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Milliardenverlust

Glencore schreckt nur noch ab - oder?

Stand: 01.03.2016, 11:46 Uhr

Ob Glencore auch in diesem Sommer seine Geldgeber wieder zum Golfspielen einlädt? Der in der Schweiz ansässige Rohstoffkonzern versucht derzeit den fallenden Preisen mit einem gigantischen Sparprogramm zu trotzen - und nimmt dazu hohe Verluste in Kauf.

Die Umbaukosten, Wertberichtigungen und Verkäufe von Kupferminen haben Glencore im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,96 Milliarden Dollar eingebrockt. 2014 hatte das Unternehmen noch einen Gewinn in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar erzielt. Bereinigt um diese Sondereffekte bleibt Glencore aber ein profitables Unternehmen, das im vergangenen Jahr 1,34 Milliarden Dollar verdient hat. Dies sind aber wegen der stark gefallenen Rohstoffpreise fast 70 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet.

Glencore : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
3,31
Differenz absolut
-0,03
Differenz relativ
-1,02%

Nach Einschätzung von Ivan Glasenberg, dem Milliardär, der seit 2002 an der Spitze von Glencore steht, litt der Rohstoffsektor 2015 besonders unter enttäuschenden makroökonomischen Daten aus China, unter dem sinkenden Ölpreis und dem starken Dollar. An der Börse kommen die Zahlen nicht gut an, die Glencore-Aktie verliert über drei Prozent. Kurzfristig orientierte Anleger müssen sich trotzdem nicht sorgen, notiert die Glencore-Aktie doch immer noch gut 60 Prozent über dem Tiefstand vom Januar. Im Jahresvergeich sieht es allerdings weiterhin schlecht aus, war Glencore doch Anfang März 2015 noch mehr als vier Euro wert, zweieinhalb mal mehr als heute.

Auch Konkurrenten schreiben rot

Damit ist Glencore in guter Gesellschaft. Konkurrenten wie BHP Billiton, Rio Tinto und Vale haben ebenfalls über Gewinneinbrüche berichtet und ihre Dividenden zusammengestrichen. Die Branche ächzt vor allem unter fallenden Rohstoffpreisen.

Glencore steuert mit Verkäufen, geringeren Investitionen und dem Verzicht auf Dividenden bereits seit einiger Zeit gegen. So hat sich der Konzern Ende letzten Jahres den Verkauf von zwei Kupferminen in Australien und Chile angekündigt. Auch die Zinkproduktion wurde gekürzt. Im September hatte Glencore dann angekündigt, die Ausschüttung vorerst ausfallen zu lassen.

100 Milliarden Dollar

Trotzdem hat sich die im vergangenen Jahr beobachtete Panik des Marktes um das Handelshaus gelegt. Dass sich der Aktienkurs seit dem Tief im September bei 0,95 Euro deutlich erholt hat, erklären Analysten mit der Aussage von Glasenberg, die Finanzierung des Unternehmens durch die Banken sei gesichert. Tatsächlich haben im Herbst letzten Jahres 60 Banken – darunter etwa BNP Paribas und UniCredit – dem Rohstoffhaus Kreditlinien von 15,25 Milliarden Dollar bewilligt. Insgesamt, so die Schätzung von Analysten, dürfte sich das Engagement von Banken bei Glencore auf insgesamt 100 Milliarden Dollar belaufen.

Beruhigt hat auch die Aussage, dass Glencore bis Ende dieses Jahr seine Verschuldung auf 18 bis 19 Milliarden Dollar drücken will, nach 30 Milliarden Ende 2014.

lg

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