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Aktien

Bundesadler mit Zinszeichen und Euros

SoFFin beginnt mit dem Ausstieg

Commerzbank – Verlustgeschäft für Staat und Steuerzahler

Knapp fünf Jahre nach dem Einstieg bei der Commerzbank hat der Staat mit dem Ausstieg aus dem Dax-Konzern begonnen. Eine gute Nachricht für Martin Blessing – und eine schlechte für den Steuerzahler.

Denn für den Staat war die Platzierung ein Verlustgeschäft. Der Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin wurde seine Papiere zum Stückpreis von 7,00 Euro los. Das war zwar am oberen Ende der in Finanzkreisen genannten Spanne von 6,60 bis 7,00 Euro. Gezahlt hatte der Fonds allerdings einst im Schnitt 34,70 Euro. Macht ein Minus von 80 Prozent!

Insgesamt platzierte der SoFFin rund 90 Millionen Aktien bei institutionellen Investoren, das Volumen belief sich auf 625 Millionen Euro. Die Papiere wurden ohne Bezugsrecht verkauft, sie berechtigen bei der am Mittwoch startenden Kapitalerhöhung also nicht zum Kauf neuer Aktien.

Sperrminorität ade

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.76
Differenz absolut
0.26
Differenz relativ
+2.04%

Für Konzernchef Martin Blessing ist der nun begonnene Ausstieg des Staates bei seinem Institut hingegen eine gute Nachricht: Hatte er doch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Staat als größten Anteilseigner lieber früher als später loswerden wolle.

Der Staat hat nun seine Sperrminorität von 25 Prozent bei der Commerzbank verloren, mit der er wichtige Entscheidungen bei Deutschlands zweitgrößtem Geldinstitut blockieren kann. Sein Anteil sinkt vorübergehend auf 10 Prozent. Da die stillen Einlagen des SoFFin im Zuge der Kapitalerhöhung aber komplett in neue Aktien gewandelt werden sollen, wird die Beteiligung dann wieder auf 17 Prozent steigen.

Verwässerungseffekt

Der SoFFin hatte die Aktien auf den Markt geworfen, um bei der insgesamt 2,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung kein frisches Geld mehr in die Hand nehmen zu müssen. Bei den zahlreichen Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahre hatte er hingegen immer voll mitgezogen, um seinen Anteil nicht zu verwässern.

Doch mit der geplanten vollständigen Rückzahlung der direkten Staatshilfen Ende Mai sieht der Bankenrettungsfonds nun offenbar keinen Bedarf mehr, die Commerzbank so eng zu kontrollieren.

Leerverkäufer am Werk?

An der Börse sorgt die gut gelaufene Platzierung bei Commerzbank-Aktie und -Bezugsrecht für ein rechnerisches Plus von mehr als 20 Prozent in der Summe: Marktbeobachter vermuten dahinter Leerverkäufer, die bei der Platzierung keine Stücke erhalten haben und sich nun eindecken.

Vor der Pleite gerettet

Der Bankenrettungsfonds SoFFin war nach der Lehman-Pleite Mitte September 2008 in zwei Schritten bei der Commerzbank eingestiegen. Diese hatte kurz zuvor mitten in der Finanzkrise die mit etlichen Altlasten behaftete Dresdner Bank vom Versicherer Allianz übernommen. Insgesamt flossen 18,2 Milliarden Euro staatliche Hilfsgelder: 16,4 Milliarden Euro als Stille Einlage, der Rest ging in die Aktienbeteiligung. Die Sperrminorität sollte die Stille Einlage absichern.

ag

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