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Übernahme

Gebäude der London Stock Exchange und der Deutsche Börse AG

Fusion beschlossen

Deutsche Börse und LSE werden TopCo

Stand: 16.03.2016, 12:04 Uhr

Nach wochenlangen Verhandlungen haben die Deutsche Börse und die London Stock Exchange nun ein konkretes Fusionsprojekt vorgelegt.

Dabei werden die beiden derzeitigen Börsenbetreiber Deutsche Börse und LSE zu einer neuen Gesellschaft namens "UK TopCo" fusioniert, die dann ihrerseits in den Dax, den EuroStoxx 50 und den FTSE UK Index aufsteigt. Geführt wird UK TopCo vom derzeitigen Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter. Als Verwaltungsratsvorsitzender (Chairman) ist Donald Brydon vorgesehen. Er hat diesen Posten bereits bei der LSE inne. Die Holding der neuen Superbörse wird ihren rechtlichen Sitz in London haben, die Töchter bleiben an ihren jeweiligen Sitzen in der britischen Hauptstadt sowie in Frankfurt.

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse

Carsten Kengeter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Zusammenschluss soll bis Ende dieses Jahres, spätestens aber bis Ende des ersten Quartals 2017 vollzogen sein. Das Übernahmeangebot erfolgt im Wege eines Tauschangebots. Als Gegenleistung für ihre Aktien erhalten die Aktionäre der Deutschen Börse eine neue TopCo-Aktie. Die bisherigen Aktionäre der Deutsche Börse werden aber etwas mehr als die Hälfte der Anteile von TopCo halten, rund 54,4 Prozent, die der LSE kommen auf 45,6 Prozent.

Kosteneinsparungen von 450 Millionen Euro

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die beiden Unternehmen äußerten sich überzeugt, dass der Zusammenschluss beide Seiten stärken werde und die Chance biete, "einen führenden europäischen Anbieter für globale Marktinfrastruktur zu schaffen". Die Konzerne erwarten von dem Zusammenschluss Kosteneinsparungen von jährlich 450 Millionen Euro. Ursprünglich hatten beide Unternehmen Kostensynergien von 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Von der Fusion sind auch Arbeitsplätze betroffen, wieviele bleibt ungewiss. Der Großteil der anvisierten Synergien soll jedoch durch die Harmonisierung der IT, die Anpassung von Prozessen und das gemeinsame Stemmen von Investitionen erzielt werden.

"Mit dem Zusammenschluss schaffen wir einen weltweit wettbewerbsfähigen Anbieter", erklärte Kengeter. "Aktionäre werden durch beschleunigtes Unternehmenswachstum und die Realisierung von Kosten- und Umsatzsynergien von diesem wertschaffenden Zusammenschluss profitieren." Zu eventuellen Verkäufen wollte sich Kengeter zunächst nicht äußern. Die Clearinghäuser der beiden Börsenbetreiber stehen erwartungsgemäß nicht auf der Verkaufsliste. Sie sollen aber zusammengelegt werden. Die Aktienoptionsbörse ISE war bereits kürzlich für 1,1 Milliarden Dollar verkauft werden.

Wollen Mehrwert schaffen

Der seit sieben Jahren amtierende LSE-Chef Xavier Rolet, der im Falle eines erfolgreichen Deals ausscheiden wird, bekräftigte: "Wir erhöhen den Wert für unsere Aktionäre, die von erheblichen Kosten- und Umsatzsynergien profitieren." Die beiden Börsenbetreiber hatten nach Marktgerüchten vor drei Wochen ihre Pläne öffentlich gemacht. Für die Deutsche Börse ist es der dritte Anlauf in Sachen LSE nach 2000 und 2005. Zusammen würden Deutsche Börse und LSE nach Börsenwert zu den beiden US-Schwergewichten ICE und CME aufschließen.

Die Deutsche Börse

Die Deutsche Börse betreibt als eine der größten Börsenorganisationen der Welt in Frankfurt einen der wichtigsten Marktplätze Europas. Finanzakteure schätzen das umfassende Angebot vom Handel mit Aktien über den Terminmarkt Eurex bis zur Verwahrung von Wertpapieren. Seit dem 5. Februar 2001 ist die Deutsche Börse AG selbst an der Börse notiert. Aus steuerlichen Gründen verlagerte der Dax-Konzern 2010 seine Zentrale nach Eschborn vor die Tore Frankfurts. Der alte Börsensaal in der Frankfurter Innenstadt dient vor allem als Fernsehkulisse, gehandelt wird fast nur noch elektronisch.

Kartellbehörden müssen noch zustimmen

Kengeter äußerte sich zuversichtlich, dass die Kartellrechtsbehörden und anderen Aufsichtsgremien der Fusion zustimmen werden. Ernsthafte Bedenken gegen die Fusionspläne sind im Vorfeld keine aufgetaucht. Den Vorwurf einiger deutscher Politiker, die neue Börse werde nach London verlegt, haben die Gesellschaften mit der Zusage eines Doppelsitzes entkräftet. Die zentralen unternehmensleitenden Funktionen sollen auf beide Seiten verteilt werden. Eine Reaktion der Politik zu den Fusionsplänen gibt es bis zum Mittag nicht.

Auch von einem Brexit wollen sich die Börsenbetreiber nicht beirren lassen. Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU werde an den Bedingungen für die Fusion nicht gerüttelt, versicherte Kengeter. Allerdings hätten beide Seiten ein gemeinsames Beratungsgremium gebildet, dass die Auswirkungen eines Brexits beleuchten soll. Dies könnte zu einer Umverteilung der Geschäfte in der neuen Gruppe führen.

Die Titel der Deutschen Börse stiegen um 1,8 Prozent, die der LSE um 0,8 Prozent.

lg

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