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Leitwolf kläfft weiter

Die langen Schatten des Herrn Ackermann

von Lothar Gries

An diesem Donnerstag feiert Josef Ackermann seinen 65. Geburtstag - nicht wie einst im Bundeskanzleramt, sondern im kleinen Kreis in seiner Schweizer Heimat. Vergessen ist "Joe" am Bankenplatz Frankfurt aber noch lange nicht.

Dafür sorgen die zahlreichen Leichen, die Ackermann im Keller der Deutschen Bank zurückgelassen hat. Sei es die mutmaßliche Verwicklung der Bank in den Libor-Skandal, die zahlreichen Klagen wegen fauler Immobilienkredite in den USA oder die drohenden Schadensersatzzahlungen an die Kirch-Erben: Die Ära Ackermann hat in der Bilanz des größten deutschen Geldhauses tiefe Spuren hinterlassen.

Allein im Schlussquartal 2012 haben seine Nachfolger an der Spitze der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, für die juristischen Auseinandersetzungen Rückstellungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro gebildet. Das deutet auf ihre Entschlossenheit hin, sich von der Ära Ackermann zu verabschieden und das Institut von den Lasten der Vergangenheit zu befreien.

Gutes Zeugnis ausgestellt
Dazu haben sie es auf sich genommen, für 2012 die schlechteste Bilanz seit dem Finanzkrisenjahr 2008 vorzulegen. Damals stand im Gesamtjahr ein Minus von 3,9 Milliarden Euro in den Büchern, im Schlussquartal des vergangenen Jahres wies die Bank einen Verlust nach Steuern von 4,8 Milliarden Euro aus.

Dabei hatte sich Ackermann zum Ende seiner Amtszeit noch selbst ein gutes Zeugnis ausgestellt. Unter seiner Führung sei Deutschlands größte Bank ein "global wettbewerbsfähiges, hoch profitables Institut" geworden, sagte er Ende Mai 2012 auf der letzten Hauptversammlung in seiner Amtszeit.

Keine offene Kritik

Deutsche Bank Vorstand Jürgen Fitschen (li.) und Anshu Jain.

Deutsche Bank Vorstand Jürgen Fitschen (li.) und Anshu Jain.

Mit offener Kritik halten sich Jain und Fitschen bisher aber zurück. Während der zweistündigen Pressekonferenz in der vergangenen Woche, anlässlich der Bilanzvorlage, fiel der Name Ackermann nicht ein einziges Mal.

Dass das neue Führungsduo der Ära Ackermann allerdings keine Träne nachweint, zeigte eine unverblümte Aussage von Jürgen Fitschen: "Unsere diesjährige Jahrespressekonferenz unterscheidet sich von denen der Vergangenheit. Kurz gesagt: Die Zielsetzung dieser Veranstaltung hat sich geändert.“ Ein unverhohlener Abschied von Ackermanns Zeiten.

Der alte Leitwolf kläfft weiter

Umgekehrt nimmt auch Ackermann kein Blatt vor den Mund. Ende November tadelte er seinen Nachfolger Anshu Jain öffentlich dafür, dass der nicht persönlich nach Berlin gereist ist, um den Bundestagsabgeordneten zu erklären will, wie das so zugegangen ist oder sein könnte mit der Manipulation des Referenzzinses Libor. "Ich finde schon, dass der Chef auf die Bühne gehört“, sagte Ackermann auf einer Veranstaltung. Er selbst hätte sich dieser unangenehmen Aufgabe selbstverständlich gestellt.

Dass der Libor-Skandal eine Altlast aus seiner eigenen Ära als Vorstandschef der Deutschen Bank war, umschifft der Schweizer: "Anders als manche offenbar glauben, ist ein Vorstandsvorsitzender nicht allwissend. In einer so großen und arbeitsteiligen Organisation wie der Deutschen Bank muss er sich immer auch darauf verlassen, dass die zuständigen Mitarbeiter ihren Bereich im Griff haben." Libor fiel in den Zuständigkeitsbereich des damals obersten Investmentbankers Jain.

Nicht die erste Kritik

Es ist nicht die erste öffentliche Rüge Ackermanns für Jain: Bei einer "Spiegel"-Veranstaltung Ende Oktober nannte Ackermann Jains Äußerungen laut Medienberichten "schädlich". Jain hatte der "Welt am Sonntag" gesagt, Europa müsse wegen der immensen Kosten der Euro-Rettung mit Inflation rechnen: "Das ist ein Preis, den wir für Europa werden zahlen müssen."

Ackermann hatte Jain und Fitschen einst nur zähneknirschend als Nachfolger akzeptiert. Der Groll hat sich offenbar auch ein halbes Jahr nach seinem Abschied aus dem Amt nicht gelegt. Der alte Leitwolf kann eben das Kläffen nicht lassen.

tagesschau24 Eröffnungsbericht vom 22.05.2013

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