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Willkommenes Angebot vor turbulenter HV
Druck auf dem Kessel bei ThyssenKrupp
Vorstand und Aufsichtsrat können sich vor der morgigen Hauptversammlung auf einige unangenehme und berechtigte Fragen gefasst machen. Da kommen frische Angebote für ein Stahlwerk in den USA für die Manager genau zum richtigen Zeitpunkt.
Mit einem Aufschlag von mehr als zwei Prozent auf 18,32 Euro finden sich die Titel des Stahlkonzerns an einer ungewohnten Stelle wieder: An der Spitze des Dax. Im vergangenen Jahr gehörte das Unternehmen mit einem mageren Plus von 0,2 Prozent zu den schlechtesten Titeln im deutschen Leitindex. Angesichts der Nachrichten, mit denen sich die Anleger auseinandersetzen mussten, ist selbst dieser Miniaufschlag 2012 recht erstaunlich.
Für den heutigen Freudensprung sorgte eine Nachricht des "Wall Street Journal" (WSJ): Der weltweit größte Stahlkonzern ArcelorMittal soll 1,5 Milliarden US-Dollar für das Stahlwerk im US-Bundesstaat Alabama bieten. Auch der brasilianische Konzern Siderurgica Nacional habe eine Offerte für das US-amerikanische Werk sowie für einen Mehrheitsanteil an dem ThyssenKrupp-Werk in Brasilien abgegeben. Die Brasilianer bieten laut "WSJ" 3,8 Milliarden Dollar.
Interessenten melden sich an
So langsam scheint sich tatsächlich ein Verkauf der Stahlwerke in Brasilien und in den USA anzubahnen. Denn es soll sogar noch weitere Interessanten geben. Auch der US-Konzern Nucor an dem US-Werk der Deutschen interessiert und biete ebenfalls 1,5 Milliarden Dollar. Ein Bieterkampf würde für ThyssenKrupp natürlich kommen wie bestellt. Zuletzt hatte der Konzern wegen des Bahnkartells in den Schlagzeilen gestanden.
Stefan Freudenreich, Analyst bei Equinet, wertete die Nachricht positiv, wenngleich die genannten Preise etwas niedriger seien als von ihm erwartet. Allerdings sei das Risiko in puncto Veräußerung von Steel Americas nun begrenzt. UBS-Analyst Carsten Riek ist auch der Ansicht, dass die Offerten nur am unteren Ende der Erwartungen lägen. Sollte ThyssenKrupp die Angebote annehmen, könnten weitere Abschreibungen von einer Milliarde Euro drohen. Mit einer derartigen Wertberichtigung habe er bisher nicht gerechnet. Im Geschäftsbericht 2012 hatte ThyssenKrupp einen Fehlbetrag in Höhe von fünf Milliarden Euro ausgewiesen. Außerdem wurde Anfang Dezember des vergangenen Jahres der halbe Vorstand an die Luft gesetzt.
Was wird aus Cromme?
Milliardenverluste, Pannen beim Stahlwerkbau, das Schienenkartell, Affären um Luxusreisen - viele ThyssenKrupp-Aktionäre sind sauer. Deshalb wird die Hauptversammlung am Freitag auch mit großer Spannung erwartet. "Das Unternehmen gibt zurzeit alles andere als ein gutes Bild ab“, sagt Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der DSW. "Die Aktionäre haben also eine ganze Reihe unangenehmer Fragen an Vorstand und Aufsichtsrat“, kündigt Hechtfischer an.
Besonders angekratzt ist auch das Image des Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme, der seit 2001 Chefaufseher von ThyssenKrupp ist. Doch die Krupp-Stiftung dürfte die Absetzung von Cromme verhindern. Sie besitzt gut 25 Prozent der Konzern-Anteile und hat deshalb großes Gewicht bei allen Entscheidungen im Unternehmen. Der 99-jährige Stiftungschef Berthold Beitz hält zu Cromme: "Cromme bleibt", hatte Beitz jüngst im "Handelsblatt" gesagt.
Stand: 17.01.2013, 11:47 Uhr