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Banken

Deutsche Bank-Chef John Cryan auf der Pressekonferenz im Oktober 2015

Mehr als 20.000 Stellen weg

Deutsche Bank: Schrumpfkur statt Strategie

Stand: 29.10.2015, 10:47 Uhr

Schlanker, effizienter, moderner: Binnen drei Jahren will John Cryan die Deutsche Bank gesundschrumpfen, damit sie profitabler wird. Für die Beschäftigten und die Aktionäre fällt die Rechnung gesalzen aus. Sieht so eine neue Strategie aus?

Bis Ende 2018 sollen bei Deutschlands größtem Geldhaus 9.000 Vollzeitstellen wegfallen, davon 4.000 in Deutschland. Hinzu kommen 6.000 Stellen bei externen Dienstleistern. Auch durch den Verlauf der Postbank wird sich die Zahl der Beschäftigten verringern. Insgesamt soll die Zahl der Stellen von derzeit 103.000 auf 77.000 in drei Jahren sinken. Der Stellenabbau solle "auf faire Art und Weise" vonstatten gehen, sagte Vorstandschef John Cryan. "Wir gehen diesen Schritt nicht leichten Herzens."

Dadurch will die Bank jährlich 3,8 Milliarden Euro an Kosten sparen. Auch die ohnehin schon vernachlässigten Aktionäre müssen weiter bluten: Zwei Jahre lang sollen sie keine Dividende erhalten - zum ersten Mal seit den 1950er Jahren. Gleichzeitig will sich der Konzern aus mindestens zehn Ländern vollständig zurückziehen.

Rendite von über zehn Prozent angepeilt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ziel der Schrumpfkur ist es, bis 2018 eine Rendite nach Steuern auf das Eigenkapital von mehr als zehn Prozent zu erzielen und die Aufwand-Ertrag-Relation von derzeit weit über 90 Prozent auf rund 70 Prozent im Jahr 2018 zu verbessern.

Um die Deutsche Bank wieder auf Fahrt zu bringen, hat sich John Cryan vier strategische Ziele gesetzt:

»Erstens wollen wir einfacher und effizienter werden, indem wir uns auf die Märkte, Produkte und Kunden fokussieren, bei denen wir unsere Stärken erfolgreich ausspielen können. Zweitens wollen wir Risiken verringern – das bedeutet: Modernisierung unserer veralteten und fragmentierten IT, Einstellung der Geschäftstätigkeiten mit Kunden oder an Standorten mit höheren Risiken. Drittens streben wir eine bessere Kapitalausstattung an, damit wir nicht mehr den Erwartungen von Regulatoren und den Märkten hinterherlaufen. Viertens wollen wir die Deutsche Bank disziplinierter und zielgerichteter führen, auf der Grundlage von Delegation von Zuständigkeiten, persönlicher Verantwortung und einem mit guter Leistung und angemessenem Verhalten in Einklang stehenden Vergütungssystem.«

Börse: Nichts zu feiern

Das neue Management hat bereits in der Bilanz kräftig aufgeräumt. Das führte zu einem Rekordverlust von sechs Milliarden Euro im dritten Quartal. Zudem mussten etliche langjährige Manager gehen. An der Börse kommt die Verkündung der Schrumpfkur zunächst gar nicht gut an. In der Spitze fällt die Aktie der Deutschen Bank um über sechs Prozent auf weniger als 26 Euro.

Marktexperten erklärten die Enttäuschung mit der Streichung der Dividende sowie der allgemeinen Skepsis gegenüber der mit großen Erwartungen verbundenen neuen Strategie. Stattdessen habe John Cryan vor allem eine Schrumpfkur verkündet. Was für eine Bank die Deutsche Bank am Ende sein werde, bleibe aber erst einmal unklar. Zu feiern gebe es deshalb an der Börse erst einmal nichts.

John Cryan selbst ist der Meinung, die Deusche Bank habe kein Strategieproblem. "Wir wissen sehr genau, wohin wir wollen", sagte er. Jedoch habe die Deutsche Bank seit vielen Jahren ein gravierendes Problem, diese Strategie auch umzusetzen.

lg

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