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Börsenbetreiber

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt

Alte Liebe rostet nicht

Fusionspläne treiben die Deutsche Börse

Stand: 23.02.2016, 15:31 Uhr

Treffen sich da zwei alte Bekannte wieder? Fusionsgespräche mit der London Stock Exchange (LSE) treiben die Deutsche-Börse-Aktie und wecken alte Erinnerungen.

Beide Unternehmen haben mittlerweile detaillierte Gespräche über eine Fusion der beiden Handelsbetreiber bestätigt. Sie erklärten dabei, dass man eine Zusammenschluss auf Augenhöhe, also unter Gleichen wolle. Alle Sparten würden unter dem altbekannten Namen auftreten und man hätte eine gemeinsame Vorstandsebene (Board).

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter. | Bildquelle: Deutsche Börse AG

Deutsche-Börse-Aktionäre würden danach 54,4 Prozent am gemeinsamen Unternehmen halten. Das entspricht der Tatsache, dass die Marktkapitalisierung der Deutschen Börse mit rund 16 Milliarden Euro deutlich höher ist als die der Briten. Weitere Informationen sollen zeitnah bekannt gegeben werden. Entstehen würde der größte europäische Börsenbetreiber.

Bereits bei der kürzlichen Präsentation der Jahreszahlen hatte Firmenchef Carsten Kengeter erklärt, er habe ehrgeizige Pläne mit dem Frankfurter Börsenbetreiber und wolle ihn an die Weltspitze führen. Ein Zusammenschluss mit der LSE würde auf jeden Fall genau in diese Richtung gehen. In trockenen Tüchern ist der Deal nach Insiderinformationen aber noch nicht.

Börse ist elektrisiert

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Fusionspläne zog das Papier der Deutschen Börse an und setzte sich an die Dax-Spitze. Aktuell liegt das Papier über sieben Prozent im Plus. Die LSE-Aktie springt in London ebenfalls deutlich um über 16 Prozent an. Ähnliche Marktreaktionen hatte es bereits vor über zehn Jahren gegeben, als die beiden Parteien schon einmal über eine Fusion beraten hatten. Seinerzeit hatten die Frankfurter 530 Pence geboten, etwa ein Fünftel dessen, was die LSE heute kostet.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.286,31
Differenz absolut
13,60
Differenz relativ
+0,13%

Alles schon mal da gewesen

Werner G. Seifert, ehemaliger Chef der Deutschen Börse in Frankfurt

Ex-Börsenchef Werner Seifert . | Bildquelle: Imago

So mancher erinnert sich wohl noch an den Beginn des ersten Flirts zu Beginn des Jahrtausends, als die Frankfurter unter dem Vorsitz ihres damaligen Vorstandschefs Werner Seifert schon einmal mit den Briten zusammen gehen wollten. Der Deal scheiterte endgültig im März 2005, vor allem weil Hedge-Fonds den Deal torpedierten.

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ARD-Börse: Deutsche Börse und LSE wollen fusionieren

Inhaltlich wäre die Fusion seinerzeit sinnvoll gewesen, denn die Deutsche Börse brachte mit ihrem Derivate- und vor allem dem Verwahrgeschäft genau die Geschäftsbereiche ein, die an der LSE nicht so im Fokus stehen. In London, immer noch der größte europäische Finanzplatz, kommen dafür bis heute hauptsächlich die europäischen US-Gelder an, und bringen ein hohes Aktienvolumen (im Fachjargon Cash-Equity-Geschäft genannt) auf ihre Plattform.

rm

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Die Übernahmechronik der Deutschen Börse

Was alles schon versucht wurde

London Stock Exchange

Juli 2000: Pläne für die "iX international exchange"

Bereits im Jahr 2000 beginnt die Annäherung zwischen den beiden Börsenbetreibern in London und Frankfurt. Pläne für eine gemeinsame Plattform namens "iX" scheiterten aber am mangelnden Interesse anderer Börsenbetreiber, sich zu beteiligen.

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