Seitenueberschrift

Neue Ziele ganz ohne "Passion"

Henkel hat Börsianer zu sehr verwöhnt

Kasper Rorsted kann zufrieden sein mit der Quartalsbilanz. Es ist die beste aller Zeiten, die Rendite stimmt. Der Henkel-Chef hat seine Ziele sogar übererfüllt. Doch die Anlegerwelt reagiert verschnupft: Rorsteds neue Mittelfristziele hätten ambitionierter ausfallen dürfen.

Henkel-Logo auf dem Dach der Unternehmenszentrale in Düsseldorf (Quelle: Unternehmen)

Henkel verwöhnt Anlegerwelt - doch heute nicht: die neuen Mittelfristziele reichen Börsianern nicht

Die neue Vier-Jahres-Rechnung liest sich eigentlich ganz gut. Bis 2016 will Henkel seinen Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigern. Das hieße, Henkel nimmt sich pro Jahr ein Wachstum von fünf Prozent vor. Ein stolzes Tempo. Der Gewinn soll sogar überproportional steigen. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) soll bis 2016 im Durchschnitt jährlich um zehn Prozent zulegen.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
77.00
Differenz absolut
0.56
Differenz relativ
+0.73%

Doch an der Börse konnte diese Prognose am frühen Morgen nicht zünden. Die Henkel-Aktie verliert zum Handelsstart in Frankfurt fünf Prozent an Wert und bildet damit das Schlusslicht im Dax in einem ansonsten seitwärts tendierenden Markt.

Erfolgsgeschichte der Henkel-Aktie

Anleger sind eben erfolgsverwöhnt. Als Rorsted zu seinem Amtsantritt vor vier Jahren eine Marge von 14 Prozent bis 2012 ausrief, galt das als eigentlich nur schwer machbar.

Doch mittlerweile ist klar: Dieses Ziel ist erreicht. Im dritten Quartal lag die um Sondereffekte bereinigte Ebit-Marge bei einem Rekordwert von 14,7 Prozent.

Die Börse hat das bereits ausgiebig honoriert. Seit Rorsteds Amtsantritt vor vier Jahren hat sich der Aktienkurs verdoppelt – und damit also der ganze Marktwert von Henkel.

Beste Quartalsbilanz aller Zeiten

Konzernchef Kasper Rorsted sieht sich damit auf Kurs zum Erreichen seines 14-Prozent-Ziels zum Jahresende Zudem peilt er weiter ein organisches Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent an. Klar ist: das Firmenmotto verpflichtet. "Excellence is our Passion" - Spitzenleistung ist unsere Leidenschaft, hat Rorsted seinen Mitarbeitern vorgegeben.

Die Quartalsbilanz bestätigt das. Angesichts der Geschäftszahlen scheint es, als hätte es eine konjunkturelle Abkühlung nie gegeben. Dank florierender Geschäfte seiner Klebstoff- und Waschmittelsparten hat der Konsumgüterhersteller seinen Umsatz im dritten Quartal um 6,6 Prozent auf 4,29 Milliarden Euro gesteigert.

Das um einmalige Effekte und Restrukturierungsaufwendungen bereinigte operative Ergebnis legte 16,7 Prozent zu auf 631 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg auf 586 von zuvor 451 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn nach Anteilen Dritter von 397 Millionen Euro. Ein deutlicher Sprung von rund einem Drittel, der durch das kräftige Wachstum in Schwellenländern, Einsparungen und Preiserhöhungen möglich wurde.

Ständig im Prüfmodus

Die Ergebnisse lagen im Rahmen der Erwartungen des Marktes. Analysten hatten im Mittel mit einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro und einem bereinigten Ebit von 622 Millionen Euro gerechnet. Alle drei Sparten des Düsseldorfer Konzerns - Klebstoffe, Waschmittel und Kosmetik - trugen zu der guten Zwischenbilanz bei.

Stolz kommentierte Rorsted: "Obwohl das Marktumfeld im dritten Quartal 2012 schwieriger geworden ist, hat Henkel seine erfolgreiche Entwicklung fortgesetzt und die Finanzkennzahlen auf neue Höchstwerte gesteigert." Allerdings werde die Volatilität und die Unsicherheit in den Märkten anhalten. Deshalb will Henkel weiter Prozesse und Strukturen überprüfen und gegebenenfalls anpassen.