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Haltefrist läuft ab
Facebook-Aktie - Absturz oder Treueschwüre?
Am heutigen Mittwoch laufen die Haltefristen für 800 Millionen Facebook-Aktien aus. Eine riesige Menge, das ist etwa ein Drittel aller ausgegebenen Anteilsscheine. Die meisten davon sind im Besitz der Mitarbeiter. Trennen sie sich nun im großen Stil? Eine Zitterpartie beginnt - auch wenn es heute ganz gut für die Facebook-Aktie aussieht.
Die Facebook-Aktie ist heute unter strenger Beobachtung der Börse. Zu Handelsstart in New York sieht es noch gut aus.
Das Papier klettert gleich in den ersten Handelsminuten an der Nasdaq um neun Prozent auf 21,74 Dollar. In dem kurzen Börsenleben seit Mai hat die Facebook-Aktie bereits Turbulentes erlebt. Sie erlitt einen dramatischen Absturz: Von 38 Dollar beim Börsengang ging es zwar ganz kurz auf 45 Dollar. Doch dann verlor der Anteilsschein binnen weniger Wochen die Hälfte des Werts. Im September erreichte er einen Tiefpunkt von 17,55 Dollar. Da meldete sich Mark Zuckerberg zu Wort und gab das Versprechen ab, zwölf Monate lang keine einzige Aktie zu verkaufen. Ein Versprechen mit Gewicht, besitzt der Facebook-Gründer doch knapp ein Fünftel aller Anteilsscheine und ist damit der größte Aktionär überhaupt.
Die Aussage zeigte Wirkung: Seit Wochen pendelt das Facebook-Papier um die 20 Dollar. Nun befürchtet man, es könnte wieder abwärts gehen, da am heutigen Mittwoch die Mitarbeiter ihre Anteilsscheine verkaufen dürfen. Sie hatten die Aktien über die Jahre als Teil ihres Gehalts bekommen – und müssen nun entscheiden, ob sie an einen Kurserholung glauben oder lieber Kasse machen. Heute jedenfalls halten sie ihrem Unternehmen noch die Treue.
Großinvestoren haben sich schon verabschiedet
Beim Auslaufen früherer Haltefristen mit vergleichsweise geringen Stückzahlen war der Kurs aber empfindlich gefallen. So war mit dem deutschstämmigen Risikokapitalgeber Peter Thiel einer der prominentesten Facebook-Finanziers der ersten Stunden fast komplett ausgestiegen. Auch der ehemalige Zuckerberg-Zimmergenosse aus Studentenzeiten und Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz trennte sich von einem Teil seiner Papiere. Erst vor wenigen Tagen versilberte auch Facebooks Nummer zwei, Sheryl Sandberg, Aktien – allerdings nur einen kleinen Teil ihres Bestands.
Sollte der Markt jetzt auch von Mitarbeiter-Aktien überschwemmt werden, dürfte das nicht nur den Aktienkurs unter Druck bringen. Experten zufolge werde ein solcher Schritt von den großen Investoren auch als böses Omen gewertet werden. Denn das könnte bedeuten, dass die eigenen Facebook-Mitarbeiter nicht länger an den geschäftlichen Erfolg des weltgrößten Online-Netzwerks glauben.
Geschäftlich eher mau
Tatsächlich ist Facebook zwar eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Mehr als eine Milliarde Nutzer tummeln sich auf der Webseite – rund jeder siebte Mensch auf diesem Planeten. Nirgendwo sonst rückt die Welt so nah zusammen. Doch geschäftlich läuft es bei Facebook eher mau: Die überlebenswichtigen Werbeeinnahmen sprudeln schwächer als erhofft; das Unternehmen schreibt seit dem Börsengang rote Zahlen. Ein Problem ist die steigende Verbreitung von Smartphones, auf deren kleinen Bildschirmen sich nur schlecht Werbeanzeigen platzieren lassen.
Druck auf die Aktie dauert an
Entsprechend enttäuschend verlief bisher der Aktienkurs. Ein Einbruch, der nicht nur die einfachen Aktionäre hart getroffen hat. Der größte Verlierer ist Mark Zuckerberg. Mit jedem Dollar, den der Kurs fällt, wird Zuckerberg eine halbe Milliarde Dollar ärmer. Schon jetzt hat er durch den Kursverfall rein rechnerisch fast die Hälfte seines Vermögens verloren – er kommt noch auf rund 10 Milliarden Dollar. In der Rangliste der reichsten US-Amerikaner, die das Magazin „Forbes“ erstellt, sackte der 28-Jährige von Rang 14 auf Rang 36 ab. Er war damit der größte Verlierer in diesem Jahr.
Selbst wenn ein Großteil der Mitarbeiter jetzt still hält, wird der Druck auf den Kurs andauern: Im Dezember fallen die Schranken für weitere 156 Millionen Aktien aus dem Bestand von Altinvestoren, im Mai läuft eine letzte Haltefrist für 47 Millionen Aktien aus. Das einflussreiche US-Wirtschaftsmagazin „Barron´s“ stellte vor einiger Zeit die rhetorische Frage: "Was sind die Aktien wert?“ Und das Magazin gab gleich selbst die Antwort: "Vielleicht nur 15 Dollar.“...
Derweil wurde bekannt, dass der Finanzchef des Netzwerks Zynga, David Wehner, zum engen Partner Facebook wechselt. Dort soll er eine hohe Position in der Finanzabteilung einnehmen, wie Zynga bekannt gab. Es ist der jüngste in einer ganzen Reihe von Abgängen.
Stand: 14.11.2012, 16:13 Uhr