Seitenueberschrift

Banken

Weitere Millionen zurückgestellt

Deutsche Bank halbiert Gewinne

Amerikanische Banken wissen im lukrativen Investmentbanking dicke Gewinne einzufahren. Die Deutsche Bank auch, und doch war es ein schlechtes Quartal für sie. Der Gewinn halbierte sich, weil der Branchenprimus noch ein paar Millionen mehr zur Seite legen muss für seine Rechtsstreitigkeiten. An der Börse sorgt das für Entsetzen.

Deutsche Bank Vorstand Anshu Jain

Deutsche Bank Vorstand Anshu Jain 1408 . | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Aktien der Deutschen Bank gaben am Dienstag zeitweise fünf Prozent nach. Investoren hatten schließlich auf einen Gewinnsprung gehofft. Doch der blieb aus. Noch dazu können die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen das Kapitalthema noch nicht abhaken. Sie müssen auf Druck der Regulierungsbehörden die Bilanzsumme weiter reduzieren - das schmälert künftige Gewinne.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.48
Differenz absolut
-0.18
Differenz relativ
-0.66%

Der Blick zurück zeigt das gleiche Bild. Der Deutschen Bank ist zwar die gute Stimmung an den Finanzmärkten in den Monaten April bis Juni gut bekommen. Dadurch lief das Investmentbanking wie schon bei den US-Rivalen rund, zumindest im Aktienhandel und im Beratungsgeschäft. Doch nicht das ganze Investmenbanking: Der Anleihehandel, eigentlich die Ertragsperle der Deutschen Bank, schwächelte. Die Bank erklärt das mit US-Notenbankchef Ben Bernanke, der ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik signalisiert hatte und damit viele Kunden im Juni verunsichert habe.

Abfindungen und Rückstellungen belasten

Was den Gewinn zusätzlich schmälerte: Das Führungsduo Jain/Fitschen baut die Bank um, sie wollen ertragsschwache Bereiche wie die Vermögensverwaltung auf Rendite trimmen und Marktanteile im Investmentbanking gewinnen, um in der Weltspitze mitzuspielen. Doch dazu müssen sie erst einmal viel Geld in die Hand nehmen, etwa für Abfindungen - insgesamt sollen mehr als 2.000 Stellen abgebaut werden.

Die größte Unwägbarkeit ist aber: Es ist nicht sicher, wie die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, vom Kirch-Prozess bis zum Libor-Skandal, ausgehen. Daher hat die Bank erneut Rückstellungen gebildet, weitere 630 Millionen Euro. Damit belaufen sich die Rückstellungen nun auf drei Milliarden Euro. 70 Prozent der Kosten entfielen auf das Kerngeschäft, der Großteil davon auf die Investmentbank.

Das drückt auf den Gewinn, er halbierte sich im zweiten Quartal auf 335 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis sank um 18 Prozent auf 792 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem kräftigen Ergebnissprung gerechnet, im Schnitt lagen ihre Schätzungen vor Steuern bei knapp 1,3 Milliarden Euro.

"Wir sind weiter als gedacht"

Jain übte sich dennoch in Optimismus: "Trotz Gegenwinds bleibt die Deutsche Bank auf Kurs." Im Tagesgeschäft läuft es für die Deutsche Bank auch vergleichsweise solide. Das Rendite-Ziel von zwölf Prozent nach Steuern bis 2015 sei nicht in Gefahr, betonte Finanzchef Krause. "Wir sind sogar weiter als gedacht."

Fondsmanager Helmut Hipper von Union Investment zeigte sich mit den Zahlen insgesamt zufrieden: "Unter dem Strich halte ich die von Analysten für 2013 erwarteten 3,5 Milliarden an Nettogewinn noch für erreichbar."

Wie hoch ist die Verschuldung?

Experten gaben der Deutschen Bank bislang schlechte Noten für ihre Kapitalausstattung, insbesondere für die Verschuldung. Denen rechnet die Bank nun vor, sie habe bis zu 250 Milliarden Euro Spielraum für den beabsichtigten Bilanzabbau. Das sind 16 Prozent der Bilanzsumme von 1,6 Billionen Euro. Finanzchef Krause rechnet damit, dass der Bank dadurch 300 Millionen Euro Gewinne entgehen. Zudem werde dies einmalig 600 Millionen Euro kosten.

»Wir werden unsere Bilanzsumme weiter verringern. Dies wollen wir auf eine Weise tun, die es uns ermöglicht, die Anforderungen in Hinblick auf das Verhältnis von Bilanzsumme zu Kapital zu erfüllen, unser Angebot für Kunden beizubehalten und unser Geschäftsmodell zu stärken, ohne dass dies materielle Auswirkungen auf unser Ergebnis hätte.«

Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

Zwar ist die Bank nach der milliardenschweren Kapitalerhöhung im Frühjahr nun auf der sicheren Seite. Sie kommt nach den Vorschriften von Basel III auf eine Kernkapitalquote von zehn Prozent. Doch Schwachpunkt bleibt die absolute Verschuldungsquote. Wegen ihr hatte der Vize-Chef der US-Einlagensicherung, Thomas Hoenig, das Institut jüngst als "schrecklich unterkapitalisiert" bezeichnet. Ende Juni nun kommt die Bank hier auf eine Quote von drei Prozent und erfüllt damit die von 2018 an geltenden Vorgaben knapp. Diese so genannte Leverage Ratio von drei Prozent bedeutet, dass die Bilanzsumme der Bank 33-mal höher ist als ihre Eigenkapitaldecke.

"Der Werkzeugkasten ist voll"

"Der Werkzeugkasten bei der Verschuldung gibt uns genügend Spielraum, um mit beschleunigten oder strengeren regulatorischen Anforderungen fertig zu werden", hieß es in einer Präsentation. Dazu gehörten unter anderem die Überprüfung von Kreditlinien, der fortgesetzte Risikoabbau in der internen "Bad Bank" oder die Verbesserung des Managements von Sicherheiten, aber auch ein möglicher Abbau der Liquiditätsreserven, die Ende Juni allein 213 Milliarden Euro betrugen.

bs

Darstellung: