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Gegipfelt und gerettet
Die Euro-Krise ist vorbei! Wirklich?
Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Europas Politiker hätten sich abgesprochen. Allerorten ist von einem Ende der Euro-Krise die Rede. Doch dürfen Anleger wirklich schon aufatmen?
Das fundamentale Bild fällt nach wie vor düster aus
Schließlich sieht sich die Eurozone nach wie vor zahlreichen Widrigkeiten gegenüber. "Die Wirtschaft der Eurozone schrumpft aktuell, befindet sich in immer mehr Staaten in der Rezession und leidet unter einer Rekordarbeitslosigkeit, die gerade in den südeuropäischen Krisenstaaten wie zum Beispiel Griechenland und Spanien dazu führt, dass mehr als jeder zweite Jugendliche keinen Job hat", betont etwa Thorsten Gellert, Devisen-Experte bei Forex Capital Markets.
Hinzu kommt: Die desaströse Lage in den Euro-Krisenstaaten dürfte sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Schuld daran sind die massiven Sparbemühungen der Regierungen, welche zu einem Rückgang von Investitionen und Konsum führen dürften.Schleppende Umsetzungen von Strukturreformen stehen einer Erholung des Arbeitsmarktes insbesondere in Spanien entgegen. So weit, so desaströs das fundamentale Bild.
Finanzmärkte im Entspannungsmodus
Fakt ist aber auch: Die Finanzmärkte haben bereits 2012 eindeutig in den Entspannungsmodus gewechselt. Viele Marktbeobachter stellen einen direkten Zusammenhang her mit den Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi: Im Sommer versprach er, im Notfall unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen.
Auch wenn Draghi bislang keine einzige solche Anleihe gekauft hat, gilt die Systemkrise doch vorerst als abgewendet. Ablesbar ist dies an den haussierenden Aktienmärkten, dem gestiegenen Euro, dem vergleichsweise schwachen Goldpreis und insbesondere an den Renditen für Anleihen aus Krisenländern.
Risikoprämien im Rückwärtsgang
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Diese sind auch zu Jahresbeginn weiter gefallen. Spanische Renditen notieren so tief wie zuletzt 2010. Der Abstand zwischen der Rendite spanischer und deutscher zehnjähriger Anleihen hat sich seit dem Höhepunkt der Euro-Krise im Sommer 2012 von 6,4 auf 3,3 Prozentpunkte nahezu halbiert.
Selbst Italien konnte sich im Januar trotz der drohenden Wiederwahl Silvio Berlusconis zu so günstigen Konditionen Geld am Kapitalmarkt verschaffen wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Ob sich die europäischen Krisenländer das ihnen entgegengebrachte Vertrauen aber auch tatsächlich redlich verdienen, muss sich noch weisen. Eine solche realwirtschaftliche Bestätigung ist nämlich bislang ausgeblieben.
Fazit: Das ganze Gerede vom "Ende der Krise" mag mit Blick auf die Finanzmärkte durchaus richtig sein. Diese werden weiterhin von einer überbordenden Liquidität getragen. Fundamental dürfte die europäische Krise 2013 indes mitnichten enden. Eher ist zu erwarten, dass sie sich jetzt erst so richtig warmläuft. Wie lange diese Schere zwischen fundamentalen Daten und Anlegerstimmung noch auseinander gehen kann, ist die Gretchenfrage mit Blick auf die künftige Kursentwicklung an den Börsen.