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Banken

Gebäude der Deutschen Bank in New York, Wall Street

Libor und kein Ende

Deutsche Bank erneut im Visier

Stand: 23.03.2015, 15:52 Uhr

Bei den Ermittlungen zu möglichen Manipulationen des Referenzzinses Libor ist die Deutsche Bank offenbar erneut ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht geraten. Derweil geht das Rätselraten um die künftige Ausrichtung der Bank weiter.

Wie die "Financial Times" berichtet, ist es das erste Mal, dass sich die New Yorker Finanzaufsicht DFS an den Libor-Untersuchungen beteiligt. Behörden rund um den Globus untersuchen schon seit Jahren, ob Händler an den Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor geschraubt haben, um sich Handelsgewinne zu verschaffen. Zahlreiche Großbanken und Brokerhäuser haben bereits hohe Strafen gezahlt.

Gegen die Deutsche Bank ermittelt seit längerem die US-Justiz. Sie hat einen Aufpasser in der New Yorker Niederlassung der Deutschen Bank installiert. Er soll die Handelspraktiken genauer untersuchen.

Investmentbanking bleibt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Derweil geht das Rätselraten um die neue Strategie der Bank weiter. "Wir arbeiten mit Nachdruck an der nächsten Phase unserer Strategie und freuen uns, die Aktionäre im zweiten Quartal umfassender über die nächsten Schritte zu informieren“, schreiben die beiden Co-Chefs der Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, im neuesten Geschäftsbericht.

Schon jetzt deutet sich allerdings an, wo die Reise hingeht: Statt das Investmentbanking einzudampfen, das für fast alle Skandale steht, in die die Bank seit der letzten Finanzkrise verwickelt ist, dürfte der Umbau vor allem zu Lasten des Privatkundengschäfts gehen.

Abspaltung des Privatkundengeschäfts?

Im Rahmen der Strategiedebatte - die am Freitag Finanzkreisen zufolge auch Thema im Aufsichtsrat war - wird derzeit nach Angaben von Insidern diskutiert, welche Rolle das Privatkundengeschäft rund um die Postbank künftig spielen soll. Dieser Konzernbereich ächzt unter den anhaltenden Niedrigzinsen.

Am heutigen Montag berichten mehrere Zeitungen, zu den derzeit diskutierten Vorschlägen gehöre deshalb die Abspaltung des kompletten Privatkundengeschäfts. Dieses könnte unter dem Dach einer neuen Gesellschaft mit den Marken Postbank und Deutsche Bank an die Börse gebracht werden und sich damit mit neuem Eigenkapital versorgen. Übrig blieben das Investmentbanking, das Zahlungsverkehrsgeschäft und die Vermögensverwaltung.

Der Vorstand hat dem Aufsichtsrat am Freitag drei Modelle vorgestellt, über die spätestens bis zur Hauptversammlung am 21. Mai eine Entscheidung getroffen werden soll.

An der Börse kommen die Spekulationen gut an. Die Aktie der Deutschen Bank legt gegen den allgemeinen Trend zu und gewinnt mehr als zwei Prozent.

lg

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Die Baustellen der Deutschen Bank

Kampf um Ansehen und Rendite

Justizia

Kampf um Gerechtigkeit

Der Kampf im Namen von Justizia fordert die Bank ganz besonders: Deutschlands größte Bank ist nach eigenen Angaben in rund 6.000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Das bindet nicht nur Arbeit, sondern ist auch eine enorme finanzielle Belastung. Zum Ende des zweiten Quartals beliefen sich die bilanziellen Rückstellungen für die Rechtsrisiken auf 3,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen jetzt weitere Rückstellungen von rund 1,2 Milliarden Euro im Dritten Quartal. Aber es gibt auch viele strategische Baustellen, Probleme und Skandale - fast scheint es, als tauchten sie im Wochenrhythmus auf.

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