Seitenueberschrift

Versorger

Flaggen mit Schriftzug vor der Eon-Zentrale

Neue Angebote für Südeuropa-Geschäft

Eon weckt wieder Fantasien

Seit rund einem Jahr bemüht sich der Energieversorger Eon um einen Käufer für seine Geschäfte in Italien und Spanien. Doch der geforderte Preis war den Interessenten offenbar zu hoch. Nun gibt es neue Angebote.

Den Nachrichtenagenturen zufolge sollen Italiens größter Versorger Enel, der Regionalversorger Hera und der Gas- und Stromvertrieb Gala neue Gebote für den Kundenbestand von Eon in Italien vorgelegt haben. Auch der bereits vor einem Jahr als Interessent genannte französische Stromanbieter EDF bleibe im Rennen und erwäge ein Gebot abzugeben, hieß es. Für das Erneuerbare-Energien-Geschäft legten der Energiekonzern Erg und der Infrastrukturfonds F2i Offerten vor, wie zwei der Insider sagten.

Auch der Investmentfonds Brookfields sowie die Finanzinvestoren Contour Global, Terra Firma und Aquila Capital hätten Interesse an einzelnen Teilen gezeigt. Ein Banker sagte, Shanghai Power sei stark an einem Kohlekraftwerk auf Sardinien interessiert, wollte aber nicht sagen, ob die Chinesen ein Gebot abgegeben haben. Der Wert der Anlage mit einer Kapazität von 598 Megawatt werde auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.

Mit zwei Milliarden Euro bewertet

Insgesamt wird das Italien-Geschäft mit zwei Milliarden Euro bewertet. Eon beschäftigt in dem Land rund 1.000 Mitarbeiter und beliefert etwa 860.000 Strom- und Gaskunden. Der Konzern betreibt dort Kohle- und Gaskraftwerke sowie Windkraft- und Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von etwa sechs Gigawatt. Zu dem Erneuerbare-Energien-Geschäft zählt auch ein Wasserkraftwerk, dessen Wert allein auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird. Der Wert der Wind- und Solarkraftwerke werde auf rund 300 Millionen Euro taxiert.

Außer an den Kunden sowie am Geschäft mit erneuerbaren Energien hält sich das Interesse an den Werken von Eon in Italien aber in Grenzen. Das betrifft besonders das traditionelle Stromerzeugungsgeschäft. Deshalb und wegen der unzureichenden Angebote sei es Eon bisher auch nicht gelungen, das Geschäft in dem Land wie erhofft bereits im zweiten Quartal verkaufen zu können.

Konkrete Pläne in Spanien

Deutlich weiter ist der Konzern offenbar bei seinen Verkaufsplänen in Spanien. Dort stehe Eon kurz vor dem Verkauf an die australische Macquarie Bank, schreibt die "Rheinische Post" unter Berufung auf Branchenkreise. Der Eon-Aufsichtsrat stehe auf Abruf bereit, um in den nächsten Tagen das Geschäft zu genehmigen. Eon Spanien wird dem Vernehmen nach mit gut zwei Milliarden Euro bewertet und beschäftigt 1.200 Mitarbeiter. Macquarie hatte vor zwei Jahren bereits das Ferngasnetz von Eon übernommen.

Der Aktie von Eon verhelfen die Meldungen zu einem Kurssprung. Dabei dürfte der Rückzug aus Südeuropa zu einem Verlustgeschäft werden, hatte Eon einstiger Vorstandschef Wulf Bernotat die Beteiligungen 2008 doch für mehr als neun Milliarden Euro erworben. Sie sollten mit den deutschen Kraftwerken den Kern für einen europäisch ausgerichteten Energiemulti bilden, erfüllten aber nie die in sie gesetzten Erwartungen.

lg

Darstellung: