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Deutsche Börse - Tschüss Frankfurt!

Stand: 26.02.2016, 13:14 Uhr

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern: Im Zuge der geplanten Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange stehen einige gravierende Änderungen bevor.

So wird das Unternehmen, das durch den Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber entsteht, seinen rechtlichen Sitz in der britischen Hauptstadt haben. Außerdem soll das noch zu bildende Unternehmen eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (plc) werden, wie die Deutsche Börse am Freitag mitteilte. Immerhin soll es zwei Hauptsitze haben - in London und in Frankfurt. Die Aktie soll auch an beiden Handelsplätzen gelistet sein.

Chef des noch namenlosen fusionierten Konzerns soll der bisherige Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter werden. Das Amt des Chairman, also eine Art Chef des Aufsichtstrats, soll Donald Brydon bekleiden, der diese Aufgabe derzeit auch bei der LSE innehat. Stellvertreter soll der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse, Joachim Faber, werden. Der seit sieben Jahren amtierende Chef der LSE Xavier Rolet will zurücktreten, sobald die Transaktion vollzogen wird. "Er hat sich entschieden, sein Amt aufzugeben, um die erfolgreiche Gründung der neuen Gruppe zu unterstützen", sagte Brydon.

Butter bei die Fische

Nun muss nach britischen Vorgaben bis spätestens 22. März entweder ein bindendes Angebot gemacht oder der Zusammenschluss vorerst abgeblasen werden. Von dem Zusammenschluss versprechen sich beide Seiten "substanzielle Kostensynergien" vor allem "durch den Wegfall von Dopplungen im Bereich von Technologien und Betriebsabläufen über alle Geschäftsbereiche, Unternehmensdienstleistungen und Support-Funktionen hinweg".

Auch die Kunden sollen profitieren: "Die Verbindung der Londoner und Frankfurter Börsen würde eine Liquiditätsbrücke schaffen, die das Angebot an Wertpapieren verbreitern und somit in dem sich abzeichnenden regulatorischen Umfeld Nutzen für alle Marktteilnehmer schaffen würde."

Nach den bisher veröffentlichten Plänen sollen die Aktionäre der Deutschen Börse an dem Gemeinschaftsunternehmen mit 54,4 Prozent eine knappe Mehrheit halten.

Große Hürde Wiesbaden

Allerdings müsste die hessische Landesregierung im Falle eines offiziellen Angebots den Plänen zustimmen. Die Frankfurter Wertpapierbörse wird von der Börsenaufsicht im hessischen Wirtschaftsministerium überwacht. Das Ministerium hat deshalb bei den Fusionsplänen ein Mitspracherecht.

Laut einem dpa-Bericht ist die Landesregierung in Wiesbaden aber skeptisch, ob der Sitz der fusionierten Börse in London genehmigungsfähig ist. Zweifel an den Plänen bestünden aber vor allem auch wegen des möglichen EU-Austritts Großbritanniens ("Brexit").

Auch die SPD sorgt sich um das deutsche Finanzzentrum. "Der Finanzplatz Frankfurt ist ein attraktiver Standort", sagte SPD-Vize-Fraktionschef Carsten Schneider: "Bei der Fusion muss sichergestellt werden, dass das auch künftig so bleibt." Es sei deshalb entscheidend, dass in der Mainmetropole auch dauerhaft wachstumsstarke Geschäftsfelder angesiedelt seien.

ME

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