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Geldpolitik

EZB-Entscheid

Draghi senkt Leitzins auf null

Stand: 10.03.2016, 16:44 Uhr

Es war eine positive Überraschung für die Aktienmärkte. EZB-Präsident Mario Draghi senkt den Leitzins. Und er verschärft den Strafzins, den Banken zahlen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken.

Es war ein mächtiger Schlag, zu dem die EZB ausholte: Sie senkte den Leitzins erstmals in ihrer Geschichte auf null. Bislang lag er bei 0,05 Prozent. Den Einlagenzins schraubte die Zentralbank ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte herunter auf minus 0,4 Prozent. Auf der Pressekonferenz erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man sehe die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf diesem niedrigen Niveau, auch nach Abschluss des Anleihekaufprogramms.

Mit einer weiteren Senkung des Einlagensatzes hatte die Mehrheit der Experten gerechnet. Diesen Strafzins müssen Banken zahlen, wenn sie Geld bei der EZB bunkern. Damit will die Zentralbank erreichen, dass Geschäftsbanken das viele billige Geld, das die EZB ihnen zur Verfügung stellt, an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen. Das soll die Wirtschaft stimulieren und die Inflation anheizen. Um die Auswirkungen des Strafzinses auf die Banken abzumildern, legte die EZB zugleich neue Kreditlinien für die Banken auf.

Anleihekäufe werden ausgeweitet

Der dritte Streich: Die EZB weitete ihre Anleihekäufe aus. Dafür will sie künftig monatlich 80 Milliarden Euro ausgeben. Bislang nimmt sie jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Hand. Zudem will sie künftig auch Unternehmensanleihen aufkaufen. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik damit deutlich stärker gelockert als gemeinhin erwartet worden war. Es sei ein umfassendes "Stimulierungspaket", hieß es bei der Pressekonferenz.

Leitzinsen Fed vs. Eurozone

Leitzinsen Fed vs. Eurozone. | Bildquelle: Fed, EZB

Aktienkurse erst hoch, dann runter

In einer ersten Reaktion sprang der Dax um mehr als zwei Prozent nach oben. Der Tageshöchstkurs lag bei 9.995 Punkten. Vor dem Zinsentscheid hatten sich Anleger, aus Ungewissheit über den Ausgang des EZB-Entscheids, mit Aktienkäufen zurückgehalten.

Im weiteren Tagesverlauf kippte allerdings die Stimmung: Der Deutsche Aktienindex rutschte schließlich sogar ins Minus. Marktteilnehmer machten dafür die nun vorherrschende Perspektive verantwortlich, dass es in diesem Zyklus keine geldpolitischen Lockerungen geben wird.

Dax
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Euro nur vorübergehend unter Druck

Der Euro setzte zunächst wie erwartet zu einer Talfahrt an. Er fiel unter 1,0823 Dollar. Aber ähnlich wie am Aktinmarkt gab es daraufhin eine scharfe Kurswende. Die Gemeinschaftswährung machte ihre Verluste wieder wett und kletterte sogar bis auf 1,1157 Dollar.

Mit ihrer expansiven Geldpolitik kämpft die Europäische Zentralbank gegen die chronisch schwache Inflation. Ziel der Währungshüter ist eine Teuerungsrate von nahezu zwei Prozent. Davon ist man bisher allerdings weit entfernt. Für das laufende Jahr hat die EZB ihre Prognose auf 0,1 Prozent gesenkt, nachdem sie bisher auch nur 1,0 Prozent in Aussicht gestellt hatte.

Gerade in Deutschland stößt der lockere geldpolitische Kurs der EZB auf immer mehr Kritik. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte im Vorfeld vor einer Ausweitung der Geldpolitik gewarnt. Allerdings war er wegen des Rotationsprinzips im EZB-Rat dieses Mal nicht stimmberechtigt.

um

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Ökonomen zur weiter gelockerten EZB-Geldpolitik

Geldschleusen weit geöffnet

Isabel Schnabel, Wirtschaftsweise:

Isabel Schnabel, Ökonomin Uni Mainz und Wirtschaftsweise:

"Es handelt sich um eine weitere massive geldpolitische Lockerung. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit Anleihekäufen (QE) halte ich es für unwahrscheinlich, dass die erneute Ausweitung die Inflation nachhaltig erhöhen wird. Der Markt für Unternehmensanleihen ist in Europa zu klein, als dass sich aus deren Einbeziehung ein großer Effekt ergeben dürfte. Gleichzeitig setzt die weitere Senkung der Einlagenzinsen die Erträge der Banken noch stärker unter Druck."

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