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Porträt

Kering-Marionette oder mehr?

Der Personal Trainer von Puma

Ein ehemaliger Profifußballer soll es richten: Björn Gulden, Norweger, 47 Jahre alt, soll den Sportmodehersteller Puma als neuer Chef auf Vordermann bringen. Das Fitness-Programm ist vorgegeben, vom Mutterkonzern Kering.

Björn Gulden, CEO der PUMA SE

Puma CEO Björn Gulden 1408. | Quelle: picture-alliance/dpa

"Guldens Job ist es, Puma stärker zu fokussieren", stellte Verwaltungsratschef Jean-François Palus gegenüber dem "Handelsblatt" klar. Das fränkische Unternehmen soll zu seinen sportlichen Wurzeln zurück und weniger ein Lifestyle-Konzern sein.

Dazu muss der Konzern sein Angebot verschlanken. "Wir wollen mit weniger Produkten mehr verdienen", erklärte Chefaufseher Palus, der gleichzeitig eine Top-Position beim französischen Mehrheitseigentümer Kering, ehemals PPR, hat. Der hält über 75 Prozent der Anteile an Puma. Etwa 20 Prozent sind im Streubesitz.

Das neue Kredo: einfacher, einheitlicher, schneller

Außerdem gab es aus Frankreich einen Wink mit dem Zaunpfahl. Die Tochter sei zu behäbig, kritisierte Palus. "Vom Design eines Schuhs bis zur Auslieferung vergehen häufig anderthalb Jahre", bemängelte der Top-Manager und forderte mehr Tempo von dem neuen Mann an der Führungsspitze. Zugleich hat der die Möglichkeit, von Luxusmarken wie Gucci oder Yves Saint Laurent unter dem Kering-Dach zu lernen.

Vor etwa drei Wochen hatte der Kering-Chef François-Henri Pinault bereits höchstpersönlich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bei Puma den Finger in die Wunde gelegt. Interne Schwächen seien zu korrigieren, Wildwuchs und die geographische Zersplitterung zu bekämpfen, führte er aus. Die Konzernstrukturen sollten vereinheitlicht und vereinfacht werden.

Seit Jahren zählt Puma zu den Verlierern

Puma: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Derzeit befindet sich das Unternehmen im größten Umbau seit zwanzig Jahren. Schon lange ist Puma Kerings Sorgenkind, das auch im ersten Quartal 2013 bei Gewinn und Umsatz Einbußen wegstecken musste. Auch auf das Gesamtjahr gesehen rechnet der Konkurrent von Adidas und Nike mit rückläufigen Erlösen.

All diese Probleme könnte der neue Puma-Chef als sportliche Herausforderung sehen. Denn der 47 Jahre alte Norweger hat eine Leidenschaft für Fußball und war selbst einmal Profifußballer, Mittelstürmer beim 1. FC Nürnberg. Vielleicht kann er bis zur nächsten Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 das Ruder herumreißen. Mit Borussia Dortmund gibt es bereits einen Ausrüstervertrag. Gerüchten zufolge könnte Gulden dafür auch bald den britischen Fußballklub Arsenal London gewinnen.

Ist der ewige Wechsel an der Führungsspitze vorbei?

Der Puma-Chef hat schon einige Erfahrung gesammelt. Er war bereits Chef beim börsennotierten Modeschmuckhersteller Pandora und geschäftsführender Direktor beim Schuhhändler Deichmann. Außerdem hat der Norweger bereits beim Puma-Rivalen Adidas das Geschäft für Bekleidung und Accessoires mit verantwortet und das Unternehmen 1995 mit an die Börse gebracht.

Nun muss Björn Gulden einen radikalen Sparkurs fahren. Unter anderem will er etliche unrentable Läden schließen. Bleibt abzuwarten, ob er damit erfolgreicher ist als seine Vorgänger Franz Koch oder Jochen Zeitz, mit denen Großaktionär Kering schon die Geduld verloren hat.

um

Stand: 01.07.2013, 14:06 Uhr

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