Hauptsitz des Rückversicherers Hannover Rück

Zu teure Aktie, zu hohe Gewinne Hannover Rück - wenn Gewinne schaden

Stand: 10.08.2017, 14:20 Uhr

Die Hannover Rück hat einen kräftigen Gewinnsprung gemacht. Ein zweischneidiges Schwert! Denn Rückversicherer können dann bei den Versicherern nur schwer gute Prämien aushandeln.

Heute hat die Aktie der Hannover Rück einen schweren Stand. Mit Kursverlusten von mehr als vier Prozent rangiert sie im MDax heute unter ferner liefen. Viele Analysten halten die Aktie ohnhin für zu hoch bewertet. Aus diesem Grund rät etwa die Baader Bank zum Verkauf der Aktie. Philipp Häßler von der Investmentbank Equinet sieht in nächster Zeit keine Kurstreiber.

Da nehmen Anleger die guten Quartalszahlen zum Anlass, ihre Aktien zu Geld zu machen. Die Hannoveraner steigerten ihren Gewinn im zweiten Quartal um ein Viertel auf 270 Millionen Euro - mehr als von Experten erwartet. Das Management hat angesichts dieser Zahlen weiterhin eine Milliarde Euro Jahresgewinn im Visier. Es will die Marke 2017 zum dritten Mal in Folge knacken.

Großschäden - Fehlanzeige!

Große Belastungen durch Katastrophen blieben im zweiten Quartal komplett aus. In den Monaten April bis Juni fiel kein einziger Großschaden über zehn Millionen Euro an. Die Hannover Rück verbuchte ihre unverbrauchten Schadenreserven allerdings noch nicht als Gewinn - sondern verschob sie als Puffer in die zweite Jahreshälfte. Dann steht unter anderem die Hurrikan-Saison über dem Atlantik bevor.

Zugute kamen dem Rückversicherer neben den geringen Großschäden auch leicht gestiegene Gewinne aus Kapitalanlagen. Dort machen der gesamten Versicherungsbranche die anhaltenden Niedrigzinsen zu schaffen. Allerdings hat die Hannover Rück anders als Erstversicherer keine Lebensversicherungskunden, für die sie über Jahrzehnte hinweg hohe Garantiezinsen erwirtschaften müsste.

»Wir sind zufrieden, vielleicht auch ein bisschen mehr als zufrieden.«

Finanzvorstand Roland Vogel

Schwache Prämien

Im Schaden- und Unfallgeschäft geht derweil die Preisschlacht zwischen Erst- und Rückversicherern weiter. Dies bekam auch der Konzern aus Hannover zu spüren bei der Vertragserneuerung zum Juni und Juli. Weil die Versicherungsschäden in den vergangenen Jahren vergleichsweise gering ausfielen, sind Rückversicherer in einer schlechten Verhandlungsposition. "Heute sind wir noch damit konfrontiert, dass unsere Kunden uns sagen, schaut mal wie viel Gewinn Ihr da letztes Jahr gemacht habt", sagte Finanzvorstand Roland Vogel.

In vielen Bereichen ist das Prämienniveau gesunken. Nur wo Zyklon "Debbie" in Australien und das Erdbeben in Neuseeland zuletzt hohe Schäden angerichtet hatten, da konnte der Rückversicherer höhere Prämien durchsetzen.

Hoffnung auf Sonderdividende

Wenn die Gewinne aber weiter fließen, könnten Aktionäre für 2017 mit einer erneuten Sonderdividende rechnen, lockt Finanzvorstand Vogel. Die Bedingungen dafür seien derzeit erfüllt. "Man kann sagen, dass wir auf dem Weg dorthin sind", sagte Vogel. Es wäre die Dritte Sonderdividende in Folge. Für 2016 hatte der Konzern je Aktie insgesamt 5,00 Euro ausgeschüttet, davon 1,50 Euro als Sonderdividende. Für das laufende Jahr erwarten Analysten zum Teil noch mehr.

Einen großen Anteil der Dividenden kassiert der Versicherungskonzern Talanx (HDI, Neue Leben). Ihm gehören nämlich gut 50 Prozent der Hannover-Rück-Aktien.

bs

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