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Aktienmärkte im Höhenrausch

Gipfelstürmer Dax überspringt 8.000 Punkte

Europas Wirtschaft steckt in der Rezession, Millionen Menschen sind arbeitslos, doch an den Börsen herrscht Jubelstimmung, werden neue Rekorde aufgestellt. Der Dax hat am Freitagmorgen die Marke von 8.000 Punkten erklommen. Wie ist das möglich?

Beste Aussichten von da oben

Um 9:19 Uhr übersprang der Dax erstmals seit Januar 2008 wieder die runde Marke, nachdem er bereits am Dienstag neue Jahreshöchststände erklommen hatte. Von hier ist es nicht mehr weit zum höchsten Stand seiner Geschichte: Am 13. Juli 2007 erreichte der deutsche Leitindex bei 8.151,57 Punkten sein Allzeithoch. Am 9. März 2009, fast auf den Tag genau vor vier Jahren, hatte der Dax mit 3.588,89 Punkten sein Tief im Zuge der Banken-Finanzkrise erreicht.

Ganz ähnlich sieht es in New York und Tokio aus. An der Wall Street hat der dortige Leitindex Dow Jones bereits am Dienstag einen neuen Höchststand erreicht, dem weitere folgten. Am Donnerstag schloss der Dow Jones bei einem neuen Hoch von 14.329 Punkten. Auch die Börse in Japan ist auf Erholungskurs. In Tokio stieg der Nikkei-Index am Freitag um 2,6 Prozent. Der Index für 225 führende Werte ging bei 12.283 Punkten aus dem Handel. Das ist der höchste Stand seit September 2008.

Zu beachten ist, dass der Dax an den Finanzmärkten fast ausschließlich in seiner Version als Performance-Index betrachtet wird, während Dow Jones und Nikkei 225 Kurs-Indizes sind. Das heißt, dass der Dax anders als diese insbesondere die gezahlten Dividenden beinhaltet. Der Dax-Kursindex notiert mit rund 4.350 Punkten noch ein ganzes Stück tiefer.

Für die gute Stimmung der Anleger gibt es verschiedene Gründe

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9600.09
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Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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16514.37
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Unmittelbarer Anlass für die Rally seit Dienstag war die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen und die Fortsetzung des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed. Deren Vize-Chefin Janet Yellen sagte, sie sei überzeugt, dass der Nutzen zusätzlicher Anleihekäufe größer als deren Risiko sei. Das bedeutet, dass die weltweit wichtigste Notenbank jeden Monat weiterhin langlaufende Anleihen im Wert von 45 Milliarden Dollar erwerben wird und dieses Geld dem Aktienmarkt zur Verfügung stellt. Gleichzeitig bleibt der Leitzins unverändert nahe null Prozent.

Auch in Japan zeichnet sich eine anhaltend expansive Geldpolitik ab, wenn am 19. März der designierte Notenbankchef Haruhiko Kuroda sein Amt antritt. In der Eurozone hat sich die Schuldenkrise deutlich beruhigt, seitdem die Zentralbank EZB sich bereit erklärt hat, notfalls Staatsanleihen im unbegrenzter Höhe aufzukaufen. Die Märkte werden also regelrecht in Liquidität ertränkt. Die aktuellen BIP-Zahlen zum vierten Quartal deuten darauf hin, dass das Land aus seiner milden Rezession herausfinden konnte. Das Schlussquartal weist nach Regierungsangaben nach drei Minus-Quartalen ein aufs Jahr gerechnetes Wachstum von 0,2 Prozent auf.

Konjunktur hellt sich auf

Beflügelt werden die Aktienmärkte aber auch von den sich aufhellenden Konjunkturaussichten in den USA, China und Deutschland. In den USA dürfte die Wirtschaft nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds IWF in diesem Jahr um 2,0 Prozent wachsen. 2014 soll sich das Tempo auf 2,8 Prozent erhöhen.

In China strebt die politische Führung weiterhin ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,5 Prozent an. Das Haushaltsdefizit soll 1,2 Billionen Yuan (rund 147 Milliarden Euro) erreichen und damit 400 Milliarden Yuan mehr als im Vorjahr 2012. Davon entfallen 850 Milliarden Yuan auf die Zentralregierung und 350 Milliarden Yuan auf Anleihen für Lokalregierungen.

Im vierten Quartal des Vorjahres 2012 hat die chinesische Volkswirtschaft an Dynamik gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 7,9 Prozent im Jahresvergleich zu. Es war das erste Mal seit zwei Jahren, dass die chinesische Wirtschaft im Quartal wieder an Schwung gewinnen konnte.

Der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Börse ist allerdings recht komplex. Dass sich die Weltwirtschaft derzeit moderat zu erholen scheint, hilft den Aktienmärkten. Investoren sollten aber beachten, dass eine robuste konjunkturelle Erholung den Aktienkursen mittelfristig durchaus schaden könnte. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag "Wehe, wenn die Konjunktur anzieht".

Unternehmensgewinne gestiegen

Gestützt werden die Aktienmärkte auch von den gestiegenen Unternehmensgewinnen. Alle Zahlen liegen noch nicht vor. Doch die bisher veröffentlichten Bilanzen zeigen, dass die großen Konzerne, ob in Deutschland, Europa oder den USA, in den meisten Fällen gut gewirtschaftet haben, so gut, dass die 30 im Leitindex Dax notierten Unternehmen erneut ein Betriebsergebnis von über 100 Milliarden Euro erzielt haben dürften. Und vieles deutet darauf hin, dass es 2013 noch mehr werden könnte.

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