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Deutsche Bank-Schriftzug von den Doppeltürmen

Aktie steigt 17 Prozent

Deutsche Bank macht gut Wetter

Stand: 10.02.2016, 11:49 Uhr

Deutschlands führendes Geldhaus sendet nach Pressemeldungen ein wichtiges Signal aus. Mit dem geplanten milliardenschweren Rückkauf eigener Anleihen will die Bank bei den Investoren um Vertrauen werben.

Bankgeschäft beruht bekanntlich auf Treu und Glauben. Deshalb hatte die jüngste Erklärung von Bankchef John Cryan an die Mitarbeiter für erhebliche Sorgenfalten an den Märkten gesorgt. Die Tatsache, dass Cryan in seinem Schreiben überhaupt klarstellen musste, dass die Bank jederzeit solvent sei, zeigt, wie stark man mittlerweile in der Frankfurter Konzernzentrale in der Defensive steckt. Der dramatische Kursverfall der Aktie hatte zuvor Ängste geschürt, die Bank könnte womöglich in Schwierigkeiten stecken.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,36
Differenz absolut
-2,20
Differenz relativ
-14,13%

Aber nun scheint das Management das Gesetz des Handelns wieder in die Hand zu nehmen, um damit Vertrauen zurück zu gewinnen. Denn wie die "Financial Times" am Abend berichtete, erwägt das Institut den Rückkauf eigener Anleihen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Dabei dürfte sich das Geldhaus auf erstrangige Titel, sogenannte "Senior Bonds", konzentrieren, berichtet das Blatt.

Diese hätten ein Volumen von rund 50 Milliarden Euro. Nachrangige Schuldverschreibungen wie die jüngst im Blick gestandenen Zwangswandelanleihen seien aber nicht im Blick. Ein Sprecher des Instituts wollte auf Anfrage die Pressemeldung nicht kommentieren.

Aktienkurs legt zu

Die Meldung hat dem am Abend dem Aktienkurs geholfen. Im Späthandel in Frankfurt grenzte das Deutsche-Bank-Papier seine Verluste ein. Während des Xetra-Handels hatte die Aktie am Dienstag weitere 4,3 Prozent auf nur noch 13,23 Euro verloren. Die in New York gehandelten Anteile lagen zum Handelsschluss ebenfalls nur noch ein Prozent im Minus bei 15,38 Dollar, zuvor hatten die Verluste deutlich höher gelegen.

Ein Kauf eigener Anleihen unter Nennwert hätte für die Bank neben dem Vertrauensgewinn auch einen weiteren handfesten Vorteil. Da nämlich nicht nur die Aktien, sondern auch die Anleihekurse gefallen waren, entsteht bei einem Rückkauf auf niedrigerem Niveau unter Nennwert ein Kapitalgewinn. Zudem könnte die Kapitaldecke der Bank günstig erhöht werden.

Die Erleichterung der Anleger ist riesengroß. Die Deutsche-Bank-Aktie weitet am Mittag ihre Gewinne kräftig aus und springt in der Spitze knapp 17 Prozent. Im Tageshoch lag sie bisher bei 15,43 Euro nach einem Schlussstand bei 13,23 Euro. Im Gefolge steigen auch die zuletzt nicht minder gebeutelten Anteilsscheine der Commerzbank kräftig um über acht Prozent.

rm

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Die juristischen Baustellen der Deutschen Bank

Mit wem das Geldhaus im Clinch liegt

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Tausende Rechtsstreitigkeiten - und es kommt immer wieder Neues ans Licht

An eine saubere Weste ist da schwer zu glauben: Weltweit wurde in so vielen Bereichen und so vielen Ländern gegen die Deutsche Bank wegen mutmaßlicher Manipulationen ermittelt, ob bei Devisen, Anleihen Gold und Silber - da fällt der Glaube an die Unschuld des Branchenprimus schwer. Es ist auch finanziell ein Problem: Für mögliche Strafen und Vergleiche von juristischen Auseinandersetzungen legte die Bank 2015 gut fünf Milliarden Euro zur Seite. Das bescherte ihr einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro - den größten ihrer Geschichte. Und es kommen immer neue Verfehlungen ans Licht. Große Aktionäre zweifeln schon, ob die Rückstellungen reichen.

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