Flugzeuge von Lufthansa und Air Berlin auf einem Rollfeld

Großes Geschacher um Air Berlin Droht das Lufthansa-Monopol?

Stand: 27.08.2017, 14:05 Uhr

Air Berlin ist der Zankapfel der Nation. Alle wollen was abhaben von der Pleite-Airline. Lufthansa, Ryanair, Easyjet, Air Berlin, Unternehmer Rudolf Wöhrl, Niki Lauda. Und die Politik hält sich da nicht etwa raus. Manch Politiker versucht, das Lufthansa-Monopol schön zu reden.

Jüngstes Beispiel: CSU-Chef Horst Seehofer. Er macht sich für eine Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa stark. Er sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, er sei dafür, die Lufthansa "im Rahmen des Rechts" zu stärken. "Durch die Übernahme von Air Berlin können wir eine noch stärkere Lufthansa bekommen." Seehofer ist nicht der erste, der sich derart einmischt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte auch schon seine Vorliebe für die Lufthansa kund getan und von einem „deutschen Champion“ im internationalen Luftverkehr gesprochen.

Warum nur diese Einmischungen seitens der Politik? "Ich habe den Eindruck, dass wir in Deutschland eine bedenkliche Nähe haben mancher führender Politiker zu den Leitungen großer Unternehmen", sagt Daniel Zimmer, ehemaliger Vorsitzender der Monopolkommission. "Das führt dann dazu, dass vielleicht gerade unsichere und fachlich eher nicht so versierte Politiker auch eher Einflüsterungen ausgesetzt sind."

Eine Komplettübernahme durch die Lufthansa gilt aus kartellrechtlichen Gründen als problematisch, weil das Unternehmen dann den ganz überwiegenden Teil der innerdeutschen Flugstrecken kontrollieren würde. Schon jetzt kontrolliert die Lufthansa bei Flügen innerhalb Deutschlands und Verbindungen zwischen Deutschland und dem EU-Ausland rund die Hälfte des Marktes. Gemeinsam mit Air Berlin und der Tochter Niki würde der Anteil auf 63 Prozent steigen.

"Die wirtschaftliche Logik sagt, dass es nach einer solchen Übernahme zu Preissteigerungen kommen dürfte", erklärt Zimmer. Die Leidtragenden sind die Fluggäste.

Die Interessentenliste

Dabei ist die Liste der Interessenten lang. Air Berlin verhandelt neben der Lufthansa auch mit Easyjet und Ryanair. Ryanair will die ganze Airline, ebenso der Unternehmen Hans Rudolf Wöhrl. Beide kritisierten, dass die Lufthansa im Verkaufsprozess bevorzugt behandelt werde. Einem Insider zufolge bietet die Lufthansa einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für bis zu 90 der insgesamt 140 Flugzeuge. Der Ferienflieger Condor werde bald die Hand heben für eine zweistellige Zahl von Maschinen, sagte ein anderer Insider. Als dritter im Bund soll EasyJet nach Medienberichten bis zu 40 Flugzeuge aus der Insolvenzmasse anpeilen.

Auch Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochter Nikki kann sich eine Übernahme seiner einstigen Gesellschaft vorstellen.

"Es gibt jetzt genug Interessenten", sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und sendete noch einmal eine Botschaft an die Politiker, die sich pro Lufthansa äußern. "Wie das dann tatsächlich läuft, damit hat die Bundesregierung nix zu tun und ich persönlich auch nicht."

Was ist mit dem Überbrückungskredit

Derzeit wird der Flugbetrieb von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie mit einem staatlichen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro aufrechterhalten. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" ist der Kredit noch nicht in trockenen Tüchern. Bisher sei weder der Vertrag unterschrieben noch Geld ausgezahlt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte auf Anfrage der "BamS" mit, dass derzeit die "technische Umsetzung" erfolge und alles planmäßig verlaufe. Dagegen hieß es dem Bericht zufolge in Verhandlungskreisen, dass es noch keine Einigung bei den Konditionen für den Kredit gebe.

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bs

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