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Banken

Deutsche Bank-Türme aus der Vogelperspektive

Gewinn dank lukrativem Investmentbanking

Deutsche Bank rettet sich ins Plus

Stand: 29.01.2015, 12:52 Uhr

Das ist eine Überraschung: Die Deutsche Bank hat 2014 doch keine roten Zahlen geschrieben und stattdessen einen fetten Milliardengewinn eingestrichen. Das lockt Anleger. Doch Experten warnen: Für Optimismus ist es zu früh. Die Altlasten sind unkalkulierbar.

Nach außen glänzt Deutschlands Bankenprimus. Die Deutsche Bank strich 2014 fast 1,7 Milliarden Euro an Gewinn ein, mehr als Doppelte als im Jahr zuvor, als sie nur 0,7 Milliarden Überschuss verbuchte. Das verdankt sie dem lukrativen Investmentbanking. Das ist genau das Geschäft, das in der Finanzkrise in Verruf geraten ist, das viele andere Banken deutlich zurückfahren, zu dem sich die Deutsche Bank aber bekannt hat.

Gutes Augenmaß

Was den Gewinn auch aufhübschte: Das Geldhaus legte weniger Geld für seine Rechtsrisiken zurück, im vierten Quartal waren nur 200 Millionen Euro. Das schob die Bilanz im Schlussquartal ins Plus. Nun stand unter dem Strich ein Nettogewinn von 441 Millionen Euro nach einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

Analysten hatten erneut mit einem Fehlbetrag gerechnet. Denn viele andere Banken hatten Gewinnrückgänge verbucht und ihre Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ausgebaut. Doch es wäre der vierte Quartalsverlust in der Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain gewesen, die im Juni 2012 angetreten war. Wie gut, dass die Bank einen gewissen Spielraum hat, die Höhe ihrer Rückstellungen zu bemessen.

Das glanzlose Kapitel

Bei den vielen Rechtsstreitigkeiten zeigt sich die ganz und gar glanzlose Seite der Bank. Die Altlasten der Frankfurter reichen von den Skandalen rund um manipulierte Zinsen (Libor) und Devisen über den Vorwurf des Steuerbetrugs bis hin zu diversen US-Hypothekenklagen. Wie eine dunkle Wolke hängt etwa noch immer der Libor-Skandal über der Bank. Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen feilen emsig an einem Vergleich mit britischen und amerikanischen Behörden.

Eigentlich wollten Jain und Fitschen diese Altlasten schon längst abgehakt wissen. Doch sie bekennen, dass dieses Kapitel noch länger geöffnet bleibt und ein Risiko darstellt. Es sei nicht absehbar, wann die einzelnen Fälle zu den Akten gelegt werden könnten, sagte Jain.

»Die Belastung durch Rechtsstreitigkeiten bleibt hoch. Das wird auch 2015 eine Herausforderung sein.«

Anshu Jain

Deutsche-Bank-Aktie steigt

An der Börse kam das Zahlenwerk aber gut an. Der Dax-Titel legt heute rund vier Prozent zu. Die Zahlen seien auf den ersten Blick gut. Es spielten aber auch viele Sondereffekte eine Rolle, sagte ein Börsianer und verwies auf die viel geringer ausgefallenen Rechtskosten. Positiv sei andererseits der gestiegene Buchwert und auch operativ sei der erste Eindruck gut.

Nomura-Analyst Jon Peace verwies zum Beispiel auf das gute Geschäft im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen. Zudem habe sich die Lage beim Kapital verbessert. In die gleiche Kerbe schlug Carla Antunes da Silva von der Credit Suisse in einer ersten Einschätzung: Das größte deutsche Kreditinstitut habe gute Fortschritte beim Verschuldungsgrad und Kapitalaufbau gemacht. Der bereinigte Vorsteuergewinn im vierten Quartal habe über ihren Schätzungen und den Markterwartungen gelegen.

Die Probleme bleiben

Doch warnen einige Analysten auch vor verfrühtem Optimismus. Alevizos Alevizakos von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) etwa verwies darauf, dass die Probleme der Bank noch länger bestehen blieben.

Dazu zählte er steigende regulatorische Anforderungen sowie die juristischen Baustellen wie den Libor-Skandal. All das könne das Kapitalpolster angreifen, weshalb er die Aktie negativ bewertet mit "Underperform" bei einem Ziel von 27 Euro.

Postbank schreibt rot

Schlecht lief es für die Bank auch im Privatkundengeschäft rund um die Postbank. Die Tochter rutschte im vierten Quartal in die roten Zahlen. Grund waren Belastungen wegen der gerichtlich erzwungenen Erstattung von Bearbeitungsgebühren für Kredite. Laut Fitschen läuft die Integration der Postbank in den Konzern zunächst weiter, auch wenn es Insidern zufolge Gedankenspiele über eine Abspaltung gibt.

»Was die Integration der Postbank angeht, gibt es keinen Grund von den Initiativen abzuweichen, die wir eingeschlagen haben. Es gibt keine Entscheidung in unserem Strategieprozess.«

Jürgen Fitschen

Seit Wochen halten sich Spekulationen über die Zukunft der erst vor wenigen Jahren übernommenen Postbank - von einem Verkauf bis zur Möglichkeit, dass die Deutsche Bank ein größeres Aktienpaket des Bonner Instituts an die Börse bringt.

Die neue Strategie: Sparen

Das Führungs-Duo muss nicht nur die schwer kalkulierbaren Altlasten schultern. Das Institut steht auch unter Druck, da Finanzaufseher immer strengere Kapitalauflagen für das Investmentbanking einführen. Das drückt auf die Renditen. Investoren machen daher Druck, sie wollen wissen, wie die Bank ihre chronische Renditeschwäche überwinden will - und das in Zeiten, in denen von der Konjunktur in Europa kein Rückenwind zu erwarten ist und die Niedrigzinsen bremsen.

Derzeit feilt der Vorstand an einer neuen Strategie, die im zweiten Quartal stehen soll. Einen ersten Hinweis, wo die Reise hingehen dürfte, gab die Bank aber heute bereits: Sparen heißt die Devise, eventuell verbunden mit einem Stellenabbau. "In diesem schwierigen Umfeld ist Kostendisziplin zwingend", betonte Fitschen. Die Kosten im Konzern seien noch immer zu hoch.

»Viele Ergebnisse des vergangenen Jahres und des vierten Quartals sind ermutigend. Dennoch arbeiten wir hart an unserer Kostenbasis, und daran, unsere Kapitalstärke aufrecht zu erhalten und die Rendite für unsere Aktionäre zu steigern.«

Anshu Jain und Jürgen Fitschen

bs

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