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Aktien

Martin Steinbach, Ernst & Young

Börsengänge 2016

"Es wird ein herausforderndes IPO-Jahr"

Stand: 01.02.2016, 17:26 Uhr

2016 dürften viele Unternehmen den Sprung an die Börse wagen, sagt Martin Steinbach von Ernst & Young. Auch wenn die Märkte nervöser reagieren und viele Krisen aufflammen könnten.

boerse.ARD.de: Wie schätzen sie das IPO-Jahr 2016 ein?

Martin Steinbach: Das Interesse an einem Börsengang ist nach wie vor groß. Bis zu 15 Börsengänge in Deutschland wären denkbar. Ich denke an Abspaltungen von Großkonzernen. Außerdem neigen immer mehr Finanzinvestoren dazu, sich auf diese Weise von Beteiligungen trennen. Da gibt es in den letzten zehn Jahren einen klaren Trend. Schließlich wollen familiengeführte Unternehmen sowie junge Unternehmen so an Eigenkapital kommen, um ihr Wachstum zu finanzieren.

boerse.ARD.de: Ist es generell eine gute Zeit für Börsengänge?

Steinbach: Ja. Denn die Zinsen sind extrem niedrig. Es gibt also einen Anlagedruck, Anleger investieren deshalb verstärkt in Aktien. Dazu wirkt sich der massiv fallende Ölpreis in Deutschland tendenziell positiv aus, durch die niedrigeren Energiepreise. Dadurch dass die Zinsen in den USA steigen, gerät der Euro außerdem unter Druck. Das alles macht unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger und Börsengänge für ausländische Investoren billiger und interessanter.

boerse.ARD.de: Dabei hat dieses Jahr turbulent angefangen, gerade auch wegen des massiven Verfalls beim Ölpreis und wegen China.

Steinbach: Grundsätzlich hat die Volatilität natürlich deutlich angezogen und solche externen Schocks können immer dazwischen kommen. Insofern ist dieses IPO-Jahr auch ein herausforderndes Jahr. Die größte Unsicherheit bleibt für mich die Entwicklung in China, das könnte unsere exportorientierte Wirtschaft deutlich treffen und die Stimmung eintrüben, genau wie geopolitische Krisen, beispielsweise im Nahen Osten. Aber auch die Währungskrise in der EU, Stichwort Griechenland, könnte wieder neu aufflackern. Deshalb ist es für die Unternehmen wichtig, einen Plan B in der Tasche zu haben, gut vorbereitet und flexibel zu sein, um schnell reagieren zu können.

boerse.ARD.de: Eisbrecher ist 2016 die Brain AG, ein Biotechnologieunternehmen – ist das etwas Besonderes?

Steinbach: Ja, denn bisher hat es Biotechunternehmen eher an ausländische Börsenplätze gezogen. Lange war der Blick vor allem in die USA gerichtet, dort gab in den Vorjahren einen regelrechten Boom bei Biotechfirmen.

boerse.ARD.de: Sehen Sie auch wieder einen Giganten wie Covestro unter den potenziellen Börsenneulingen?

Steinbach: Ja, in den Startlöchern für 2016 sind wieder einige interessante Börsenaspiranten, die den Kurszettel bereichern könnten.

Das Interview führte Ursula Mayer.

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