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Halber Vorstand gefeuert
Köpfe-Rollen im ThyssenKrupp-Vorstand
ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger zieht Konsequenzen aus dem Milliardendebakel in Amerika und der Luxusreisen-Affäre. Drei der sechs Vorstände werden gefeuert. Die Börse reagiert verhalten.
Der in Turbulenzen geratene Stahlkonzern wagt den Neuanfang. Konzernchef Hiesinger greift nach den jüngsten Pannen und Missmanagement-Fällen hart durch. Der halbe Vorstand muss gehen. Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen sollen zum Jahresende das Unternehmen verlassen. Das habe der Personalausschuss des Aufsichtsrats dem Gremium empfohlen, teilte ThyssenKrupp am Mittwochabend überraschend mit. Die drei Vorstände seien mit der einvernehmlichen Aufhebung ihrer Verträge einverstanden. Endgültig soll der Aufsichtsrat am Montag über die Personalien entscheiden.
Signal für "neue Führungskultur"
Der Schritt diene den "notwendigen Veränderungen des Führungssystems und der Führungskultur im Konzern", hieß es zur Begründung. Die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat begrüßten die Neuordnung an der Spitze des Konzerns. ThyssenKrupp stehe vor großen Herausforderungen und brauche das Vertrauen der Kunden, meinte IG-Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler. "Das geht nur mit einem echten Neuanfang."
Konsequenz aus Missmanagement
Der Rauswurf der Top-Manager ist vor allem die Konsequenz aus dem Desaster im US-Stahlgeschäft, das den Konzern gut zwölf Milliarden Euro kostete. Eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen hätten sich als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen, monierte das Unternehmen.
Zudem hatten Korruptions- und Kartellfälle die Manager unter Druck gebracht. Vor allem Vorstandsmitglied Claassen steht in der Kritik. Er soll Luxusreisen durchgeführt haben, die er laut Berichten von seinem Arbeitgeber finanzieren ließ, obwohl sie nicht vornehmlich dienstlich waren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Verhaltene Reaktion an der Börse
Händler zeigten sich überrascht über den Manager-Rauswurf. Zwar zeige die Entscheidung den Willen von Konzernchef Hiesinger, die verkrusteten Strukturen des Stahlkonzerns aufzubrechen. Kurzfristig führe dies aber zu einem Machtvakuum.
Die Aktie steigt am Donnerstag um über ein Prozent. Der Stahl-Titel gilt als einer der größten Dax-Verlierer in diesem Jahr. Während der Index gut 25 Prozent zulegte, rutschte die Aktie von ThyssenKrupp um gut zehn Prozent ab. Am Dienstag (11. Dezember) legt der Konzern seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/12 vor.
Stand: 06.12.2012, 10:02 Uhr