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Neue Strategie der Deutschen Bank
Reform statt Revolution
von Lothar Gries
100 Tage nach ihrer Amtseinführung hat die neue Führungsspitze von Deutschlands größtem Bankhaus ihre ehrgeizigen Strategiepläne verkündet. Wer dabei eine Revolution erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain
Vielmehr hat das neue Führungsduo der Deutschen Bank um den Deutschen Jürgen Fitschen und den britisch-indischen Manager Anshu Jain auf der Pressekonferenz am Dienstag ein klares Bekenntnis zur Universalbank abgelegt. Einer wie auch immer gearteten Abspaltung des Investmentbanking erteilten beide Manager eine Absage.
Eine wirkliche Überraschung ist das nicht, hat sich die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren doch verstärkt auf das Investmentbanking ausgerichtet, das zeitweise mehr als Dreiviertel des Gewinns der gesamten Bank generierte. Auch hat sich das Modell einer Universalbank bewährt und entspricht am besten den Bedürfnissen einer global ausgerichteten Wirtschaft.
Bisher unbekannte Töne
Bleibt beim heimischen Branchenprimus also alles beim Alten? Keineswegs. Auf der Pressekonferenz im ehrwürdigen Hermann-Josef-Abs-Saal in der Frankfurter Innenstadt schlugen Jain und Fitchen bisher unbekannte Töne an. Die Banken müssten wieder in der Mitte der Gesellschaft ankommen und nachhaltige Dienstleistungen anbieten, versicherten die Manager.
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Auch wollen sie die "Exzesse" der Vergangenheit ausmerzen, indem sie den verwöhnten Investmentbankern die Boni kürzen und bei Verstößen gegen die Vorschriften schärfer vorgehen als bisher. Auf die Frage eines Journalisten, warum ausgerechnet der frühere Investmentbanker Jain für diesen Wandel der Geeignetste sei, wollte der aber nicht antworten und verwies auf den Aufsichtsrat, der für die Berufung des Vorstands zuständig ist.
Schlankler und effizienter
Neben dem kuturellen Wandel will die neue Führung aber auch an entscheidenden Stellschrauben des Geldhauses drehen, um die Deutsche Bank bis zum Jahr 2015 zu einem insgesamt deutlich schlankeren und effizienteren Bankhaus umzubauen als heute.
Dazu gehört neben den bereits bekannten defensiven Schritten wie dem Abbau von jährlichen Kosten von 4,5 Milliarden Euro und dem schmerzlichen Abbau von mindestens 1.900 Stellen auch eine äußert ambitionierte Wachstumsstrategie.
So will die Deutsche Bank ihre weltweite Präsenz deutlich ausbauen. Priorität genießt dabei der asiatisch-pazifische Raum, der das größte Wachstumspotenzial verspricht. Aber auch auf dem amerikanischen Markt will sie mehr investieren, um von der erwarteten Erholung der US-Wirtschaft zu profitieren.
Top 3 der Investmentbanken
Zweifellos wird davon vor allem das Investmentbanking profitieren, das Jain und Fitschen bis 2015 zu den Top 3 der Branche weltweit ausbauen wollen. Ebenso ehrgeizige Pläne hat das Führungsduo für die Vermögensverwaltung, die derzeit größte Baustelle des Konzerns. Die von Ackermann geplanten Verkäufe sind vom Tisch. Bis 2015 soll sich das Vorsteuerergebnis der Sparte Asset & Wealth Management auf 1,7 Milliarden Euro verdoppeln und das verwaltete Vermögen auf eine Billion Euro steigen.
Dabei geht die Eigenkapitalquote der Bank allerdings gefährlich zurück, auf 7,2 Prozent Anfang Januar nächsten Jahres. Zu wenig, geben die Bank-Vorstände offen zu. Dennoch wollen sie von einer Kapitalerhöhung nichts wissen. Sie setzen vielmehr auf organisches Wachstum durch Immobilien- und Beteiligungsverkäufe sowie dem Abbau von Risiken.
Stand: 11.09.2012, 14:48 Uhr
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