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Rote Ampel vor Eon-Schriftzug

Milliardenabschreibungen

Eon: Noch schlimmer als befürchtet

Stand: 09.03.2016, 09:43 Uhr

Analysten hatten bei Eon mit einem Fehlbetrag von 4,4 Milliarden Euro gerechnet. Doch das war viel zu optimistisch. An seinem Dividendenversprechen will der Konzern aber festhalten.

Im Gegensatz zum Konkurrenten RWE will Eon trotz horrender Verluste eine Dividende von 50 Cent zahlen - vielleicht zum vorerst letzten Mal für längere Zeit, steht Eon doch kaum besser da als RWE. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) schreibt der Konzern zwar noch immer schwarze Zahlen von 7,6 Milliarden Euro (zehn Prozent weniger als 2014), doch wegen Abschreibungen und Wertberichtigungen auf die konventionellen Kraftwerke, die wegen der von Angela Merkel erzwungenen Energiewende stillgelegt werden müssen, hat Eon unter dem Strich einen Verlust von knapp sieben Milliarden Euro angehäuft - so viel wie noch nie in seiner Geschichte.

Analysten hatten einen Fehlbetrag von 4,4 Milliarden erwartet. Bereinigt um die Abschreibungen hätte der Konzern wie im Vorjahr einen Überschuss von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. In diesem Jahr kletterten die Wertberichtigungen auf insgesamt 8,8 Milliarden Euro.

2016 wird noch schlechter

"Wir haben in einem sehr schwierigen Marktumfeld ein ordentliches operatives Ergebnis abgeliefert. Unsere Kennzahlen spiegeln wider, dass sich die Branche in einem grundlegenden strukturellen Umbruch befindet, der sich in diesem Jahr ungebremst fortsetzt", schreibt Eon in der Mitteilung. Tatsächlich ist eine Trendwende zunächst nicht in Sicht. In diesem Jahr wird sich die Talfahrt von Eon den Prognosen nach beschleunigen.

So hätten in den ersten beiden Monaten die Strompreise neue Tiefststände erreicht. Zudem stehe der Gaspreis unter Druck. Hinzu käme der schwache Rubelkurs, der das wichtige Russland-Geschäft des Konzerns belastet. So erwartet Eon einen Rückgang des Ebitda von zuletzt 7,6 auf 6 bis 6,5 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss soll bei 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro landen. In dieser Prognose ist allerdings noch die Kraftwerkstochter Uniper enthalten. Ende April wollen die Führungsspitzen von Eon und der Tochter Uniper einen konkreten Ausblick für beide Unternehmen vorlegen.

Dividende dürfte sinken

Auf der Hauptversammlung am 8. Juni 2016 werden dann die Aktionäre über die rechtliche Abspaltung von Uniper entscheiden. Im Anschluss soll die Börsennotierung von Uniper erfolgen. Die Neuausrichtung ist schon seit dem Jahreswechsel im Gange. Das gesamte Geschäft mit großen Kraftwerken wird seitdem von Uniper aus Düsseldorf geführt. Das Hauptunternehmen sitzt nun in Essen und konzentriert sich auf erneuerbare Energien und den Vertrieb. Eon-Chef Johannes Teyssen bekräftigte: "Es ist richtig, die Geschäfte jetzt zu trennen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich die Unternehmen entlang eigener Strategien weiterentwickeln können."

Teyssen stimmt allerdings seine Aktionäre auf magere Zeiten ein. So werde der frei verfügbare Cash Flow vor dem Hintergrund der angespannten Marktsituation geringer ausfallen, künftige Investitionen und Dividenden müssten dies reflektieren. Im Klartext heißt das: Die Ausschüttungen werden weiter sinken.

Trotz der tiefroten Zahlen kletterte die Eon-Aktie im frühen Handel vorübergehend an die Dax-Spitze. Offenbar setzten die Anleger angesichts des aktuellen Kehraus in der Bilanz auf die fernere Zukunft.

lg

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