Rote Ampel vor der Deutschen Bank

Eigner der Deutschen Bank im Visier der EZB Sind die Großaktionäre der Deutschen Bank zu mächtig?

Stand: 17.07.2017, 08:22 Uhr

Ungewöhnliche Aktion: Die Bankenaufseher der EZB erwägen, die beiden Großaktionäre der Deutschen Bank aus China und Katar mittels eines Inhaberkontrollverfahrens zu überprüfen. Was hat es damit auf sich?

Bei dem Inhaberkontrollverfahren wird untersucht, ob der Anteilseigner vertrauenswürdig und finanziell gesund ist, woher etwa das Geld für den Aktienkauf stammte, und ob der Investor vorbestraft oder in kriminelle Handlungen wie etwa Geldwäsche oder Terrorfinanzierung verwickelt ist.

Diese Fragen stellen sich offenbar die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB): Sie prüften, ob sie die beiden Anteilseigner der Deutschen Bank mittels eines Inhaberkontrollverfahrens genauer untersuchen sollten, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Montagausgabe unter Berufung auf Aufsichtskreise.

"Erheblicher Einfluss"?

Das wäre dem Bericht zufolge politisch heikel: Denn eine solche Prüfung ist eigentlich erst ab einem Anteil von zehn Prozent vorgesehen. Die beiden Großaktionäre der Deutschen Bank - das chinesische Unternehmen HNA und die Herrscherfamilie von Katar - kontrollierten aber nur jeweils etwas weniger als zehn Prozent der Anteile.

Allerdings könnte eine Ausnahmeregelung genutzt werden, schreibt die Zeitung. Dazu müssten die Finanzaufseher nachweisen, dass die Aktionäre erheblichen Einfluss auf das Geldhaus ausübten. "Wie das ausgeht, ist noch offen, aber sie werden wohl behandelt, als hielten sie mehr als zehn Prozent", zitierte die Zeitung einen Insider.

Im Frühjahr hatte der chinesische Mischkonzern HNA seinen Anteil an der Deutschen Bank auf 9,9 Prozent erhöht. Einen ähnlich hohen Anteil halten - bereits länger - zwei Scheichs aus der Herrscherfamilie von Katar. Zudem haben beide Aktionäre jeweils einen eigenen Vertreter in den Aufsichtsrat geschickt.

Wegen der auf Hauptversammlungen meist äußert niedrigen Stimmrechts-Präsenz, können die beiden Großaktionäre wichtige Entscheidungen der Bank durchwinken oder blockieren. Dem Vernehmen nach sei der Einstieg von HNA der Auslöser für die Bedenken der Aufsicht gewesen, hieß es in dem Bericht. Die EZB und die Deutsche Bank wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.

bs

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