Auftragseinbruch in der deutschen Industrie Die deutsche Wirtschaft ist so stark - wirklich?

Stand: 07.06.2017, 09:22 Uhr

Die Exporte brummen, Wachstum allerorten, dazu Rekordbeschäftigung: Die deutsche Wirtschaft steht glänzend da. Wie passen dazu die neuen Schwächesignale aus dem Verarbeitenden Gewerbe? Die Industrie ist doch schließlich das Herz der deutschen Wirtschaft.

Das passt nicht ins derzeit immer wieder beschworene Bild von der ach so starken deutschen Konjunktur: Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist im April gesunken, laut Statistischem Bundesamt vom Mittwoch um 2,1 Prozent. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber nur um einen kleinen von 0,3 Prozent. Im März waren die Auftragseingänge noch um revidiert 1,1 Prozent zum Vormonat gestiegen (zuvor 1,0 Prozent).

Vor allem aus dem Ausland kamen weniger Aufträge herein. Hier sank das Ordervolumen im April um 3,4 Prozent. Dagegen hat sich das Bestellvolumen aus dem Inland kaum verändert, es sank um minimale 0,2 Prozent.

Immerhin: Ohne Großaufträge, die meist stark schwanken und damit das Gesamtergebnis verzerren können, stagnierte die Auftragsentwicklung im April. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium war der Anteil der Großaufträge "für einen April unterdurchschnittlich".

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Müssen wir uns Sorgen machen?

Vielleicht also nur eine kurze, verzerrte Momentaufnahme? Oder sind die sinkenden Industrieaufträge erste Warnsignale einer Abschwächung?

Das Verarbeitende Gewerbe ist quasi das Herz der deutschen Wirtschaft. Dazu gehören so wichtige Industriezweige wie die Autoindustrie, Metall, Chemie, aber auch Bereiche wie die Nahrungsmittelproduktion. Mehr als 200.000 Betreibe gehören deutschlandweit dazu, von Einmannbetrieb bis zum Konzern. Damit bietet die deutsche Industrie gut sieben Millionen Menschen Arbeit. Das Verarbeitende Gewerbe macht gut die Hälfte seines Umsatzes mit Exporten.

Experten geben Entwarnung. "Nach den guten Ergebnissen der letzten beiden Monate kann der Auftragsrückgang nicht wirklich aufs Gemüt schlagen", kommentiert Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Es gebe seitens der Weltwirtschaft weiter genug Rückenwind für die Industrie. Schon im Mai dürften die Aufträge wieder zunehmen.

Die Konjunktur kippt nicht

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Börse 15.00 Uhr: Rosige Zeiten für deutsche Konjunktur

"Die Orderbücher sind immer noch reich gefüllt", so Carsten Brzeski von ING, der auch auf die Osterfeiertage verweist. Es gebe keinen Grund zur Sorge. "Die Stimmungsindikatoren sind weiter sehr stark", sagt auch Ralph Solveen von der Commerzbank. "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass etwas konjunkturell kippt."

Allerdings: Auch von den Experten gibt es mahnende Zeigefinger. Laut Solveen zeigten die mauen Auftragsdaten auch, dass es wohl kein weiteres Anziehen des Wachstums geben wird. Für das zweite Quartal erwartet der Volkwirt ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Krüger verweist zudem auf China: Die gute Gesamlage im zweiten Halbjahr hänge wesentlich davon ab, ob die Volksrepublik neue staatliche Impulse setze und die deutsche Industrie dann auch ein Stück vom Kuchen erhalte. "In den vergangenen Monaten war dies vor allem beim Autoabsatz der Fall."

bs

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