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Börsenbetreiber

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse

Aktie zieht an

Deutsche Börse: Der Blick geht nach London

Stand: 16.02.2017, 14:19 Uhr

Mit guten Jahreszahlen im Rücken zeigt sich Börsenchef Carsten Kengeter zufrieden und selbstbewusst. Und das, obwohl er selbst unter Beschuss steht.

Denn aktuell ermittelt bekanntlich die Staatsanwaltschaft gegen den Chef des Dax-Unternehmes wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Kengeter hatte im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Deutsche-Börse-Aktien im Rahmen eines Vergütungsplans gekauft - gut zwei Monate, bevor die Fusionsverhandlungen mit der London Stock Exchange (LSE) bekannt wurden, worauf der Aktienkurs deutlich anzog.

Kengeter verwahrte sich auf der heutigen Bilanzpressekonferenz der Börse gegen Insider-Vorwürfe: "Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe. Ich bin sicher, dass sich die Vorwürfe nach eingehender Prüfung als unbegründet erweisen werden." Er verwies darauf, dass er die Aktien im Rahmen eines vom Aufsichtsrat autorisierten Vergütungsprogramms die Papiere erworben habe, die eine Haltefrist bis Ende 2019 haben. Fragen nach einem Rücktritt wich der Börsenchef aus.

Börsenfusion im Mittelpunkt

Weiter bleibt die angestrebte Fusion mit der LSE das Hauptthema für den Frankfurter Börsenbetreiber. Kengeter bestätigte, dass die Partner mittlerweile in der "entscheidenden Phase unseres geplanten Zusammenschlusses" angekommen seien. Es werde sichergestellt, "dass die kombinierte Gruppe sämtliche regulatorischen Anforderungen im Hinblick auf den Vollzug der Transaktion erfüllen wird", bekräftigte der Manager. "Damit könnte der Zusammenschluss im zweiten Quartal vollzogen werden."

Aber die Fusion ist wegen Bedenken der europäischen und hessischen Aufseher noch alles andere als in trockenen Tüchern. Bis zum 3. April will die EU-Kommission ihre Prüfung abschließen, danach ist die hessische Börsenaufsicht am Zuge. Vor allem der geplante Sitz der fusionierten Börse in London und damit außerhalb der EU, bereitet den Aufsehern des Bundeslandes Kopfzerbrechen.

Diese fürchten, den Einfluss auf das Management zu verlieren. Man habe genau zugehört, was die Verantwortlichen in Hessen wollten, betonte Kengeter und fuhr fort: "Die Befürchtungen, der Finanzplatz Frankfurt könne durch den Zusammenschluss an Bedeutung verlieren, verkennen eins: Das größte Risiko für Frankfurt ist (...) nichts zu tun." Die Transaktion müsse bis zum 30. Juni abgeschlossen sein, so der Firmenchef.

Das Geschäft läuft gut

Die Jahreszahlen des Unternehmens gerieten vor dem Hintergrund der Debatte um die Fusion und die Person des Firmenchefs fast schon in den Hintergrund. Die Daten warten bereist am Vorabend nach dem Ende des Späthandels in Frankfurt vorgelegt worden. Sie konnten sich sehen lassen.

Denn die Deutsche Börse hat dabei die Erwartungen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 erfüllt. Insgesamt wurden Erlöse und Erträge gegenüber dem Vorjahr klar gesteigert. Ausgwiesen wurden Nettoerlöse von 2,39 Milliarden Euro nach 2,22 Milliarden Euro im Vorjahr, ein Plus von acht Prozent. Damit wurden die Erwartungen der Analysten fast auf den Punkt genau getroffen. Gleiches gilt für das operative Ergebnis (Ebit) mit 1,1 Milliarden Euro. 2015 lag diese Erfolgsgröße noch bei 936 Millionen Euro.

Unter dem Strich blieb bereinigt ein Periodenüberschuss von 810,8 Millionen Euro, deutlich mehr als vor Jahresfrist, als 712,1 Millionen Euro verdient worden waren. Die Aktionäre sollen eine um zehn Cent auf 2,35 Euro erhöhte Dividende erhalten. Positiv ausgewirkt hätten sich besonders das Derivategeschäft sowie die Sparmaßnahmen, erklärte das Unternehmen.

Sehr zufrieden zeigte sich der Börsenbetreiber auch mit dem vierten Quartal. Die Nettoerlöse stiegen im Jahresvergleich deutlich um zwölf Prozent auf 619,0 Millionen Euro, das war der höchste Stand seit dem Jahr 2008.

Wachtsumprognosen bestätigt

"Neben dem Fortschritt bei dem geplanten Zusammenschluss mit der London Stock Exchange Group haben wir 2016 konsequent unsere Wachstumsstrategie ‚Accelerate‘ weiter umgesetzt", kommentierte Kengeter. Finanzvorstand Gregor Pottmeyer ergänzte: "Unsere fortlaufenden Maßnahmen zur Verbesserung der operativen Effizienz haben im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre volle Wirkung gezeigt." Am Wachstumsziel für das laufende Jahr von zehn bis 15 Prozent des Periodenüberschusses halten die Frankfurter fest und begründen dies unter anderem mit einer weiteren Verbesserung der operativen Effizienz.

Aktie im Höhenflug

Das zum Umtausch vorgesehene Papier der Deutschen Börse, das derzeit im Dax notiert ist (ISIN DE000A2AA253), befindet sich seit November in einem steilen Aufwärtstrend. Von Kursen um 67 Euro ist es in der Spitze am 1. Februar bis auf 86,52 Euro bergauf gegangen. Am Donnerstagnachmittag notiert die Aktie gegen den Markt knapp 0,5 Prozent besser und gehört damit zu den größten Gewinneren im Dax.

rm

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