Seitenueberschrift

Banken

Dunkle über den Türmen der Deutschen Bank

Neue Furcht vor Zahlungsausfällen

Deutsche Bank: Erneut massives Misstrauen

Stand: 11.02.2016, 14:45 Uhr

Der Vertrauensbeweis dauerte nur einen Tag. Am heutigen Donnerstag stehen die Aktien der Deutschen Bank und anderer Geldhäuser erneut unter massivem Druck. Vom Misstrauen zeugt auch der Anstieg der CDS.

Während die Aktie des deutschen Branchenprimus ihre gestrigen Kursgewinne fast vollständig wieder abgeben muss und in der Spitze bis auf 13,13 Euro abgestürzt ist, sind die Kosten für die Absicherung von Kreditrisiken, sogenannter Credit Default Swaps (CDS), auf den höchsten Stand seit etwa dreieinhalb Jahren geklettert.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,08
Differenz absolut
-0,10
Differenz relativ
-0,72%

Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets von Verbindlichkeiten der Deutschen Bank verteuerte sich auf 270.714 Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie zu Monatsbeginn. Experten sprechen von einem erneuten Misstrauensvotum, nachdem die Bank sich erst vor zwei Tagen zu einem öffentlichen Bekenntnis zur Zahlungsfähigkeit genötigt sah, weil die Aktie auf den tiefsten Stand seit über 25 Jahren gefallen war. Die Deutsche Bank versicherte, in diesem und im kommenden Jahr voraussichtlich genügend Geld zu haben, um die Zinsen auch auf neue, besonders riskante Schuldscheine leisten zu können.

Auch SocGen und Credit Suisse leiden

Allerdings steht die Deutsche Bank nicht als Einzige im Kreuzfeuer der Investoren. Mit Enttäuschung reagierten Investoren auch auf die am Vormittag vorgelegten Quartalsergebnisse der französischen Société Générale (SocGen). Die Vorsorge für mögliche Kreditausfälle im Öl- und Gassektor sowie höhere Kosten haben das Jahresergebnis nach Ansicht von Sarasin-Analyst Javier Lodeiro belastet. Daraufhin stiegen die CDS von Frankreichs drittgrößter Bank auf 131.200 Euro. Ende Januar hatten CDS-Verkäufer nur rund 77.000 Euro verlangt.

Die Aktien der Credit Suisse, die Anleger Anfang Februar mit einem Milliardenverlust vergrätzt hatte, fielen auf ein 25-Jahres-Tief von 12,23 Franken. Gleichzeitig waren die CDS mit umgerechnet 170.700 Euro so teuer wie zuletzt im Juli 2012.

Mehrere Probleme kommen zusammen

"Die Banken in Europa haben schon seit längerer Zeit heftige Probleme: Das Niedrigzins-Umfeld und die zunehmende Regulierung des Finanzsektors schnüren die Geschäftsfelder der Institute stark zusammen", fasste Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner das Dilemma zusammen. Zusätzlich machten die Geister der Vergangenheit Probleme in Form von Rechtsstreitigkeiten und Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Eine brisante Mischung für die Branche, urteilte Lipkow.

Aus Sicht der Experten von Goldman Sachs ist die operative Ertragslage der Institute nicht mehr ausreichend, um die negative Stimmung für die Branche auszugleichen. Viele Häuser, allen voran die Deutsche Bank, leiden angesichts fallender Erträge und milliardenschwerer Strafzahlungen unter einer zu dünnen Eigenkapitaldecke. Deshalb sei die Bewertung inzwischen so schlecht wie zu den Zeiten der Finanzkrise 2008 und der Eurokrise 2011.

Steigende Refinanzierungskosten

Als steigende Belastung erweisen sich für Banken die ständig steigenden Refinanzierungskosten. Entscheidend dabei sind die Ratingagenturen. So hat etwa Moody's erst Ende Januar die Bonitätsnote der Deutschen Bank heruntergestuft. Die Bewertung der langfristigen Schuldtitel liegt nun bei "Baa1" nach zuvor "A3". Der Ausblick sei negativ, ergänzten die Experten und deuteten damit die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung an.

Zur Begründung verwiesen sie auf eine geplante Änderung des deutschen Insolvenzrechts ab Januar 2017. Demnach sollen etwa Einlagen bei Insolvenzen künftig stärker geschützt werden als bestimmte ungesicherte Schuldtitel.

lg

Darstellung: