptaktionär, die spanische ACS, bestätigt: Ein Teil der zum Verkauf stehenden rund elf Prozent der Anteile, nämlich 5,84 Prozent, gingen an ACS. Damit bauen die Spanier ihre Beteiligung auf 66,54 Prozent aus.

Geschätzter Gewinn: Gut 30 Prozent

Für den Staatsfonds dürfte der Deal kein schlechtes Geschäft gewesen sein. Nach eigenen Angaben wurden die insgesamt sieben Millionen Hochtief-Aktien zu je 77 Euro verkauft, was 539 Millionen Euro entspricht. Das Hochtief-Management hatte Katar 2010 bei dem Versuch, die Übernahme durch die spanische ACS zu verteilen, an Bord geholt. Das Manöver scheiterte, Katar blieb aber an Bord. Vor fünf Jahren notierte die Hochtief-Aktie zwischen 50 und 60 Euro, der Fonds dürfte damit zwischenzeitlich einen Gewinn von einem Drittel seines Einsatzes eingefahren haben.

Fokussierung auf den Bau

Hochtief: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ACS hielt zuletzt bereits rund 60 Prozent an Hochtief und bestimmt auch die Geschäftpolitik des MDax-Mitglieds maßgeblich.So hatte ACS mit dem von ihm entsandten Manager Marcelino Fernandez Verdes eine Reihe von Randgeschäften verkauft. Dazu gehörten etwa Beteiligungen an Flughäfen, die Immobilientochter Aurelius und den Wohungsentwickler Format. Auch das Windgeschäft kam unter den Hammer. Im Kerngeschäft, "am Bau" dagegen expandierte Hochtief vor allem bei der Hochtief-Tochter Leighton in Australien.

Die Strategie hat sich bewährt. Im ersten Halbjahr zumindest blieben mit 68,4 Millionen Euro 28 Prozent mehr in der Kasse als im Jahr zuvor. Damit übertraf man auch die Analystenschätzungen. Dank voller Auftragsbücher dürfte auch das zweite Halbjahr gut im Plan liegen.

Anleger fahren bislang gut

Auch für Aktionäre hat es sich gelohnt, bei Hochtief unter der neuen Herrschaft an Bord zu bleiben. Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie um die Hälfte zugelegt, binnen drei Jahren - also seit dem Einstieg von ACS - beträgt das Kursplus sogar fast 120 Prozent. Für längerfristige Investoren dürfte also der Kursrücksetzer von rund fünf Prozent am Dienstag durchaus zu verschmerzen sein.

AB

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