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Energie

RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim

Wie reagieren die Aktien?

Keine Atomstiftung für Eon und RWE

Stand: 15.02.2016, 07:56 Uhr

Die Idee, die angeschlagenen Stromkonzernen mithilfe einer Stiftung beim Atomausstieg zu unterstützen, ist passé. Wie reagieren die Aktien auf diese Nachricht?

Jürgen Trittin, Leiter der Atom-Kommission, verkündete: "Bei der Stiftungsidee der Unternehmen würden sie komplett aus der Haftung für mögliche Kostensteigerungen entlassen. Das ist mit dem Verursacherprinzip nicht zu vereinbaren."

Trotz der Ablehnung dieses bevorzugten Finanzierungsmodells waren die Aktien der beiden Versorger zu Handelsbeginn im Plus. Eon stieg um 3,8 Prozent, RWE machte 2,8 Prozent gut.

Politik in der Verantwortung

Für den Atomausstieg haben die Konzerne gemeinsam 38,3 Milliarden Euro Rückstellungen gebildet. Das könnte allerdings zu wenig sein: Die Kosten werden auf 47,5 Milliarden geschätzt.

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Die AKW-Betreiber und die Politik hatten deshalb darüber diskutiert, ob die Rückstellungen der vier Versorger RWE, Eon, ENBW und Vattenfall in eine Stiftung ausgelagert werden sollen.

Mit der Stiftung sollte eine Balance für die Haftung zwischen den Stromversorgern und dem Staat hergestellt werden. Denn auch die Politik stehe in der Verantwortung: "In den 50er und 60er Jahren haben Politiker und Publizisten die friedliche Nutzung der Kernenergie geradezu euphorisch begrüßt", so Schmitz.

Fonds statt Stiftung

Stattdessen ist es nun wahrscheinlich, dass ein Teil der Rückstellungen in einen externen Fonds eingezahlt wird. Allerdings: In diesen wollen die Versorger auch eigene Aktien legen. Die Atom-Kommission ist allerdings dagegen - sie will Cash sehen.

"Der Börsenwert einiger der Unternehmen entspricht der Höhe der Rückstellungen. Das würde eine Komplett-Verstaatlichung bedeuten, das ist weder im Interesse des Staates noch der Unternehmen", meinte Jürgen Trittin.

Weiter gelte, dass einzelne Assets wie Kohlekraftwerke, die die Konzerne gerne abgeben würden, niemand haben will. "Zukunftsträchtige Sparten wie Windparks oder Stromnetze wollen die Konzerne nicht abgeben. Sie würden im eigenen Interesse wohl eher in Geld zahlen."

Die Versorger hätten das Modell einer Stiftung dem eines Fonds bevorzugt: Synergien seien so viel leichter zu realisieren als in einem Fonds, der ein reines Finanzkonstrukt sei, erklärte RWE-Vizechef Rolf Schmitz.

Moody's prüft Herabstufung

Die Ratingagentur Moody's prüft indes eine Herabstufung der Eon-Bonitätsnote BAA1 sowie der RWE-Bonitätsnote BAA2/P-2.

Der Super-Gau, eine Pleite der Energieversorger, soll natürlich verhindert werden. Die Kosten für den Steuerzahler wären enorm. Gerade in NRW sind die Versorger ein wichtiger Arbeitgeber. Die Ruhrgebietskommunen sind zudem als RWE-Großaktionär auf Dividenden und steigende Kurse bedacht.

Einhorn spekulierte auf Atomstiftung

David Einhorn

David Einhorn. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Nachricht über das Stiftungsende dürfte Investorenlegende David Einhorn nicht freuen: Laut der Wirtschaftswoche sei Einhorn bei Eon eingestiegen und habe darauf spekuliert, dass die Altlasten der Konzerne 2016 beseitigt werden - "höchstwahrscheinlich durch die Schaffung einer Atomstiftung".

Der Investor wird in zwei Wochen erfahren, wie wahrscheinlich die Atomlast-Beseitigung in diesem Jahr noch ist. Denn am 29. Februar soll die endgültige Entscheidung über die Finanzierung des Atomausstiegs verkündet werden.

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Das verspricht der größte Börsengang Europas in diesem Jahr werden: der des dänischen Energieversorgers Dong Energy. Der weltgrößte Betreiber von Offshore-Windparks war vor zehn Jahren aus der Fusion staatlicher Öl- und Gasversorger sowie fünf regionaler Anbieter hervorgegangen. Dong hat weltweit mehr als ein Viertel aller küstennaher Windparks gebaut und ist auch in Deutschland und Großbritannien eine feste Größe in diesem Geschäft. Das Unternehmen versucht nun auch in den USA Fuß zu fassen. Der Börsenstart in Kopenhagen ist für den 9. Juni geplant. Die Aktien werden in einer Preisspanne von 200 bis 255 dänischen Kronen pro Aktie angeboten, womit sich ein Marktwert von bis zu 14,35 Milliarden Euro ergibt.

cw

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