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Medizintechnik

Atemschutzmasken von Drägerwerk

Schock nach Börsenschluss

Drägerwerk zieht die Reißleine

Stand: 02.02.2016, 19:34 Uhr

Beim Lübecker Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik läuten die Alarmglocken. Nach Xetra-Schluss gab das TecDax-Unternehmen miserable Jahreszahlen bekannt und kürzt die Dividende. Die Aktie stürzt im Späthandel ab.

Über rund elf Prozent auf etwas über 55 Euro rauschen die im deutschen Technologieindex notierten Vorzugsaktien des Lübecker Unternehmens aktuell im Späthandel der Frankfurter Börse in den Keller. Damit nähert sich das Papier dem Zwölf-Monats-Tief, das erst im Janaur bei 53,93 Euro erreicht worden war. Im regulären Handel hatte das Papier noch bei 60,61 Euro geschlossen. In einem schwachen Gesamtmarkt hatte die Aktie dabei 2,2 Prozent abgegeben.

Dass es bei Dräger nicht rund läuft, zeigt aber bereits der Kursverlauf seit dem Jahrshoch im April 2015 bei 122 Euro sowie schwache Quartalsausweise schon seit dem Sommer 2015. Denn seitdem ist es mit der Aktie fast ohne Gegenwehr bergab gegangen, mittlerweile hat sich das Papier von der Spitze mehr als halbiert. Hoffnungen auf eine Gegenbewegung dürften mit der heutigen Hiobsbotschaft erst einmal beendet sein. Die Aktie wird sich einen neuen Boden suchen müssen.

Gewinn fällt, Dividende auch

Wie schlecht es im vergangenen Jahr aussah zeigt die Tatsache, dass das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) 2015 um rund zwei Drittel auf 67 (2014: 179) Millionen Euro einbrach. Dabei kostete das laufende Restrukturierungsprogramm allein 35 Millionen Euro, 30 Millionen davon wurden im vierten Quartal fällig. Die operative Umsatzrendite lag mit 2,6 Prozent am unteren Rand der im Herbst gesenkten Prognose (2,5 bis 4,5 Prozent). Der Umsatz stieg, um Währungseffekte bereinigt, um 2,9 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro.

Als Konsequenz streicht das Unternehmen die Dividende drastisch zusammen. Auf die Stammaktien sollen nur noch 13 Cent je Aktie gezahlt werden, vor einem Jahr waren noch 1,33 Euro je Aktie ausgeschüttet worden. Auf die Vorzugsaktien soll es 19 Cent statt 1,39 Euro geben. "Auch die Aktionäre leisten damit ihren Beitrag zur Restrukturierung und Überwindung der angespannten wirtschaftlichen Lage", begründete der Vorstand den Schritt. Mehr werde es erst wieder geben, wenn sich die Ergebnisentwicklung "wieder deutlich verbessert und stabilisiert hat". Dann wolle Dräger auch über Aktienrückkäufe indirekt Gewinne ausschütten.

Verhaltener Ausblick

Bis dahin dauert es aber wohl noch eine ganze Weile, denn Besserung ist derzeit nicht in Sicht: Der Auftragseingang sei im vierten Quartal um 5,2 Prozent gesunken, zum Jahresende stünden 70 Millionen Euro Aufträge weniger in den Büchern als ein Jahr zuvor. "Entsprechend geht Dräger von einer verhaltenen Umsatzentwicklung im ersten Quartal 2016 aus", hieß es in der Mitteilung. Zudem würden in diesem und im nächsten Jahr noch einmal jeweils zehn Millionen Euro an Restrukturierungskosten fällig.

rtr/rm

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