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Abschreibungen und Kirch-Urteil
Deutsche Bank: Und jetzt ein Milliardenverlust
Irgendwie hatte man es geahnt. Statt wie die großen Wall-Street-Häuser Milliardengewinne zu schreiben, muss der deutsche Bankenprimus sich erst noch von den Lasten der Vergangenheit befreien. Dazu hat das neue Management so viele Bürden wie möglich ins Schlussquartal gepackt - und einen Milliardenverlust ausgewiesen.
Soll und Haben: die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt
Das führt allein im vierten Quartal zu einem Verlust vor Steuern von 2,6 Milliarden Euro, nach einem Verlust vor Steuern von 0,4 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den Zahlen enthalten sind Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten, allen voran mit dem früheren Medienmogul Kirch, in Höhe von einer Milliarde Euro. Hinzu kommen Abschreibungen auf Wertpapiere von insgesamt 1,9 Milliarden Euro.
Auf das Jahr gerechnet schafft es die Bank noch einen Gewinn vor Steuern von 1,4 Milliarden Euro auszuweisen, nach 5,4 Milliarden vor einem Jahr. Damit bricht die in der Branche einst als stolze Messlatte für den eigenen Erfolg ausgewiesene Eigenkapitalrendite auf bescheidene 2,4 Prozent ein, nach 10,3 Prozent im Vorjahr. Unter dem Strich bleiben dem deutschen Branchenprimus gerade einmal 700 Millionen Euro übrig, nach 4,3 Milliarden Euro 2011.
Wenig ruhmreiche Bilanz
Damit muss das neue Führungsduo eine wenig ruhmreiche Bilanz vorlegen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bank nur die Hälfte dessen erwirtschaftet was sich Ex-Vorstandschef Josef Ackermann einst erträumt hatte.
Vor allem die Investmentbank (CB&S), in guten Zeiten Gewinnbringer Nummer eins, lieferte nicht. Hier schlugen die Kosten für Rechtsstreitigkeiten, aber auch Abschreibungen auf Wertpapiere durch: Vor Steuern stand im vierten Quartal ein Verlust von 548 Millionen Euro. Auch in der Vermögensverwaltung (Asset and Wealth Management) führten die Abschreibungen zu eienm Quartalsverlust von 260 Millionen Euro.
Insgesamt hat sich das operative Geschäft der Deutschen Bank im vergangenen Jahr behauptet. Die Konzernerträge stiegen im Geschäftsjahr 2012 auf 33,7 Milliarden Euro, nach 33,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft ging auf 1,7 Milliarden, nach 1,8 Milliarden im Vorjahr zurück.
Schwaches Investmentbanking
Analysten hatten der Bank für das Gesamtjahr einen Vorsteuergewinn von 4,5 Milliarden Euro zugetraut. Für das vierte Quartal war ein Vorsteuergewinn von einer halben Milliarde erwartet worden. Einige Analysten wollten aber auch einen Verlust nicht ausschließen.
Die Deutsche Bank hatte bereits im Dezember gewarnt, die Umbauarbeiten hätten "signifikant negative" Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung zum Jahresende. Dennoch reagieren die Anleger am Morgen erleichtert auf die Zahlen.
Anleger reagieren erleichtert: Aktie steigt
Die Aktie legt im morgendlichen Handel um mehr als zwei Prozent zu und ist damit der stärkste Wert im Dax. Offenbar sind viele Anleger nun erleichtert, dass die neue Führungsspitze der Bank einen Großteil der Altlasten in das vierte Quartal gepackt hat und die Bank nun befreit in das neue Jahr starten kann. Und noch ein Trost bleibt den Anlegern: sie können auch in diesem Jahr mit einer Dividende von 75 Cent pro Aktie rechnen.
Wie bereits im September bei der Vorlage der neuen Strategie gibt sich das neue Führungsduo Jürgen Fitschen und Anshu Jain auch jetzt "fest entschlossen, einen tiefgehenden Kulturwandel bei der Deutschen Bank umzusetzen".
Weniger Boni
Kurzfristig will die Bank dazu ihre Vergütungspraxis überarbeiten und die Kontrollmechanismen weiter stärken. Dazu wurden bereits die Boni-Zahlungen deutlich eingedampft. Die variable Vergütung für das Gesamtjahr verringerte sich auf einen Anteil von neun Prozent der Gesamterträge. Das sei das niedrigste Niveau seit vielen Jahren.
Jain und Fitschen wollen bis 2015 jährliche Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro schaffen. Das bekräftigten sie nun noch einmal. Der Jobabbau ist in vollem Gange: Rund 1700 Leute sind bereits weg, die meisten davon im Investmentbanking und in der schwächelnden Vermögensverwaltung. Hunderte weitere dürften in diesem Jahr folgen.
Stand: 31.01.2013, 10:28 Uhr