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Deutsche Bank-Fahnen

So tief wie seit Jahrzehnten nicht

Deutsche-Bank-Aktie im Kurskeller

Stand: 04.02.2016, 10:12 Uhr

Ein Langfrist-Chart, der mehr sagt als Tausend Worte: Es geht bergab mit der Aktie des deutschen Branchenprimus. Und eine Besserung ist kaum in Sicht, die Probleme werden nicht weniger und die Experten senken die Daumen.

Man muss schon einen sehr langfristigen Chart zu Rate ziehen, um tiefere Kurse bei dem Papier der Deutschen Bank zu stoßen. Anfang der 1990er Jahre immerhin finden sich auch Notierungen deutlich unter der Marke von 15 Euro, um die die Aktie auch derzeit kämpft.

Dicke Minus-Performance

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
13,36
Differenz absolut
-2,20
Differenz relativ
-14,13%

Die Bezeichnung "historisches Tief" erscheint dennoch gerechtfertigt, selbst im Gefolge der Börsenbaisse in der Bankenkrise 2008/2009 war die Akie schließlich nie so tief gerutscht wie derzeit. Zur Erinnerung: Der Titel hatte 2007 einmal die Marke von 100 Euro übersprungen. Die Kursbilanz zeigt auf Ein-Jahres-Sicht ein Minus von 46 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren verlor der Titel 59 Prozent.

Mutige Anleger könnten der Meinung sein, die Aktie könnte inzwischen "billig" sein. Doch eine Reihe von Faktoren, die den Kurs weiterhin beeinflussen dürften, sollten dabei beachtet werden. Analysten äußern sich weiterhin ganz überwiegend skeptisch zu dem Unternehmen. Experten der französischen BNP Paribas haben die Aktie trotz des rapiden Kursverfalls sogar von "neutral" auf "underperform" herabgestuft. Die Aktie werde sich auch im laufenden Jahr "unterdurchschnittlich" entwickeln.

Braucht die Bank Frischgeld?

Dafür gibt es gute Gründe. Der horrende Verlust des Instituts von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sorgt für Spekulationen, dass die Bank eine weitere Kapitalerhöhung braucht, um die Bilanz auf solidere Füße zu stellen. Das zumindest meint die Citigroup in einem aktuellen Kommentar.

Im laufenden Jahr drohen zudem weitere Verluste, so schätzen die Beobachter, insbesondere dann, wenn der Befreiungsschlag mit dem Börsengang der Tochter Postbank nicht gelingen sollte. Die Interessenten stehen jedenfalls nicht Schlange auf dem Börsenparkett. Und auch ein direkter Verkauf des Unternehmens gestaltet sich schwierig.

Dividende ade

Dividendenzahlungen hat das Unternehmen bereits auch für das laufende Jahr ausgeschlossen. Hier geht die Analystengemeinde sogar davon aus, dass es bis 2018 dauern könnte, bevor Anleger wieder mit einer Ausschüttung rechnen können.

Wie stark verunsichert der Kapitalmarkt inzwischen ist, zeigt sich auch an den CDS der Deutsche Bank-Anleihen. Diese Derivate (Credit Default Swaps) ermöglichen die Absicherung der Schuldscheine der Bank gegen einen Ausfall. Die Absicherungskosten sind seit Jahresbeginn um rund 60 Prozent gestiegen. Zu deutsch: Bei der Deutschen Bank hat der Markt ein deutlich höheres Ausfallrisiko eingepreist.

Klagen und kein Ende

Und an der Klagefront ist für die Deutsche Bank ebenfalls weiterhin keine Entwarnung gegeben. Erst am gestrigen Mittwoch erklärte ein US-Gericht, dass ein belgischer Vermögensverwalter seine Klage in den USA weiter verfolgen könne. Dabei geht es um eine Verletzung der Pflichten als Treuhänder auf Seiten der Deutschen Bank während der Hypothekenkreise - und um 3,1 Milliarden Dollar.

Credit Suisse kann es auch nicht besser

Dass es anderen Branchenvertretern derzeit nicht viel besser geht, dürfte den Anlegern da kaum Trost spenden: Auch die Credit Suisse musste wegen hoher Abschreibungen und Kosten für Rechtsstreitigkeiten einen Fehlbetrag von fast drei Milliarden Franken ausweisen. Auch die Schweizer leiden daneben wie die Deutsche Bank unter einem schlecht laufenden Investmentbanking. Auch hier scheint derzeit kein Ausweg aus einem nicht mehr funktionierenden Geschäftsmodell gefunden zu sein.

AB

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