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Logistik

Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld

Planungen für eigenen Lieferdienst

Geht bei Amazon bald die eigene Post ab?

Stand: 15.07.2015, 11:59 Uhr

Im Kampf um höhere Umsätze, Gewinne und neue Kunden kennt das US-Unternehmen keine Verbündeten. Ein eigener Lieferservice könnte die Post nun hart treffen, denn Amazon ist der größte Kunde von DHL in Deutschland.

Sollten sich die Meldungen bewahrheiten, könnte der Post ein wichtiger Umsatzbringer verloren gehen. Amazon ist mit seinen Millionen an Paketen und Päckchen, die das Unternehmen aussendet und überwiegend über die Deutsche Post an den Kunden bringt, eine wichtige Stütze für das Geschäft des Dax-Konzerns.

Erste Handelsregister-Einträge

Nach Medienberichten könnte diese Stütze jedoch ganz oder zumindest teilweise wegbrechen. Das "Manager Magazin" berichtete bereits vor wenigen Tagen darüber, dass Amazon mehrere Subunternehmen gegründet hat, die sich laut Handelsregistereintragungen mit der "Erbringung logistischer Dienstleistungen, insbesondere Transport, Umschlag und Lagerung" befassen sollten. Im München hat man die Firma "Amazon City Logistics" registriert.

Der Branchenblog "Exiting Commerce" wies auf erste Stellenausschreibungen für die neu gegründete Firma hin. Danach will Amazon bei möglichen eigenen Zustelldiensten sowohl auf eigene Mitarbeiter als auch andere Dienstleister zurückgreifen.

Vorbild Großbritannien

Der Aufbau eigener Zustellungs-Dienste ist in anderen Ländern bereits weiter vorgeschritten. So nutzt Amazon in Großbritannien bereits seit Monaten eigene "Delivery Stations". Mit den "Amazon Lockers", eigenen Paketstationen, macht man der Post ebenfalls bereits Konkurrenz. Solche Lockers sind auch in Frankreich geplant.

In den USA will Amazon laut einem Bericht des "Wall Street Journal" zum Teil gänzlich ohne Versandpartner auskommen - ein Teil der Päckchen und Pakete soll hier von Privatpersonen zugestellt werden.

Post hofierte den Großkunden auch im Streik

Die Post hatte dem wichtigen Kunden Amazon gewissermaßen "VIP"-Status eingeräumt. Während des Post-Streiks in den vergangenen Wochen wurden die Pakete des Online-Kaufhauses mit Priorität zugestellt, auch als sonst kaum noch übrige Sendungen pünktlich den Weg zum Briefkasten oder der Postfiliale fanden.

Doch Amazon gilt als wenig zimperlich, wenn es darum geht, Kosten zu sparen und Wachstum zu erhöhen. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren vom ehemaligen Internet-Buchhändler zu einem weltweit agierenden Medienkonzern entwickelt, der auch einer der größten Betreiber von Rechenzentren für die Internet-"Cloud" weltweit ist. Die Versand-Zentren, über die Amazon auch in Deutschland den Großteil seiner 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, sind die Basis des Logistikgeschäftes. Die eigene Zustellung würde die "Versandkette" hier schließen.

Börse setzt auf Wachstum

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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An der Börse kommt die kompromisslose Wachstumsstrategie des US-Konzerns bislang blendend an. Die Aktie notiert mit derzeit 465 Dollar in der Nähe eines Rekordhochs. Bei den Ergebnissen zum ersten Quartal 2015, die im April präsentiert wurden, bejubelten Anleger vor allem das schnell wachsende Cloud-Geschäft, das entscheidend half, den Gesamtumsatz des Unternehmens um 15 Prozent nach oben zu hieven. Dass Amazon unter dem Strich im Quartal Verluste von 57 Millionen Dollar schrieb, störte da wenig. Der Konzern investiert weiter massiv, und Wachstum kostet nun einmal Geld.

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Das Amazon-Imperium

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Amazon.com

Amazons "Herzstück" ist der Online-Marktplatz. Damit ist Amazon groß und weltbekannt geworden. Er ist, was bei Google die Suchmaschine ist. Angefangen hatte alles als Internet-Buchhändler. 1995 wurde das erste Buch über amazon.com verkauft. Mittlerweile gibt es kaum noch etwas, das man hier nicht kaufen kann.

AB

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