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Die juristischen Baustellen der Deutschen Bank Mit wem das Geldhaus im Clinch liegt

Blaues Paragraphenzeichen

Tausende Rechtsstreitigkeiten - und es kommt immer wieder Neues ans Licht

An eine saubere Weste ist da schwer zu glauben: Weltweit wurde in so vielen Bereichen und so vielen Ländern gegen die Deutsche Bank wegen mutmaßlicher Manipulationen ermittelt, ob bei Devisen, Anleihen Gold und Silber - da fällt der Glaube an die Unschuld des Branchenprimus schwer. Es ist auch finanziell ein Problem: Für mögliche Strafen und Vergleiche von juristischen Auseinandersetzungen legte die Bank 2015 gut fünf Milliarden Euro zur Seite. Das bescherte ihr einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro - den größten ihrer Geschichte. Und es kommen immer neue Verfehlungen ans Licht. Große Aktionäre zweifeln schon, ob die Rückstellungen reichen.

Die juristischen Baustellen der Deutschen Bank Mit wem das Geldhaus im Clinch liegt

Blaues Paragraphenzeichen

Tausende Rechtsstreitigkeiten - und es kommt immer wieder Neues ans Licht

An eine saubere Weste ist da schwer zu glauben: Weltweit wurde in so vielen Bereichen und so vielen Ländern gegen die Deutsche Bank wegen mutmaßlicher Manipulationen ermittelt, ob bei Devisen, Anleihen Gold und Silber - da fällt der Glaube an die Unschuld des Branchenprimus schwer. Es ist auch finanziell ein Problem: Für mögliche Strafen und Vergleiche von juristischen Auseinandersetzungen legte die Bank 2015 gut fünf Milliarden Euro zur Seite. Das bescherte ihr einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro - den größten ihrer Geschichte. Und es kommen immer neue Verfehlungen ans Licht. Große Aktionäre zweifeln schon, ob die Rückstellungen reichen.

Prozentzeichen vor USA-Karte

USA - Manipulation am Anleihemarkt?

Ein neuer Fall: In den USA sieht sich die Deutsche Bank mit einer Schadenersatzklage wegen angeblicher Preismanipulationen im Anleihenmarkt konfrontiert. Ihr und vier weiteren Geldhäusern werden geheime Absprachen im neun Billionen Dollar schweren Markt für sogenannte SSA-Bonds vorgeworfen. Dabei handelt es sich um Anleihen, die von Regierungsorganisationen oder Behörden begeben werden. Kläger ist das Rentensystem der Stadt Boston. Das Boston Retirement System wirft den Instituten vor, durch ihr Fehlverhalten Millionen Dollar an Gewinnen kassiert zu haben - auf Kosten anderer Beteiligter.

Eingang und Fassade der Mailänder Börse

Manipulation auch bei Italo-Bonds?

In Italien knöpft sich gerade der prominente Staatsanwalt Michele Ruggiero die Deutsche Bank vor. Er hat schon einige prominente Größen der Finanzwelt in die Zange genommen, unter anderem sieben Manager der Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch. Nun also die Deutsche Bank. Er ermittelt wegen Marktmanipulation gegen das Geldhaus. Dabei geht es um den Verkauf von Staatspapieren im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Ruggiero wirft der Deutschen Bank vor, dass sie öffentlich versichert hat, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen habe, dass sie ihre eigenen Bestände an Staatsanleihen innerhalb kürzester Zeit drastisch abbauen werde.

Russische 5-Rubel-Münze

Geldwäsche in Russland?

Für große Unruhe sorgt aber ein Verfahren um mutmaßliche Geldwäsche-Geschäfte in Russland. Ermittlern zufolge haben die Frankfurter ihren Kunden geholfen, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen. Das Geldhaus soll laut Insidern gute Chancen sehen, die Affäre zeitnah abzuhaken. Allerdings zieht die Geldwäsche-Affäre weitere Kreise, die US-Behörden haben sich eingeschaltet. Und das kann teuer werden.

Haus aus Münzsäulen mit Dach aus Dollarscheinen

Krumme Hypothekengeschäfte in USA?

Auch wegen der krummen Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise machen sich Anleger Sorgen. Die US-Behörden ermitteln weiter. Während die amerikanischen Banken inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch. Bank-Chef Cryan will sein Institut von dieser Altlast - ebenso wie von der Russland-Geldwäsche-Affäre - noch in diesem Jahr befreien. Das dürfte aber teuer werden.

Geldscheine verschiedener Währungen

Devisenhandel - Mit Schummelsoftware Kunden betrogen?

Die Deutsche Bank steht auch noch unter Verdacht, Kundenaufträge für Devisengeschäfte verzögert zu haben, mit Hilfe einer entsprechend manipulierten Software, um sich selbst zu bereichern. So zumindest der Vorwurf der im Dezember 2015 in den USA eingereichten Sammelklage. Zwei weitere Klagen in dieser Sache sind gegen die Deutsche Bank am Finanzplatz London erhoben worden. Das Institut weist die erhobenen Vorwürfe zurück.

Viele Großbanken haben am Devisenmarkt manipuliert, einige haben schon milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt zählte nicht dazu. Eine interne Untersuchung des Instituts hat nach Angaben aus Finanzkreisen bislang keine Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen ergeben. Es hat aber wohl vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso Schummeleien gegeben, einige Händler wurden vom Dienst suspendiert.

Blick auf  die Millionenstadt Teheran mit schneeebedeckten Bergen im Hintergrund.

Verstöße gegen US-Embargo im Iran

Zwar sind die meisten Sanktionen gegen den Iran inzwischen aufgehoben, doch in der Vergangenheit hat sich die Deutsche Bank bei verbotenen Geschäften mit dem Land die Finger verbrannt. Ende 2015 musste die Deutsche Bank wegen der Umgehung der Sanktionen gegen den Iran knapp 260 Millionen Dollar Strafe zahlen, hat sich aber – anders als die Commerzbank – noch längst nicht mit allen ermittelnden Behörden geeinigt. Daher ist der Branchenprimus sehr zurückhaltend, wieder in das Geschäft mit dem Iran einzusteigen. Viele andere europäische Finanzhäuser sind wegen ähnlicher Verstöße gegen US-Embargos zu hohen Geldstrafen verurteilt worden. Spektakulär die BNP Paribas: Sie wurde zu 8,9 Milliarden Dollar verdonnert.

Kursmanipulation

Strafe wegen Zins-Manipulationen - Zivilverfahren folgen

Wegen der Manipulation wichtiger Zinssätze wie des Libor oder des Euribor mussten mehrere Banken milliardenschwere Strafen zahlen. Auch Händler der Deutschen Bank waren in die Schummeleien verstrickt. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleute Schadenersatz durchsetzen wollen. Mehr zum Thema: Klage gegen Ex-Händler der Deutschen Bank

Gold- und Silberbarren

Manipulationen beim Gold- und Silberpreis?

Neben Zinsen und Devisen sollen mehrere Banken, darunter die Deutsche Bank, auch die Preise für Gold und Silber manipuliert haben. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Teuer werden könnte eine Klagewelle von Hedgefonds, Pensionsfonds und Privatanlegern auf Schadensersatz.

Leo Kirch, im Hintergrund der ehemalige Vorstand der Deutschen Bank Rolf Breuer (Quelle: pa/dpa))

Freisprüche im Kirch-Prozess

Eine Neverending Story ist aber endlich beendet: Der Fall Kirch. Teil 1 im Februar 2014, als die Deutsche Bank sich mit den Kirch-Erben verglich und 925 Millionen Euro an sie zahlte. Teil 2 im April 2016: Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände wurden vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Fast ein Jahr dauerte der Prozess. Doch der Richter entschied auf Freispruch.

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