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Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank

Aufsichtsrat unter Druck

Deutsche Bank: Wo war eigentlich Achleitner?

Stand: 01.02.2016, 11:29 Uhr

Die Deutsche Bank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. So desolat ist ihr Zustand, dass der Aktienkurs noch tiefer als nach dem Bankrott von Lehman 2008 gesunken ist. Nun stellt sich die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsrats.

Während der neue Vorstandschef John Cryan mit eisernem Besen kehrt und dabei einen historischen Verlust von fast sieben Milliarden Euro ausgewiesen hat, stellt sich zunehmend die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsrats unter Leitung von Paul Achleitner für dieses Desaster. Seit seiner Berufung an die Spitze des Kontrollgremiums am 31. Mai 2012 hat sich der Aktienkurs des einst so stolzen Branchenprimus nicht nachhaltig gebessert. Im Gegenteil.

Nach einer kurzen Erholung im April letzten Jahres ist der Kurs deutlich eingebrochen auf zuletzt 16,17 Euro - weniger noch als zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 als das gesamte Finanzsystem zusammenzubrechen drohte. Damit das Geldhaus nur noch 22,7 Milliarden Euro wert. Frankreichs führende Bank, BNP Paribas, bringt dagegen 55 Milliarden Euro auf die Waage.

Gesprächsbedarf angemeldet

Dieser Niedergang wird zunehmend dem Aufsichtsrat angelastet. Der habe mit der Berufung des Duos Jain und Fitschen an die Spitze der Bank einen schweren Fehler begangen. Achleitner selbst stand zu dieser Zeit zwar erst vor seiner Berufung zum Aufsichtsratschef, aber es ist kaum denkbar, dass er nicht in die Personalentscheidung eingebunden war. Tatsächlich wurde die Bank in dieser Zeit immer wieder von den Verfehlungen und Skandalen der Investmentbanker eingeholt - die just in der Zeit begangen wurden, als Anshu Jain die Abteilung leitete. Damit enstand der Eindruck, dass der Aufsichtsrat den Bock zum Gärtner gemacht habe.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,91
Differenz absolut
-0,54
Differenz relativ
-4,30%

Auch nach der Berufung von John Cryan ist die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsrats für die desaströse Lage der Deutschen Bank nicht verstummt. Nach Angaben des "Handelsblatts" haben mehrere Investoren Gesprächsbedarf angemeldet. Bis zur Hauptversammlung im Mai habe Achleitner mehrere Treffen mit Großaktionären.

Mangelte es den Kontrolleuren an Kontrolle?

Solche Treffen vor der HV gehören zwar zur Routine, doch wollen die Investoren diesmal von Achleitner und seinen Kollegen wissen, ob nicht auch eine mangelnde Kontrolle durch den Aufsichtsrat mitverantwortlich für die Krise der Bank ist.

Einer der nicht namentlich genannten Großaktionäre denke bereits über eine Ablösung Achleitners nach, so das "Handelsblatt". "Aus unserer Sicht ist es nicht die Frage, ob die Deutsche Bank einen neuen Aufsichtsratschef braucht, sondern wann", wird der Aktionär zitiert. Und weiter: Außerdem müsse man klären, ob das Aufsichtsgremium so besetzt sei, dass es die Bank effektiv kontrollieren könne, oder ob nicht die Zeit für eine breiter angelegte Umbildung gekommen sei.

Katar und Blackrock

Klarer kann man seinen Unmut nicht formulieren. Zu den größten Aktionären der Deutschen Bank gehören die Beteiligungsfirma Blackrock sowie das Emirat Katar. Beide besitzen jeweils gut sechs Prozent der Anteile und mussten wegen des dramatischen Kursverfalls erhebliche Verluste hinnehmen.

Achleitners Vertrag läuft noch bis 2017. Und bis dahin wolle der Chefaufseher auch noch bleiben, habe er intern immer wieder versichert. Ob es dabei bleibt, dürfte sich in den kommenden Wochen und Monaten entscheiden.

lg

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