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Kreative Buchführung

Die wundersamen Zahlen der Chinesen

Stand: 25.09.2014, 15:21 Uhr

Viele der an der Deutschen Börse erstnotierten chinesischen Firmen haben sich als Meister der kreativen Buchführung - im besten Fall - entpuppt. Hier drei kuriose Beispiele.

Alles andere als vertrauenerweckend sind die Vorgänge bei dem Modehersteller Fast Casualwear. Ende Mai prognostizierte das Unternehmen für das laufende Jahr einen Umsatzanstieg zwischen 15 und 20 Prozent sowie eine Ebit-Marge zwischen 16 und 19 Prozent. Ende August ist plötzlich alles anders. "Das Unternehmen geht nun davon aus, dass im Jahr 2014 der Umsatzerlös sich im Vergleich zu 2013 um 25 Prozent bis 30 Prozent verringern wird. Die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern wird nun auf 8 Prozent bis 10 Prozent eingeschätzt.” Das bedeutet einen Gewinneinbruch um bis zu zwei Drittel.

Wie ist eine solch dramatische Kehrtwende zu erklären, zumal das Unternehmen nach eigenen Angaben im ersten Quartal seinen Umsatz um mehr als die Hälfte gesteigert hat? Der Gewinn soll sich sogar um zwei Drittel verbessert haben.

Warum sich die Geschäftsaussichten urplötzlich verschlechtert haben, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Die bisher zuständige PR-Agentur Kirchhoff erklärt, nicht mehr für Fast Casualwear zu arbeiten. Die Internetadressen der Firma sind abgeschaltet. Einzige Kontaktmöglichkeit ist eine Email-Adresse in Hongkong. Anfragen bleiben unbeantwortet.

Chaos bei China Specialty Glass

Als chaotisch haben sich auch die Zustände bei dem 2011 an die Frankfurter Börse gegangenen angeblichen Panzerglashersteller China Specialty Glass (CSG) erwiesen. Ein als vielversprechend gepriesener Vertrag mit dem französischen Multi Saint-Gobain, einem der größten Glashersteller der Welt, hat nie zu einem konkreten Ergebnis geführt und ist längst von Saint-Gobain gekündigt worden.

China Specialty Glass, Screenshots der Website

China Specialty Glass. | Bildquelle: Unternehmen

Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 und die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres gibt es bis heute nicht. Auch ein Veröffentlichungstermin ist nicht bekannt. Hauptgrund ist ein Problem mit der Wirtschaftsprüfung, heißt es in einer am 30.4.2014 veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung.

Die Lage bei CSG ist offenbar so verworren, dass selbst die begleitende VEM Aktienbank aus München ihre Bewertung für das Unternehmen aufgegeben hat. "Wir sehen uns aktuell nicht in der Lage, eine einigermaßen verlässliche Zukunftsprognose für die Unternehmensentwicklung zu geben, zu ungewiss ist der Ausgang der Prüfung", so die Bank Ende April.

Seitdem 19. September ist das Band zwischen CSG und der VEM Aktienbank endgültig zerschnitten: CSG- Aufsichtsratschef Andreas Grosjean, der auch im Vorstand von VEM sitzt, hat mit sofortiger Wirkung sein Amt aufgegeben. Einen Nachfolger gibt es bis heute nicht. Kein Wunder, dass der Aktienkurs in Richtung Penny-Stock abrutscht.

Ming Le Sports

Drunter und drüber geht es auch bei dem Sportartikelhersteller Ming Le Sports. Nachdem die Firma im März eingestehen musste, dass der Wirtschaftsprüfer sich weigert, die Bilanz für 2013 zu testieren, ist die Aktie um die Hälfte eingebrochen.

Ming Le Sports Werbebanner

Ming Le Sports. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Laut dem Wirtschaftsprüfer Grant Thornton konnten vier der insgesamt 26 Kunden und zwei der 44 Lieferanten nicht identifiziert werden, da sie im Handelsregister nicht aufzufinden waren. Daraufhin hat Grant Thornton die genannten Bankkonten der Kunden und Zulieferer geprüft und konnte nicht bestätigen, dass diese zum Zeitpunkt der Untersuchung existierten oder aktiv waren.

Dies hatte Ming Le zuvor versucht zu vertuschen. Am 14. März 2014 erklärte die Firma die Verzögerungen bei der Vorlage der Zahlen für 2013 mit "begrenzten personellen Ressourcen seitens Grant Thornton“. Doch nur wenige Tage später mussten die Chinesen zugeben, dass es sich dabei um eine dreiste Lüge gehandelt hat.

Inzwischen hat Grant Thornton hingeworfen. Am 31. Juli dieses Jahres wurde gerichtlich ein neuer Abschlussprüfer ernannt, die TreuConsult GmbH aus Berlin. Sie werde umgehend mit der Prüfung der Jahresergebnisse 2013 beginnen, hieß es in der Mitteilung.

Jetzt sollen die Zahlen, einschließlich der Bilanz für die ersten neun Monate dieses Jahres, am 15. November bekannt gegeben werden. Ob dieses Datum eingehalten wird und wie die Zahlen aussehen könnten, weiß natürlich niemand.

lg

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