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Finanzindustrie

John Cryan

"Absolut grundsolide"

Deutsche Bank: Statusmeldung von Cryan

Stand: 09.02.2016, 14:30 Uhr

Aufregende Tage bei der Deutschen Bank: Gestern versicherte das Institut öffentlich, zahlungsfähig zu sein. Nun legt der Boss John Cryan nach und wendet sich direkt an seine Mitarbeiter. Da könnte man sich fast ein bisschen mulmig fühlen.

"Sie können Ihren Kunden mitteilen, dass die Deutsche Bank angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide ist", schreibt der Brite in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns.

"Der Markt hat sich auch besorgt gezeigt, ob unsere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ausreichen. Diese Sorge teile ich keineswegs", schreibt Cryan. "Wir werden unsere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im laufenden Jahr sehr wahrscheinlich aufstocken müssen. Dies ist jedoch bereits in unserem Finanzplan berücksichtigt."

"Den Glauben verloren"

Wegen des besorgniserregenden Kurssturzes an den Börsen hatte sich das Institut am Montagabend zu einem ungewöhnlichen Schritt genötigt gesehen und ein öffentliches Bekenntnis zur Zahlungsfähigkeit abgegeben. Die Deutsche Bank versicherte, in diesem und im kommenden Jahr voraussichtlich genügend Geld zu haben, um die Zinsen auch auf neue, besonders riskante Schuldscheine leisten zu können.

Das war offenbar erforderlich geworden: "Die Investoren haben komplett den Glauben an die Bank verloren", lässt sich ein Großaktionär des Finanzinstituts zitieren. Das kann man auch ziemlich gut am Aktienkurs erkennen. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als 30 Prozent verloren.

"Böse Erinnerungen"

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Reaktion an der Börse war durchwachsen: Mit deutlichen Kursgewinnen hatte die Aktie zunächst an der Dax-Spitze gelegen. Aktuell fällt sie um mehr als zwei Prozent zurück. Der positive Effekt ist also schon verpufft. Marktbeobachter bleiben ohnehin skeptisch: "Spekulationen über die Zahlungsfähigkeit der Deutschen Bank wecken böse Erinnerungen an das Jahr 2008", kommentiert Jochen Stanzl von CMC Markets.

Dass es die größte deutsche Bank für nötig halte, ihre Zahlungsfähigkeit für die Zinsen ihrer nachrangigen Schuldverschreibungen (Cocos) zu versichern, zeige die zunehmend große Nervosität am Markt, schrieb Analyst Philipp Häßler in einer Studie.

2016, ein schwieriges Jahr!

Auch andere Bankanalysten reagierten: Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Deutsche Bank auf "Neutral" belassen. Die Aussage der Bank sollte entsprechende Sorgen der Anleger lindern, meint Analyst Jernej Omahen. Dies gelte insbesondere mit Blick auf die Aussagen zum kommenden Jahr. Allerdings dürfte die Entwicklung der Erträge und Gewinne im sich abzeichnenden schwierigen Jahr 2016 weiter Sorgen machen.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank einen Rekordverlust erzielt. Unter dem Strich belief sich das Minus auf fast sieben Milliarden Euro - ein neuer Rekord. Die andauernden Rechtstreitigkeiten und der erneute Konzernumbau belasten die Bilanz. Und auch 2016 ist ein Verlust nicht ausgeschlossen, wie der Vorstand auf der Bilanzpressekonferenz Ende Januar einräumen musste. Die Dividende ist bereits für mindestens zwei Jahre gestrichen.

"CoCo"-Bonds  sollen bedient werden

Zuletzt machte sich deshalb auch Unruhe unter den Anleihe-Investoren breit, obwohl die Deutsche Bank gleich mehrfach betont hat, insbesondere die neuen "CoCo"-Bonds als wichtiges Refinanzierungsinstrument auf keinen Fall beschädigen zu wollen. Also bekräftigte Deutschlands größtes Geldhaus am Montagabend, dass es genug Geld habe, um neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, "CoCos") zu bedienen, die erst 2014 im Volumen von rund fünf Milliarden Euro ausgegeben wurden.

Mit diesem Schritt stärkte die Bank ihr Kapital, ohne neue Aktien begeben zu müssen. Allerdings hatte das Institut das sonst übliche Zwangswandlungsrecht in Aktien beim Unterschreiten bestimmter Kapitalquoten ausgeschlossen. Somit gelten die Papiere als riskant für Anleger, da sie im Extremfall wertlos werden können. Zudem hat die Bank mehr Spielräume bei den Zinszahlungen als bei normalen Anleihen.

Die Reserven sollten reichen

Deutsche Bank-Chef John Cryan auf der Pressekonferenz im Oktober 2015

John Cryan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wegen der Sorgen über die Finanzkraft der Bank sind die Kurse dieser nachrangigen Schuldverschreibungen in den vergangenen Wochen abgestürzt. So notierte das auf Euro laufende und mit sechs Prozent verzinste Papier zuletzt nur noch bei gut 72 Prozent. Die Anleihe beschleunigte damit die Talfahrt der vergangenen Wochen. Ende 2015 hatte das Papier noch deutlich über der Marke von 90 Prozent notiert.

Dieses Jahr steht eine Zinszahlung von rund 350 Millionen Euro an - und nach Konzernangaben steckt etwa eine Milliarde Euro in der Kasse dafür. 2017 liegen die geschätzten Reserven dank erwarteter Sondererlöse demnach sogar bei 4,3 Milliarden Euro – das operative Ergebnis des laufenden Jahres noch gar nicht eingerechnet.

rtr/dpa

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