Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse

Umstrittene Aktienkäufe des Börsenchefs Hat Kengeter etwas verschwiegen?

Stand: 31.07.2017, 08:13 Uhr

In der Affäre um die umstrittenen Aktienkäufe soll Börsenchef Carsten Kengeter die Finanzaufsicht BaFin zunächst unvollständig informiert haben. Neuer Stoff für die Staatsanwaltschaft?

Wie der "Spiegel" berichtet, fühlt sich die Finanzaufsicht BaFin von der Deutschen Börse in der Affäre um die gescheiterte Fusion mit der Londoner LSE getäuscht. Erst durch ein Auskunftsersuchen an die britische Börsenaufsicht habe die BaFin erfahren, dass Börsen-Chef Kengeter seit seinem Amtsantritt im Juni 2015 fast wöchentlich - insgesamt 15 Mal - seinen LSE-Kollegen Xavier Rolet getroffen oder mit ihm telefoniert habe, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Der Zeitpunkt hat Bedeutung, weil Kengeter im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Aktien der Deutschen Börse gekauft hatte. Brisant dabei: Die Börse soll den Aufsehern im Sommer 2016 zunächst nur von vier Terminen berichtet haben. Die BaFin will den Vorgang nicht kommentieren. Auch die Deutsche Börse schweigt.

Ärger geht weiter

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Damit geht der Ärger für Kengeter und das gesamte Unternehmen weiter. Erst vor kurzem hatte die Deutsche Börse für Verwirrung gesorgt, als sie eine Einstellung des Verfahrens gegen Kengeter in Aussicht gestellt hatte - gegen Zahlung einer Geldbuße von 10,5 Millionen Euro.

In einer Ad-hoc-Mitteilung des Börsenbetreibers hieß es, dass er ein Anhörungsschreiben der Staatsanwaltschaft erhalten habe und erklärte unter anderem: "Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat in Aussicht gestellt, im Sinne einer einvernehmlichen Gesamtbeendigung das laufende Ermittlungsverfahren gegen Herrn Kengeter ohne Auflagen nach § 153 StPO einzustellen."

Zweite Affäre

Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens gar nicht angesprochen. Tatsächlich hatte sie lediglich ein Anhörungsschreiben an die BaFin geschickt. "Alles andere ist offen", sagte eine Sprecherin. Die Mitteilung rief wieder einmal die Finanzaufsicht auf den Plan, die den Vorgang untersucht.

Belastet wird das Unternehmen weiterhin auch von einer zweiten Affäre: Untersucht wird, ob der Börsenbetreiber die geplante Fusion mit der LSE zu spät bekannt gegeben hat. Denn schon am 15. Januar - also vier Wochen vor der Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns - soll Kengeter seinem Londoner Kollegen ein Eckpunktepapier für eine Fusion übergeben haben. Eine Ordnungswidrigkeit: Das Gesetz sieht dafür eine Strafe von bis zu zehn Millionen Euro vor.

lg

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