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FANG

Fliegende Logos von Amazon, Tesla, Facebook, Netflix, Google, Twitter

Aktien unter Druck

Droht Facebook & Co 2016 der Absturz?

Stand: 20.01.2016, 11:13 Uhr

Um durchschnittlich 83 Prozent sind die Aktien von Facebook, Amazon, Netflix und Google - kurz FANG - im vergangenen Jahr gestiegen. Seit Jahresanfang stehen sie heftig unter Druck. Ist es nun Zeit für den Ausstieg?

Tatsächlich haben die Aktien der FANG-Gruppe im vergangenen Jahr den Markt weit hinter sich gelassen. So sind allein die Papiere des Onlinevideodienstes Netflix im vergangenen Jahr in Dollar um 134 Prozent in die Höhe geschossen. Amazon brachte es auf ein Plus von 119 Prozent, die Google-Muttergesellschaft Alphabet auf 47 Prozent und Facebook auf 34 Prozent. Auch die unter dem Akronym NOSH bekannten Aktien der Firmen Nike, O'Reilly, Starbucks und Home Depot sind im vergangenen Jahr deutlich besser gelaufen als der Gesamtmarkt. Der S&P 500 hat dagegen nur lustlose 1,5 Prozent geschafft.

Ohne diese Papiere wäre der S&P 500-Index bereits im November ins Minus gerutscht und hätte nach Berechnungen der Zeitschrift "Fortune" das Jahr mit einem Minus von 3,7 Prozent abgeschlossen. Seit Jahresbeginn nun sind besonders die Aktien der FANG-Gruppe deutlich unter Druck geraten. Allein Amazon hat 15 Prozent seines Wertes eingebüßt - und ist damit tiefer gefallen als der S&P 500. Die anderen Papiere hat es zwar weniger erwischt, doch notieren auch sie inzwischen knapp zehn Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Die Titel der NOSH-Gruppe hingegen fallen mit dem Markt oder halten sich weiterhin besser.

Hohe Erwartungen eingepreist

Es sind also vor allem die Technologiewerte der im Nasdaq notierten FANG-Gruppe, die ihre Rolle als Outperformer verloren zu haben scheinen. Zwar ist es gut zwei Wochen nach Jahresbeginn kaum möglich auf die Entwicklung im Rest des Jahres zu schließen. Trotzdem fragen sich einige Experten, ob es nicht an der Zeit ist, sich von den Aktien der FANG-Gruppe zu trennen.

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,00
Differenz absolut
0,30
Differenz relativ
+0,28%
Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum Intraday
Kurs
672,62
Differenz absolut
13,02
Differenz relativ
+1,98%

Nach mehreren Jahren auf der Überholspur seien in den Kursen hohe Erwartungen eingepreist und das mache den Investoren verständlicherweise Sorgen.

Alphabet und Facebook vernünftig bewertet

Basierend auf dem Kurs-Gewinn-Verhältnis ist Alphabet derzeit das Unternehmen mit dem vernünftigsten Preis: Es wird mit einem künftigen KGV von knapp 21 gehandelt, also nur wenig mehr der Durchschnitt des S&P 500 von derzeit 19. Nach Ansicht der Bank Vontobel hat Alphabet weiterhin großes Wachstumspotenzial. So könnte die Tochter Google mit ihrer Plattform YouTube und einem neuen gebührenpflichtigen und werbefreien Angebot Netflix Paroli bieten. Daher scheint der Preis von Alphabet angemessen und nicht künstlich aufgeblasen.

Facebook ist dagegen mit einem künftigen KGV von knapp 33 deutlich teurer als Alphabet. Allerdings kann der Netzwerkbetreiber auch regelmäßig beeindruckende Wachstumsraten vorweisen von zuletzt (im dritten Quartal 2015) 52 Prozent. Damit ist Facebook zwar hoch bewertet, aber das Unternehmen liefert auch eine außergewöhnliche Performance, um diesen Aufschlag zu rechtfertigen. Auch die meisten Analysten trauen der Facebook-Aktie noch viel zu. So hat erst Anfang dieser Woche der Experte von JPMorgan den fairen Wert der Facebook-Aktie auf 127 Dollar erhöht, gut ein Drittel mehr als derzeit.

Ausnahme Amazon

Bei Amazon sieht es anders aus. Mit einem KGV von derzeit 104 erschent das Unternehmen komplett überbewertet. Analysten sind jedoch der Meinung, dass der Gewinn hier nicht die Bewertungsgrundlage sein sollte, da Amazon aggressiv in neues Wachstum investiere. Damit sichere sich Amazon seinen Platz als weltweit führender Online-Einzelhändler und als Top-Player im Cloudgeschäft. Das Unternehmen wächst für seine Größe mit erstaunlicher Geschwindigkeit und die Gewinnmargen haben sich in letzter Zeit auch in die richtige Richtung entwickelt.

Amazon ist sicher hoch bewertet, aber es sei auch ein außergewöhnliches Unternehmen, meint Cliff Asness, Gründer und Chef des US-Hedgefonds AQR Capital Management. Auch die Analysten halten die Amazon-Aktie keinesfalls für zu teuer. 17 der 19 das Unternehmen beobachtende Analysten empfehlen die Aktie sogar zum Kauf, weil sie ihr noch deutlich mehr zutrauen. So hat Barclays den fairen Wert von Amazon auf 850 Dollar festgelegt, 45 Prozent mehr als heute.

Experten geben Entwarnung

Auch Netflix erscheint beim Blick auf ein KGV von 424 grotesk überbewertet. Doch sollte auch hier der Blick auf den Gewinn und das KGV nicht den Blick verstellen. Netflix ist der weltweite Marktführer auf dem Gebiet der Onlinevideos und das Unternehmen bleibt darauf ausgerichtet, in den kommenden Jahren fast auf der ganzen Welt präsent zu sein, wie die am Abend veröffentlichten Zahlen zum vierten Quartal zeigen. Diese internationale Expansion wird auch in Zukunft starkes Wachstum generieren, so dass die Marktkapitalisierung von derzeit 45 Milliarden Dollar und damit nur 13 Milliarden weniger als der dreimal größere Konkurrent Time Warner. Auch macht Time Warner deutlich mehr Gewinn als Netflix. Deshalb zahlen die Investoren für Netflix ein KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) von 8 verglichen mit einem KUV von 2 für Time Warner.

Amazon, Alphabet, Facebook und Netflix sind also hoch bewertet, was immer Risiken birgt. Trotzdem sollten Anleger nicht vergessen, dass es sich bei diesen Firmen um weltweite Marktführer in ihren Bereichen handelt, die weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen dürften.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Aktien dieser Firmen immer geradlinig steigen. Auch reagieren Anleger sofort enttäuscht, wenn ihre Erwartungen himmelhoch sind. Dabei sollte es keine große Überraschung sein, wenn die Gewinne auch mal unter den hohen Erwartungen liegen. Insgesamt jedoch kommen die Autoren des Magazins "Fortune" zu dem Schluss, dass die FANG-Aktien ihren Anlegern auch in diesem Jahr nicht das "Blut aus den Adern" saugen werden.

lg

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