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Banken

Deutsche Bank-Türme in Schieflage

Größter Verlust der Geschichte

Deutsche Bank: tief gesunken

Stand: 21.01.2016, 09:21 Uhr

Dass die Deutsche Bank für 2015 einen Milliardenverlust ausweisen würde, galt seit der verheerenden Neunmonatsbilanz als sicher. Doch mit 6,7 Milliarden hatte niemand gerechnet. Was ist da los?

Nach dem bereits ausgewiesenen Verlust von 4,6 Milliarden für die ersten neun Monate des Jahres 2015 sind im vierten Quartal noch einmal 2,1 Milliarden Euro nach Steuern hinzu gekommen. Dabei sind es erneut die Fehler der Vergangenheit, die zu weiteren Belastungen führen.

Für Rechtsstreitigkeiten müssen zusätzlich 1,2 Milliarden Euro zurückgestellt werden - vorläufig. Denn die Bank warnt in ihrer Mitteilung, dass sich diese Rückstellungen durch "Ereignisse" vor Veröffentlichung des Geschäftsberichts am 11. März noch ändern können.

Weitere Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten?

Tatsächlich ist ein Ende der Rechtsstreitigkeiten nicht abzusehen, so dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Belastungen in Form von Rückstellungen auf die Bank zukommen könnten. Derzeit belaufen sich die Rückstellungen für Rechtsrisiken im Gesamtjahr 2015 auf 5,2 Milliarden Euro.

Zu den noch nicht abgeschlossenen Auseinandersetzungen gehört der Vorwurf, die Bank habe die Sanktionen gegen Russland umgangen. Dabei drohen vor allem in den USA noch empfindliche Strafen. Zuletzt hatte auch ein Verfahren wegen der möglichen Benachteiligung von Kunden bei einem Handelssystem für Devisen für Aufsehen gesorgt.

Schleppendes Investmentbanking

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hinzu kommen Kosten für die Abfindungen an die Mitarbeiter von denen die Bank sich trennen will, in Höhe von 0,8 Milliarden Euro. Insgesamt soll der Abbau von rund 4.000 Jobs in Deutschland, der Großteil im Privatkundengeschäft, eine Milliarde Euro kosten. Zu schaffen macht der Bank auch das schleppende Investmentbanking, einst der ganze Stolz und die mit Abstand größte Gewinnmaschine des Konzerns. Die Bank spricht von "herausfordernden Marktbedingungen".

In dem Segment können die großen US-Banken ihre marktbeherrschende Stellung ausbauen und die europäischen Häuser, darunter die Deutsche Bank, zurückdrängen. So sind bei dem Frankfurter Geldhaus laut Daten von Thomson Reuters die Erträge im Geschäft mit Börsengängen und anderen Kapitalmarkttransaktionen im Gesamtjahr um 20 Prozent zurückgegangen – deutlich stärker als bei der Konkurrenz. Schlimmere Einbußen als die Deutsche Bank musste kein anderes Institut unter den globalen Top 15 hinnehmen. Das Gleiche gilt für den Marktanteil, der bei den Frankfurtern um 0,6 Prozentpunkte sank.

Sinkende Erträge

Entsprechend dürften die Erträge im vierten Quartal 2015 auf 6,6 Milliarden Euro gesunken sein, nach 7,8 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Analysten zweifeln, dass die Bank den Umbau ohne eine weitere Kapitalerhöhung stemmen kann. Diese Aussichten sowie die erwarteten Verluste haben die Aktie heftig belastet.

Deutsche Bank in den vergangenen zehn Jahren: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
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Nach einem Rückgang um gut 20 Prozent seit Jahresbeginn bricht das Papier am Morgen um weitere fünf Prozent ein auf weniger als 17 Euro. Damit ist die Aktie unter den Stand von Anfang 2009 gesunken, als sie wegen der drohenden Finanzkrise knapp unter 20 Euro gefallen war. Damit ist der Marktwert der Deutschen Bank auf 24 Milliarden Euro gesunken. Zum Vergleich: die größte Bank der USA, JPMorgan Chase, wird derzeit mit 186 Milliarden Euro bewertet.

John Cryan: Pläne sind alternativlos

Dass die Deutsche Bank so tief sinken würde, haben auch die meisten Analysten nicht gerechnet, hatten sie doch ursprünglich für 2015 einen Nettogewinn von 3,7 Milliarden Euro erwartet.

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Deutsche Bank mit Rekordverlust - Börsenreaktionen

In Anlehnung an eine Äußerung von Angela Merkel hält auch Bankchef John Cryan hält den Radikalumbau des Konzerns für "alternativlos". Dass die Bank für 2015 den ersten Jahresverlust seit der Finanzkrise 2008 ausweise, sei zwar "ernüchternd", räumte der Brite in einer Botschaft an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns ein. "Die genannten Belastungen sind jedoch die Konsequenz aus den notwendigen Entscheidungen, die wir im Rahmen der Strategie 2020 getroffen haben. Diese Entscheidungen werden die Bank einfacher und effizienter machen."

John Cryan will damit seine Entschlossenheit demonstrieren, mit den Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit endgültig aufzuräumen und die Bank schlanker, aber effizienter aufzustellen. Details zu den vorläufigen Ergebnissen des vierten Quartals und des Gesamtjahres werden am 28. Januar veröffentlicht.

lg

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Tausende Rechtsstreitigkeiten - und es kommt immer wieder Neues ans Licht

An eine saubere Weste ist da schwer zu glauben: Weltweit wurde in so vielen Bereichen und so vielen Ländern gegen die Deutsche Bank wegen mutmaßlicher Manipulationen ermittelt, ob bei Devisen, Anleihen Gold und Silber - da fällt der Glaube an die Unschuld des Branchenprimus schwer. Es ist auch finanziell ein Problem: Für mögliche Strafen und Vergleiche von juristischen Auseinandersetzungen legte die Bank 2015 gut fünf Milliarden Euro zur Seite. Das bescherte ihr einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro - den größten ihrer Geschichte. Und es kommen immer neue Verfehlungen ans Licht. Große Aktionäre zweifeln schon, ob die Rückstellungen reichen.

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