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Deutsche Bank-Türme in Frankfurt

Kapitalerhöhung beginnt

Deutsche Bank: Neue Aktien im Angebot

Stand: 20.03.2017, 15:53 Uhr

Deutschlands größte deutsche Geschäftsbank startet ihre 'Mission Verwässerung'. Im Verhältnis 2:1 kommen neue Deutsche-Bank-Aktien ab morgen auf den Markt. Trotzdem, der Erfolg der Kapitalerhöhung ist jetzt schon garantiert.

Denn die Anzahl der Banken, die die Emission begleiten, ist seit der Bekanntgabe der Kapitalmaßnahme am 5. März von ursprünglich acht auf 30 Banken gewachsen. Dies teilte die Bank am Morgen zusammen mit den anderen Konditionen der Transaktion in einer Erklärung mit.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,96
Differenz relativ
+2,90%

Ausgegeben werden danach 687,5 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 11,65 Euro. Damit fließen dem Institut gut acht Milliarden Euro zu. Die Anleger können die neuen Papiere zwischen dem 21. März und dem 6. April erwerben. Dabei können sie für zwei vorhandene Aktien eine neue erwerben. Der Handel der Bezugsrechte ist an den deutschen Wertpapierbörsen voraussichtlich vom 21. März bis 4. April, an der New Yorker Börse vom 21. März bis 31. März möglich. Die Einbuchung der neuen Aktien erfolgt ab dem 7. April.

Ein kräftiger Schluck aus der Pulle

Rein rechnerisch stellt die Kapitalmaßnahme eine heftige Verwässerung für die Altaktionäre dar. Dies, obwohl das Management stets die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme bestritten hatte. Aber die hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten haben am Kapital der Bank gezehrt und für Milliardenverluste gesorgt. Am Markt wurde daher immer wieder über eine Kapitalmaßnahme spekuliert.

Mit dem Geld soll die Bank umgebaut und die Kapitalratios gestärkt werden. Die Tochter Postbank, da derzeit unverkäuflich, soll in das Firmenkunden- und Privatkundengeschäft integriert werden. Das Investment- und Kapitalmarktgeschäft wird zusammengefasst und Teile der Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management werden an die Börse gebracht.

Auch die für Banken wichtige Kernkapitalquote soll gestärkt werden. Sie signalisiert, wie wetterfest ein Institut dasteht. Zuletzt stand die Ratio bei 11,9 Prozent, etwas höher als zuvor. Angestrebt wird nun eine Quote von 13,0 Prozent.

2017: Trendwende erwartet

Gleichzeitig hat die Bank am Morgen ihren Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr veröffentlicht und sich dabei auch im Ausblick auf das laufende Jahr geäußert. Dabei wird von einer Aufhellung des Marktumfeldes gesprochen, ausgehend von einer besseren konjunkturellen Entwicklung in Europa.

John Cryan

John Cryan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Wir erwarten eine bedeutende Zunahme der Kundenaktivitäten im Jahr 2017", erklärte die Bank. Dies sei bereits zu Jahresbeginn spürbar gewesen. Trotzdem sollen die Erträge 2017 etwa gleichbleibend bleiben. Angestrebt wird eine Rendite auf das Eigenkapital von zehn Prozent nach minus 2,7 Prozent im Jahr 2016. Da noch nicht alle Rechtsstreitigkeiten abgearbeitet sind, bleibt die Bank hier tendenziell vorsichtig. Die zinsunabhängigen Kosten sollen weiter sinken. Von 24,7 Milliarden Euro (minus sechs Prozent gegenüber 2015) auf 22,0 Milliarden Euro.

Apropos Kosten: Die Personalkosten sanken insgesamt von 10,5 auf 8,9 Milliarden Euro. Im Wesentlichen geht dies darauf zurück, dass die variablen Vergütungen deutlich um 77 Prozent zurückgeführt wurden. Jedes Vorstandsmitglied erhielt ohne Nebenleistungen unverändert 2,4 Millionen Euro, Vorstandschef John Cryan verdiente 3,8 Millionen Euro. Dabei hat der Vorstand das zweite Jahr in Folge keine Bonuszahlungen erhalten.

Aktie auf niedrigem Niveau behauptet

ARD-Börsenstudio Radio Hörfunk Frankfurter Börse Dorothee Holz

Börse 07.00 Uhr: Deutsche Bank bringt Kapitalerhöhung auf den Weg

Für die Altaktionäre endet mit der Kapitalerhöhung zumindest vorläufig ein langer Leidensweg, der den Kurs der Aktie Ende September im Tief bis auf unter zehn Euro gedrückt hat. Aktuell hat sich das Papier zwar im Gefolge von diesem Horrorniveau erholt, bleibt aber weiter weit von den Niveaus der Vorjahre entfernt. Das Fünf-Jahres-Hoch lag Anfang 2014 immerhin bei über 38 Euro - vor der Verwässerung, versteht sich.

Am Freitag schloss das Papier im Xetra-Schluss bei 17,86 Euro, das Zwölf-Monats-Hoch lag auf Schlusskursbasis Anfang März bei 19,55 Euro. Am nachmittag baut die Aktie ihre Verluste aus und liegt mit einem Minus von rund 2,3 Prozent am Dax-Ende.

Händler Andreas Lipkow verweis auf Arbitrage-Aktivitäten, die bei Kapitalmaßnahmen dieser Größenordnung ganz normal seien. Dabei versuchen Anleger, Kursdifferenzen auszunutzen. "Die alten Aktien der Deutschen Bank werden verkauft und die jungen über die Bezugsrechte bezogen. Da die alten Papiere bisher eher nicht zu den Börsenstars gehört hatten, setzt dieser Kaufdruck den Notierungen der alten Aktien nachhaltiger zu."

Analystenstimmen

Aber ist der Schlussstrich unter die Dramen der Vergangenheit nun auch fundamental wirklich ein Aufbruch zu neuen Kurs-Ufern? Die Experten der DZ Bank bleiben da skeptisch und empfehlen das Papier bei einem fairen Wert von 16 Euro zum Verkauf. Zwar bescheinigen sie der Bank, dass die Kapitalausstattung mit einer zu erwartenden harten Kernkapitalquote von gut 14 Prozent auskömmlich sei. Zudem sänken die Belastungen aus Rechtsrisken ebenso wie die Kosten.

Allerdings könne auch der darüber hinaus geplante Abbau der Bilanzaktiva und der Teil-Börsengang der Vermögensverwaltung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aktie bei einem zu erwartenden Gewinn für 2017 von rund 3,2 Milliarden Euro überbewertet sei. Dabei legt die DZ Bank ein KGV von 9,5 als angemessen für ihre Berechnungen zugrunde.

Auch die NordLB hat das Kursziel für den Finanztitel von 16,00 auf 15,50 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Verkaufen" belassen. Die Details zur anstehenden Kapitalerhöhung deckten sich mit den vorherigen Ankündigungen des Instituts, schrieb Analyst Michael Seufert in einer Studie vom Montag. Die damit verbundene, erhebliche Gewinnverwässerung wäre deutlich geringer ausgefallen, wenn sich das Management schon früher zu dem Schritt durchgerungen hätte. Entsprechend erachtet Seufert eine Teilnahme an der Kapitamaßnahme als nicht attraktiv.

rm

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