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Eigenkapitalforum

Aktie im Höhenflug

OHB hofft auf Ariane-Schub

Notker Blechner

Europas inzwischen drittgrößter Raumfahrtkonzern greift nach den Sternen. Auf dem Eigenkapitalforum prophezeite OHB rosige Gewinnperspektiven und wachsende Investitionen in der Raumfahrt. Vor allem bei Satelliten und der Ariane-Rakete sehen die Bremer viel Potenzial.

OHB-Animation eines geostationären Kommunikationssatelliten

OHB. | Quelle: Unternehmen

Wenn Ende November die ESA-Minister zusammen kommen, um über die Zukunft der europäischen Trägerrakete Ariane zu beraten, wird Manfred Fuchs ganz genau hinschauen. Der OHB-Chef hofft auf wegweisende Entscheidungen und einen neuen Auftragsschub. Während Frankreich eine neue Ariane 6 will, plädiert Deutschland für eine Weiterentwicklung der Ariane 5 mit neuer Oberstufe. "Noch ist offen, ob Ariane 6 kommt", sagte Fuchs gegenüber boerse.ARD.de am Rande des Eigenkapitalforums. Wahrscheinlich werde es am Ende einen deutsch-französischen Kompromiss geben.

Für OHB ist es wichtig, dass es überhaupt eine Entscheidung gibt. Denn die Augsburger Tochter MT Aerospace ist der wichtigste deutsche Zulieferer für die europäische Trägerrakete. Die Augsburger sind unter anderem für die Ummantelung der Rakete zuständig.

EADS bei Satelliten-Aufträgen ausgestochen

Ob Ariane 5 reloaded oder Ariane 6 - Fuchs ist überzeugt, dass die europäischen Regierungen mittelfristig verstärkt in Raumfahrt investieren. Davon könnte die Bremer Firma profitieren und weitere lukrative Aufträge an Land ziehen. Zuletzt nämlich konnte OHB mehrere Ausschreibungen gewinnen und selbst den Platzhirschen EADS Astrium, der etwa zehn Mal mehr Umsatz macht, ausstechen.

So bekamen die Bremer den Zuschlag für 22 Galileo-Seriensatelliten mit einem Wert von rund 800 Millionen Euro. Wie sich die OHB-Satelliten bewähren, wird sich im nächsten Jahr zeigen, wenn die ersten von ihnen ins All gebracht werden.

Auch bei Wettersatelliten setzte sich OHB durch. Für die dritte Generation der Meteosat-Satelliten gab es in diesem Jahr millionenschwere Aufträge.

"Wir sind kompakter, leichter und billiger"

"Unsere Satelliten sind kompakter, leichter, kleiner und billiger", prahlt OHB-Chef Fuchs auf dem Eigenkapitalforum. Dank der mittelständischen Struktur ist das Unternehmen nämlich flexibler und hat mehr Spielraum für Innovationen im Vergleich zu den aufgeblähten Wettbewerbern EADS Astrium und Thales Alenia Space.

Das gute Geschäft mit Satelliten schlug sich positiv in der OHB-Bilanz nieder. In den ersten neun Monaten steigerte der Raumfahrtkonzern den Umsatz um fast ein Fünftel auf 429 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um fast 40 Prozent auf 22,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wird ein Wachstum von über zehn Prozent bei Umsatz und Ergebnis angepeilt. Die Erlöse sollen von 555 auf über 620 Millionen Euro, das Ebit von 27 auf über 30 Millionen Euro zulegen.

Die gute Entwicklung beflügelte die Aktie. Sie stieg seit Jahresbeginn um gut 30 Prozent auf 14,75 Euro. Damit notiert der Raumfahrt-Titel auf dem höchsten Stand seit Anfang 2011.

Künftiges Wachstum in Aktie noch nicht eingepreist?

Vorstandschef Fuchs sieht noch weiter Luft nach oben. In der Aktie sei die nachhaltige Wachstumsstory noch gar nicht eingepreist, glaubt Wolf. Er verweist darauf, dass die Marktkapitalisierung derzeit bei nur 250 Millionen Euro liege - und damit weniger als die Hälfte des Umsatzes, den die Bremer schon heute erwirtschaften. "OHB wird profitabler werden und von wachsenden Investitionen der europäischen Staaten in die Raumfahrt profitieren", prophezeit Fuchs. Er sieht die Aktie seines Unternehmens als "antizyklisches Investment".

Die Abhängigkeit von der Politik berge natürlich ein Risikopotenzial, gibt Fuchs gegenüber boerse.ARD.de zu. Doch selbst wenn die Raumfahrtbudgets in einzelnen Staaten gekürzt werden - zum Beispiel in Italien, könnte OHB die Einbußen gut auffangen mit seiner zweiten Säule. Die Bremer entwickeln Triebwerksteile für Flugzeuge.

An einen Verkauf seiner Anteile am Unternehmen denkt Fuchs ebenso wenig wie der Rest seiner Familie. "Wir werden die Anteile halten", verspricht er. Derzeit hält die Familie knapp 70 Prozent des Kapitals. Der Vorstandschef kann sich allenfalls eine Kapitalerhöhung vorstellen für Akquisitionen.

Stand: 13.11.2012, 18:30 Uhr

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